RWE AktiengesellschaftEssenZwischenmitteilung über das erste Quartal 2022Trotz Unsicherheiten durch Ukraine-Krise: RWE
bekräftigt Ergebnisprognose für 2022 //
Bereinigtes EBITDA im ersten Quartal mit 1,5 Mrd. €
deutlich über Vorjahr // Wertberichtigung von 0,8 Mrd.
€ auf Verträge mit russischen Kohlelieferanten //
Stark erhöhte Stromproduktion aus erneuerbaren
Energien // Erfolg bei Versteigerung von
Pachtverträgen für die New Yorker Bucht: RWE
betritt US-Offshore-Windmarkt
Auf einen Blickscrollen
scrollen
1 Angepasste Vorjahreswerte.
LageberichtWesentliche EreignisseIm BerichtszeitraumTurbulenzen an Energiemärkten wegen Ukraine-Krieg -
Wertberichtigung bei RWE infolge von Sanktionen gegen
Russland. Seit Ende Februar führt Russland Krieg gegen
die Ukraine. Angesichts des unbeschreiblichen Leids der
Betroffenen stehen humanitäre Maßnahmen derzeit
ganz oben auf der politischen Agenda. Auch unser
Unternehmen beteiligt sich daran, indem es die Betreuung
von Kriegsflüchtlingen mitfinanziert,
Notunterkünfte in Tagebau-Umsiedlungsgebieten
bereitstellt und ukrainischen Arbeitskräften
Stellenangebote macht. Im Schatten der katastrophalen
humanitären Auswirkungen zeigen sich zunehmend auch
die wirtschaftlichen Folgen des Kriegs. Besonders zu
spüren sind sie im europäischen Energiesektor.
Aufgrund von Sanktionen seitens der EU und
Großbritanniens unterliegen Rohstoffeinfuhren aus
Russland inzwischen massiven Beschränkungen. Ende
April hat die Moskauer Führung die Gaslieferungen nach
Polen und Bulgarien eingestellt. Angesichts drohender
Engpässe bei der Rohstoffversorgung sind die
Energiepreise in Europa, die bereits vor dem Krieg
ungewöhnlich hoch waren, weiter stark angestiegen.
Obwohl wir keinen Geschäftstätigkeiten in
Russland und der Ukraine nachgehen, ist auch unser
Unternehmen von den wirtschaftlichen Auswirkungen des
Kriegs betroffen. RWE unterhält Verträge
über Rohstofflieferungen aus Russland zu Fixpreisen,
die weit unter den aktuellen Marktniveaus liegen.
Wegfallende Mengen müssen wir zu wesentlich
ungünstigeren Konditionen von Dritten beschaffen, um
eigenen Lieferverpflichtungen nachkommen zu können.
Unsere kontrahierten Gasbezüge von russischen
Produzenten betrugen Anfang März 15 TWh (bis Ende
2023). Das damit verbundene Risiko haben wir durch
finanzielle Absicherungsgeschäfte bereits deutlich
reduziert. Neben den Gaskontrakten haben wir Verträge
über den Bezug russischer Steinkohle in Höhe von
insgesamt 12 Mio. Tonnen (bis 2025). Hier ist es bereits zu
einem Stopp der Lieferungen gekommen. Sanktionen
Großbritanniens und der EU schließen eine
Fortführung der Bezüge aus. Den daraus
resultierenden finanziellen Schaden veranschlagen wir auf
847 Mio. €. Er ist im neutralen Ergebnis des ersten
Quartals 2022 ausgewiesen.
EU-Kommission legt Konzept für
Energieunabhängigkeit von Russland vor. Unter dem
Eindruck des Ukraine-Kriegs richten die EU und zahlreiche
Staaten ihre Energiepolitik neu aus. Bereits rund zwei
Wochen nach Kriegsbeginn stellte die Europäische
Kommission den Plan "REPowerEU" vor. Er beinhaltet eine
Reihe von Vorschlägen, um Europa deutlich vor 2030
unabhängig von fossilen Brennstoffen aus Russland zu
machen. Vorgesehen ist eine Diversifizierung der
Gaslieferungen, ein beschleunigter Ausbau der erneuerbaren
Energien, ambitioniertere Ziele im Hinblick auf die
Energieeffizienz sowie die Produktion von Biogas und
grünem Wasserstoff. Um die Gasversorgung im Winter
sicherzustellen, regt die Kommission an, dass unterirdische
Gasspeicher in der gesamten EU bestimmte
Mindestfüllstände einhalten müssen; ein
entsprechender Legislativvorschlag ist am 23. März
verabschiedet worden und durchläuft nun ein
verkürztes Gesetzgebungsverfahren. REPowerEU zeigt
auch auf, wie die von den hohen Energiepreisen betroffenen
Verbraucher und Unternehmen entlastet werden könnten.
Die EU-Staaten sollen die Möglichkeit haben,
außerordentliche Gewinne aus den Preiserhöhungen
- sogenannte Windfall Profits - steuerlich
abzuschöpfen. Die Kommission will ihr Paket REPowerEU
bereits in Kürze konkretisieren und weitere
Gesetzesinitiativen starten.
Deutschland: Maßnahmenpaket für mehr
Energiesicherheit. Auch die Bundesregierung hat eine
Vielzahl von Maßnahmen eingeleitet, mit denen sie
eine sichere, von Russland unabhängige
Energieversorgung gewährleisten will. Erreicht werden
soll dies u. a. durch Diversifizierung der Gasbeschaffung,
Senkung des Gasbedarfs zur Stromproduktion, einen
schnelleren Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft,
Fortschritte beim Thema Energieeffizienz und einen stark
beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien. In ihrem
Ende März veröffentlichten "Fortschrittsbericht
Energiesicherheit" zeigt sich die Bundesregierung
zuversichtlich, dass Deutschland bei einer gemeinsamen
Kraftanstrengung bis zum Sommer 2024 weitgehend
unabhängig von russischen Gaseinfuhren werden
könne. Diese machten 2021 noch über die
Hälfte der deutschen Nachfrage aus. Bei Steinkohle und
Rohöl sei eine weitgehende Unabhängigkeit bereits
im laufenden Jahr erreichbar.
Bundesregierung will vorläufigen Weiterbetrieb von
Kohlekraftwerken ermöglichen.
Am 23. März hat der Koalitionsausschuss
beschlossen, dass die gesetzlich verankerte Stilllegung von
Kohlekraftwerken nach Überprüfung durch die
Bundesnetzagentur ausgesetzt werden kann. Damit soll der
Gasbedarf für die Stromerzeugung schon kurzfristig
reduziert werden. An dem Ziel, idealerweise bis 2030 aus
der Kohle auszusteigen, hält die Koalition fest. RWE
unterstützt die Bundesregierung dabei, die
Versorgungssicherheit auch künftig auf einem
möglichst hohen Niveau zu gewährleisten. Deshalb
prüfen wir, welche unserer Kohlekraftwerke auf Wunsch
der Politik reaktiviert oder länger als geplant
betrieben werden können. Technisch machbar wäre
das für Kapazitäten von insgesamt 3,5 GW. Dabei
handelt es sich u. a. um den Mitte 2021 stillgelegten
Steinkohleblock Westfalen E sowie um Braunkohleblöcke,
die erst kürzlich abgeschaltet wurden, sich in der
gesetzlichen Sicherheitsbereitschaft befinden oder in
diesem Jahr stillgelegt werden müssen. Ob und
inwieweit die Anlagen genutzt werden sollen, ist noch
offen. Falls sich die Politik für verlängerte
Laufzeiten von Kohlekraftwerken entscheidet, muss sie das
Energiewirtschafts- und das
Kohleverstromungsbeendigungsgesetz entsprechend anpassen.
Wir erwarten einen Rechtsrahmen, der uns keinen Spielraum
für zusätzliche Gewinne einräumt, wollen
aber auch Nachteile für uns und unsere
Beschäftigten vermeiden. Auf unsere strategische
Ausrichtung hätte der vorläufige Weiterbetrieb
von Kohlekraftwerken keinen Einfluss: RWE wird den Ausbau
der erneuerbaren Energien zügig fortsetzen und
spätestens 2040 klimaneutral sein.
Neues Gesetz legt Mindestfüllstände für
deutsche Gasspeicher fest. Am 25. März hat der
Deutsche Bundestag ein Gesetz verabschiedet, mit dem
sichergestellt werden soll, dass im Winter genügend
Speichergas zur Verfügung steht. Nachdem auch der
Bundesrat zugestimmt hat, ist das Gesetz am 30. April in
Kraft getreten. Es sieht bestimmte
Mindestfüllstände für die deutschen
Gasspeicher vor. Diese betragen 65 % zum 1. August eines
Jahres, 80 % zum 1. Oktober, 90 % zum 1. November und 40 %
zum 1. Februar. Die Betreiber von Gasspeichern müssen
kontrollieren, dass die Vorgaben eingehalten werden. Falls
die Pächter ihre gebuchten Kapazitäten nicht
ausreichend befüllen, können ihnen diese entzogen
und dem Marktgebietsverantwortlichen zur Verfügung
gestellt werden, der dann für die Befüllung
sorgt. Das Gesetz ist bis April 2025 befristet. Es ist
nicht nur eine Reaktion auf den Ukraine-Krieg, sondern auch
auf die historisch niedrigen Füllstände der
Speicher im vergangenen Winter und die dadurch
mitverursachten Gaspreisspitzen.
KfW, Gasunie und RWE wollen LNG-Terminal in
Brunsbüttel errichten. Um die Abhängigkeit von
russischem Gas zu reduzieren, hat die Bundesregierung den
Bau von Terminals für Direkteinfuhren von
Flüssigerdgas (LNG) nach Deutschland angekündigt.
Ein solches Projekt, an dem RWE beteiligt ist, nimmt nun
konkrete Formen an. Am 4. März unterzeichneten wir mit
der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und dem
niederländischen Gasnetzbetreiber Gasunie eine
Absichtserklärung zur gemeinsamen Errichtung eines
LNG-Terminals in Brunsbüttel. Die Gaseinfuhren sollen
dort - nach Regasifizierung - ein Volumen von bis zu 8 Mrd.
Kubikmeter pro Jahr erreichen können. RWE plant, am
gleichen Standort einen weiteren Terminal zu errichten, der
für die Einfuhr von klimaneutral hergestelltem
Ammoniak genutzt wird. Das Ammoniak könnte vor Ort in
Wasserstoff umgewandelt und zur Versorgung der Industrie
mit grüner Energie eingesetzt werden. Langfristig soll
auch der LNG-Terminal auf den Import grüner
Moleküle umgestellt werden.
RWE betritt Offshore-Windmarkt in den USA. Unseren
Wachstumskurs bei den erneuerbaren Energien haben wir 2022
entschlossen fortgesetzt. Im Februar nahmen wir mit Erfolg
an der Versteigerung von Pachtverträgen für
Offshore-Windkraftgebiete in der New Yorker Bucht teil. Ein
Gemeinschaftsunternehmen von RWE und National Grid Ventures
konnte sich für 1,1 Mrd. US$ ein Areal sichern, auf
dem Erzeugungskapazitäten von rund 3 GW entstehen
können. Die Versteigerung umfasste sechs Pachtgebiete,
wobei jeder Bieter nur ein einziges Areal ersteigern
durfte. Ein erfolgreiches Gebot berechtigt zur Entwicklung
der Fläche und zur Teilnahme an den kommenden
Auktionen über die Konditionen zur Abnahme des Stroms
in den nahe gelegenen US-Bundesstaaten. Bei
planmäßigem Projektfortschritt wird unser
Offshore-Windpark in der New Yorker Bucht noch in diesem
Jahrzehnt in Betrieb gehen.
US-Windpark El Algodon Alto fertiggestellt. Im März
hat unser neuer Onshore-Windpark El Algodon Alto im
US-Bundesstaat Texas nach 15-monatiger Bauzeit den
kommerziellen Betrieb aufgenommen. Seine 91 Turbinen kommen
zusammen auf eine Erzeugungsleistung von 200 MW und
können rein rechnerisch mehr als 60.000 US-Haushalte
mit grünem Strom versorgen. Wir haben umgerechnet rund
280 Mio. € in den Windpark investiert.
Windkraft-Joint-Venture mit Northland Power gestartet.
RWE und Northland Power haben im Januar ein Joint Venture
gegründet, das Windkraftprojekte in der deutschen
Nordsee entwickeln wird. Von der Partnerschaft versprechen
wir uns Synergien bei der Entwicklung, dem Bau und dem
Betrieb der Anlagen. RWE hält 51 % am Joint Venture
und unser kanadischer Partner 49 %. Im
Gemeinschaftsunternehmen sind drei
Offshore-Windkraftprojekte zusammengefasst, mit denen
Kapazitäten von 1,3 GW geschaffen werden können.
Die Standorte der künftigen Windparks liegen
nördlich der Insel Juist. Zwei der drei Vorhaben sind
bereits in der Vergangenheit von RWE und Northland Power
vorangetrieben worden: In dem einen Projekt geht es um
einen 433-MW-Windpark im Gebiet mit der Bezeichnung N-3.8,
die wir uns 2021 nach einer Ausschreibung per
Eintrittsrecht gesichert haben; das andere Vorhaben dient
dem Bau und Betrieb eines Windparks mit 420 MW, der auf der
Fläche N-3.5 realisiert werden könnte. Auch
für dieses Gebiet haben wir ein Eintrittsrecht, das
aber noch nicht ausgeübt wurde. An beiden Vorhaben war
RWE ursprünglich mit nur 15 % beteiligt. Das dritte
Joint-Venture-Projekt hatten wir zunächst allein
entwickelt. Im Zentrum steht hier ein Windpark mit 480 MW
auf der Fläche N-3.6, für die wir ebenfalls ein
bislang ungenutztes Eintrittsrecht besitzen. Die
Förderausschreibungen für die Gebiete N-3.5 und
N-3.6 sollen 2023 stattfinden.
Erfolg bei britischer Kapazitätsmarktauktion. Bei
einer Auktion für den britischen Kapazitätsmarkt,
die am 22. Februar stattfand, haben sich alle teilnehmenden
RWE-Kraftwerke - darunter auch zwei kleine Neubauvorhaben -
für eine Kapazitätsprämie qualifiziert. Es
handelt sich dabei nahezu ausschließlich um
Gaskraftwerke. Zusammen kommen die Anlagen auf eine
gesicherte Leistung von 6.647 MW. Das Bieterverfahren bezog
sich auf den Zeitraum vom 1. Oktober 2025 bis 30. September
2026. Insgesamt kamen Anlagen mit 42,4 GW zum Zuge. Sie
werden im genannten Zeitraum eine Vergütung dafür
erhalten, dass sie am Netz sind und zur Stromversorgung
beitragen. Die im Bieterverfahren ermittelte
Kapazitätsprämie betrug 30,59 £ / kW (zzgl.
Inflationsausgleich).
Ausschreibung für deutsche Kapazitätsreserve:
Gersteinwerk erhält Zuschlag für zwei
Gasblöcke. Unsere Erdgas-Kombiblöcke F und G am
Standort Gersteinwerk in Werne (Westfalen) haben sich
erneut für eine Aufnahme in die deutsche
Kapazitätsreserve qualifiziert. Die Entscheidung fiel
Ende Februar bei einer Ausschreibung der Bundesnetzagentur.
Die Anlagen werden im Zeitraum vom 1. Oktober 2022 bis 30.
September 2024 eine Reserveleistung von zusammen 710 MW
vorhalten, die im Bedarfsfall zur Absicherung der
Netzstabilität genutzt werden kann. Wir bekommen
dafür eine Prämie von 62,94 € je Kilowatt
und Jahr. Die beiden Blöcke waren bereits bei der
ersten Ausschreibung dieser Art vor zwei Jahren
erfolgreich. Als Reservekraftwerke nehmen sie seit 1.
Oktober 2020 nicht mehr am regulären Strommarkt teil,
sondern werden nur dann angefahren, wenn der
Übertragungsnetzbetreiber es anordnet.
RWE erhöht Kreditlinienvolumen auf 8 Mrd. €.
Im Frühjahr haben wir uns zwei neue Kreditlinien
einräumen lassen, die der Absicherung unserer
Liquidität dienen. Damit können wir nun auf drei
syndizierte Kreditlinien mit einem Gesamtvolumen von 8 Mrd.
€ zurückgreifen. Gewährt werden sie uns von
einem Konsortium aus 27 internationalen Banken. Die erste
Linie über 3 Mrd. € konnten wir uns bereits im
April 2019 sichern. Sie läuft bis April 2026. Die
zweite Linie hat ein Volumen von 2 Mrd. €. Sie ersetzt
eine im April 2022 ausgelaufene Kreditlinie und steht uns
ebenfalls bis April 2026 zur Verfügung. Angesichts der
jüngsten Energiepreisschwankungen und den dadurch
gestiegenen Liquiditätsanforderungen bei der
Besicherung von Terminkontrakten haben wir uns eine dritte
Linie einräumen lassen, die unseren
Finanzierungsspielraum für zwei Jahre um weitere 3
Mrd. € erhöht. Die Konditionen aller drei Kredite
sind auf unsere Initiative hin an Nachhaltigkeitskriterien
gekoppelt. Sie hängen u. a. davon ab, wie sich die
folgenden drei Kennzahlen entwickeln: der Anteil der
erneuerbaren Energien am RWE-Erzeugungsportfolio, die CO
2-Intensität unserer Anlagen und der
Prozentsatz der Investitionen, die gemäß der
EU-Taxonomie-Verordnung als nachhaltig einzustufen sind.
Für alle drei Kriterien haben wir Ziele festgelegt.
Sollten wir die Vorgaben nicht erreichen, müssen wir
höhere Zinsen und Bereitstellungsgebühren
entrichten. Die Mehrausgaben würden zur Hälfte
gemeinnützigen Organisationen zufließen.
US-Handelsministerium erwägt zusätzliche
Zölle auf südostasiatische Solarmodule. Ende
März hat das amerikanische Handelsministerium eine
Untersuchung gestartet, die sich mit der Herstellung von
Photovoltaik-Modulen aus Kambodscha, Malaysia, Thailand und
Vietnam befasst. Geprüft wird, ob genügend
Produktionsschritte in diesen Ländern stattfinden oder
ob dort lediglich chinesische Komponenten
zusammengefügt werden, um Zölle auf in China
gefertigte Module zu umgehen. Sollte Letzteres der Fall
sein, drohen Strafzölle und damit erhebliche
Mehrkosten bei Solarprojekten. Die Zölle könnten
rückwirkend ab dem Start der Untersuchung erhoben
werden. Deshalb sind der Import und die Auslieferung von
Photovoltaik-Modulen aus dem südostasiatischen Raum
weitestgehend gestoppt, und viele Projekte drohen sich zu
verspäten. Erste Ergebnisse der Untersuchung sollen
bis Ende August vorliegen. Spätestens im Januar 2023
wird es eine finale Entscheidung des Ministeriums geben.
Nach Ablauf des BerichtszeitraumsBundesregierung legt Maßnahmenpaket für
schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien vor. Am 6.
April verabschiedete das Bundeskabinett eine mehr als 500
Seiten starke Novelle des Energierechts, mit der erste
Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag umgesetzt werden sollen.
Das sogenannte "Osterpaket" zielt in erster Linie auf einen
schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien ab, deren
Anteil am deutschen Bruttostromverbrauch bis 2030 auf 80 %
steigen soll. Das wäre doppelt so viel wie 2021. Bis
zum Ende der laufenden Dekade soll es in Deutschland
Offshore-Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 30
GW geben. Für 2045 sind 70 GW anvisiert. Auf dem
Gebiet der Onshore-Windkraft und der Photovoltaik sollen
die Kapazitäten bis 2030 auf 115 GW bzw. 215 GW
erhöht werden. Bis zur Mitte der Dekade will die
Bundesregierung bei diesen beiden Technologien einen
jährlichen Zubau von 10 GW bzw. 22 GW erreichen. Als
Basis dafür soll im Energierecht der Grundsatz
verankert werden, dass die Nutzung erneuerbarer Energien im
überragenden öffentlichen Interesse liegt und der
öffentlichen Sicherheit dient. Dadurch erhält sie
Vorrang bei der Abwägung mit anderen
Schutzgütern, so dass bestehende Investitionshemmnisse
leichter abgebaut und insbesondere Planungs- und
Genehmigungsprozesse beschleunigt werden können. Dies
soll nicht nur Erneuerbare-Energien-Projekte, sondern auch
den nötigen Ausbau der Stromnetze voranbringen. Das
Osterpaket enthält darüber hinaus eine Vielzahl
von Einzelmaßnahmen. Beispielsweise sollen neue
Flächen für den Ausbau der Photovoltaik
bereitgestellt, die Beteiligung der Kommunen bei
Erneuerbare-Energien-Projekten ausgeweitet und die
Rahmenbedingungen für den Ausbau von
Photovoltaikdachanlagen verbessert werden. Den Ausbau der
Offshore-Windkraft will die Bundesregierung auf zwei
gleichberechtigte Säulen stellen: Neben der Teilnahme
an Förderauktionen für vorentwickelte
Flächen soll es für Investoren die Option geben,
sich für nicht entwickelte Flächen zu
qualifizieren und diese ohne Förderung für die
Stromproduktion nutzbar zu machen. Vorgesehen sind auch
Entlastungen für Verbraucher: Der Finanzierungsbedarf
für die erneuerbaren Energien soll nicht mehr wie
bisher durch eine Umlage auf den Strompreis, sondern
über ein Sondervermögen gedeckt werden. Das
Osterpaket befindet sich nun im parlamentarischen
Gesetzgebungsverfahren, das voraussichtlich Mitte des
Jahres abgeschlossen sein wird. Ein
Klimaschutz-Sofortprogramm und ein Sommerpaket mit weiteren
Maßnahmen zur Beschleunigung der Energiewende sollen
zeitnah folgen.
Großbritannien will unabhängiger von
Rohstoffimporten werden - ambitioniertere Ausbauziele
für Offshore-Windkraft und Wasserstoff. Die britische
Regierung hat am 7. April ihre Strategie zur Verbesserung
der Energieversorgungssicherheit vorgelegt. Ziel ist es,
das Land unabhängiger von Rohstoffeinfuhren zu machen
und die Nutzung heimischer Energiequellen voranzutreiben.
Damit reagiert die Regierung auf den drastischen
Preisanstieg an den internationalen Commodity-Märkten,
der sich aus der Belebung der Nachfrage nach der
Corona-Krise ergab und durch den Ukraine-Krieg
verstärkt wurde. Die Strategie umfasst eine Vielzahl
von Maßnahmen, die die Stromproduktion, die
Netzinfrastruktur und das Thema Energieeffizienz betreffen.
Geplant ist u. a. ein beschleunigter Ausbau der
erneuerbaren Energien. Bis 2030 sollen die
Offshore-Windkraft-Kapazitäten des Landes auf 50 GW
erhöht werden. Das sind 10 GW mehr als zunächst
vorgesehen. Schwimmende Windparks sollen dann bereits auf
eine Gesamtleistung von 5 GW kommen. Um eine schnellere
Umsetzung von Offshore-Projekten zu ermöglichen,
sollen die Genehmigungsfristen drastisch verkürzt
werden. Beschleunigen will die Regierung auch den Ausbau
der Onshore-Windkraft und der Photovoltaik. Beide
Technologien waren zuletzt aus dem Fokus der britischen
Energiepolitik gerückt. Dies äußerte sich
u. a. darin, dass neue Projekte keine Förderung
über Differenzverträge (Contracts for Difference,
kurz CfDs) mehr erhielten. Künftig sollen sie wieder
an CfD-Auktionen teilnehmen können. Auch beim Ausbau
der Wasserstoffwirtschaft drückt die Regierung aufs
Tempo: Ihre Ambition, die Elektrolysekapazität bis
2030 auf 10 GW zu steigern, bedeutet eine Verdoppelung
gegenüber der bisherigen Zielsetzung. Eine tragende
Rolle im Regierungskonzept spielt auch die Kernenergie: Sie
soll bis 2050 auf 24 GW Erzeugungskapazität ausgebaut
werden und dann ein Viertel des voraussichtlichen
Strombedarfs decken.
RWE nimmt britischen Nordsee-Windpark Triton Knoll in
Betrieb. Seit April 2022 ist unser neuer Offshore-Windpark
Triton Knoll offiziell am Netz. Er befindet sich rund 30
Kilometer vor der Küste von Lincolnshire (Ostengland).
Mit seinen 90 Turbinen, die über eine Gesamtleistung
von 857 MW verfügen, gehört er zu den
größten Windparks weltweit. RWE hält mit 59
% die Mehrheit an Triton Knoll und ist zugleich für
den Betrieb verantwortlich. Die übrigen Anteile
gehören den japanischen Energieversorgern J-Power (25
%) und Kansai Electric Power (16 %). Das
Investitionsvolumen belief sich auf rund 2 Mrd. £.
Darin enthalten sind die Ausgaben für den
Netzanschluss, den wir aufgrund regulatorischer Vorgaben an
einen unabhängigen Dritten veräußern
werden.
Im Auftrag des Bundes: RWE mietet zwei schwimmende
LNG-Terminals. Im Auftrag und im Namen der Bundesregierung
hat RWE zwei Spezialschiffe für den Transport und die
Regasifizierung von LNG gemietet. Die sogenannten Floating
Storage and Regasification Units (FSRUs) sollen eine
schnelle Übergangslösung zum Anlanden von LNG in
Deutschland bieten, bis die ersten Terminals auf dem
Festland fertiggestellt sind. RWE wird auch Betreiber der
Schiffe sein. Für die Beschaffung des
Flüssiggases auf dem Weltmarkt ist der Bund
zuständig. Mit den beiden 300 Meter langen FSRUs
können jährlich zwischen 10 und 14 Mrd.
Kubikmeter Erdgas für den deutschen Markt
verfügbar gemacht werden. Die Schiffe sollen bereits
im kommenden Winter zur deutschen Energieversorgung
beitragen.
Braunkohleblock Neurath A stellt Stromproduktion ein.
Zum 1. April haben wir Block A des Braunkohlekraftwerks
Neurath vom Netz genommen. Die Anlage mit einer
Nettoleistung von 294 MW war 1972 in Betrieb gegangen. Ihre
Schließung ergibt sich aus dem Fahrplan zum deutschen
Kohleausstieg. Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte um
eine Reduzierung des Gasverbrauchs in der Stromerzeugung
wird der Block zunächst noch nicht zurückgebaut,
sondern konserviert. Damit wahren wir die Option, die
Anlage wieder in Betrieb zu nehmen, falls die
Bundesregierung oder die Bundesnetzagentur dies aus
Gründen der Versorgungssicherheit für
erforderlich halten. RWE hat seit Dezember 2020 bereits
sechs Braunkohleblöcke mit einer Gesamtleistung von
rund 1.800 MW stillgelegt. Ende 2022 werden am Standort
Neurath noch die beiden Blöcke D (607 MW) und E (604
MW) vom Netz gehen. Drei Monate zuvor schließen wir
auch die Blöcke E (295 MW) und F (299 MW) am Standort
Niederaußem, die sich zur Zeit noch in der
gesetzlichen Sicherheitsbereitschaft befinden. Auch diese
Stilllegungen stehen unter dem Vorbehalt, dass die Anlagen
nicht als systemkritisch eingestuft werden.
Dividende von 0,90 € je Aktie gezahlt. Die
Hauptversammlung der RWE AG vom 28. April hat dem
Dividendenvorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat für
das Geschäftsjahr 2021 mit breiter Mehrheit
zugestimmt. Dementsprechend haben wir am 3. Mai einen
Betrag von 0,90 € je Aktie ausgeschüttet; das
sind 0,05 € mehr als im Vorjahr.
Anmerkungen zur BerichtsweiseKonzernstruktur mit fünf Segmenten. Bei der
Darstellung unseres Geschäftsverlaufs unterscheiden
wir fünf Segmente, von denen die ersten vier unser
Kerngeschäft bilden. Die Segmente lassen sich wie
folgt abgrenzen:
1. Offshore Wind: Hier erfassen wir unser Geschäft
mit der Windstromerzeugung auf dem Meer. Geführt wird
es von der Konzerngesellschaft RWE Renewables.
2. Onshore Wind / Solar: Zu diesem Segment zählen
unsere Aktivitäten auf dem Gebiet der Windkraft an
Land und der Solarenergie sowie Teile unseres
Batteriespeichergeschäfts. Zuständig dafür
ist ebenfalls RWE Renewables.
3. Wasser / Biomasse / Gas: Hier ist die Stromerzeugung
mit Laufwasser-, Pumpspeicher-, Biomasse- und
Gaskraftwerken gebündelt. Außerdem enthält
das Segment die niederländischen Kraftwerke Amer 9 und
Eemshaven, in denen wir Steinkohle und Biomasse verstromen,
sowie einzelne Batteriespeicher. Die auf Projektmanagement
und Ingenieurdienstleistungen spezialisierte Gesellschaft
RWE Technology International und unsere 37,9 %-Beteiligung
am österreichischen Energieversorger KELAG weisen wir
ebenfalls hier aus. Übergeordnete
Führungsgesellschaft in dem Segment ist RWE
Generation. Bei ihr liegt auch die Zuständigkeit
für die Ausgestaltung und Umsetzung unserer
Wasserstoffstrategie.
4. Energiehandel: Hauptbestandteil dieses Segments ist
der Eigenhandel mit energienahen Commodities. Verantwortet
wird er von der Konzerngesellschaft RWE Supply &
Trading, die außerdem als Zwischenhändler von
Gas agiert, Großkunden mit Energie beliefert und eine
Reihe weiterer handelsnaher Tätigkeiten ausübt.
Zu dem Segment gehören auch unsere deutschen und
tschechischen Gasspeicher.
5. Kohle / Kernenergie: Hier berichten wir über
Aktivitäten, die wir nicht zu unserem
Kerngeschäft zählen. Dabei handelt es sich in
erster Linie um unser deutsches
Stromerzeugungsgeschäft mit den Energieträgern
Kohle und Kernkraft sowie um unsere
Braunkohleförderung im Rheinischen Revier westlich von
Köln. Außerdem enthält das Segment unsere
Anteile am niederländischen Kernkraftwerksbetreiber
EPZ (30 %) und an der deutschen Gesellschaft URANIT (50 %),
die mit 33 % an der auf Uran-Anreicherung spezialisierten
Urenco beteiligt ist. Die genannten Aktivitäten und
Beteiligungen werden im Wesentlichen von RWE Power
verantwortet.
Konzerngesellschaften mit segmentübergreifenden
Aufgaben wie die Holding RWE AG und bilanzielle Effekte aus
der Konsolidierung von Konzernaktivitäten werden im
Kerngeschäft unter der Position "Sonstige,
Konsolidierung" erfasst. Gleiches gilt für unsere
Anteile am deutschen Übertragungsnetzbetreiber Amprion
(25,1 %) und an E.ON (15 %), wobei wir die E.ON-Dividende
im Finanzergebnis ausweisen.
Umstellung auf "bereinigtes Finanzergebnis". Mit Wirkung
zum laufenden Geschäftsjahr haben wir die Darstellung
des Finanzergebnisses methodisch angepasst. In der
Vergangenheit enthielt diese Kennzahl ausschließlich
unbereinigte Komponenten und entsprach insoweit den
International Financial Reporting Standards (IFRS). Dadurch
wurde das Finanzergebnis allerdings durch
Sondersachverhalte beeinflusst, die eine Beurteilung der
wirtschaftlichen Entwicklung im Betrachtungszeitraum
erschwerten. Ein Beispiel dafür sind Einmaleffekte aus
Anpassungen der Diskontierungszinssätze, die zur
Ermittlung der Kernenergie- oder Bergbaurückstellungen
verwendet werden. In der Vergangenheit haben wir solche
Sachverhalte erst nachträglich herausgerechnet, um das
bereinigte Nettoergebnis zu ermitteln. Ab sofort werden sie
von vornherein ins neutrale Ergebnis umgegliedert, was der
Vorgehensweise beim (bereinigten) EBIT entspricht. Um das
begrifflich zu verdeutlichen, sprechen wir künftig vom
"bereinigten Finanzergebnis". In der Tabelle zum neutralen
Ergebnis führen wir nun zusätzlich die Position
"Bereinigungssachverhalte Finanzergebnis" auf. Um
Vergleichbarkeit mit den Vorjahreszahlen zu
ermöglichen, stellen wir auch diese nach der neuen
Methodik dar.
Zukunftsbezogene Aussagen. Die vorliegende
Zwischenmitteilung enthält Aussagen, die sich auf die
künftige Entwicklung des RWE-Konzerns und seiner
Gesellschaften sowie der wirtschaftlichen und politischen
Rahmenbedingungen beziehen. Diese Aussagen stellen
Einschätzungen dar. Wir haben sie auf Basis aller
Informationen getroffen, die uns zum Zeitpunkt der
Erstellung dieses Dokuments zur Verfügung standen.
Dennoch besteht die Möglichkeit, dass die
tatsächlichen Entwicklungen von den Prognosen
abweichen - etwa wenn sich die zugrunde gelegten Annahmen
als unzutreffend erweisen oder unvorhergesehene Risiken
eintreten. Für die Korrektheit zukunftsbezogener
Aussagen können wir daher keine Gewähr
übernehmen.
Geschäftsentwicklungscrollen
scrollen
scrollen
1 Die Zahlen enthalten keine Bezüge mehr
aus Stromerzeugungsanlagen, die uns nicht mehrheitlich
gehören, selbst wenn wir langfristige Nutzungsrechte
an den Anlagen haben. Die Vorjahreswerte, in denen die
Bezüge noch enthalten waren, haben wir entsprechend
angepasst.
Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien um 21 %
gestiegen. Im ersten Quartal 2022 hat RWE 39.509 GWh Strom
produziert. Trotz eines deutlichen Anstiegs bei den
erneuerbaren Energien lagen wir damit um 9 % unter dem
Vorjahresniveau. Den stärksten Rückgang
verzeichneten wir bei der Kernenergie: Hier kam zum Tragen,
dass wir Ende 2021 den Block Gundremmingen C im Rahmen des
deutschen Atomausstiegs vom Netz genommen haben. Unsere
deutschen und niederländischen Gaskraftwerke haben
ebenfalls weniger Strom erzeugt, vor allem wegen der extrem
hohen Brennstoffkosten. Außerdem war die Anlage Claus
C nahe Roermond wegen eines Dampfturbinenschadens vom 3.
Januar bis 19. April 2022 außer Betrieb. Bei unserem
Gaskraftwerk im türkischen Denizli führten
Schwierigkeiten bei der Gasbelieferung durch den
Netzbetreiber BOTAS zu Produktionseinbußen.
Rückläufig war auch die Erzeugung des
Kraftwerks Eemshaven, das wir mit Steinkohle und Biomasse
betreiben. Dabei kam eine neue gesetzliche Vorgabe in den
Niederlanden zum Tragen, die den Einsatz von Steinkohle auf
35 % des theoretisch möglichen Niveaus
beschränkt. Wegen dieser Restriktion konnten wir in
Eemshaven auch nicht mehr so viel Biomasse mitverbrennen
wie 2021. Unsere Stromproduktion aus erneuerbaren Energien
ist dennoch um 21 % gestiegen. Bei der Windkraft kamen wir
auf ein Plus von 31 %, u. a. wegen der Inbetriebnahme neuer
Erzeugungskapazitäten und deutlich günstigerer
Wetterverhältnisse gegenüber dem windschwachen
Vorjahr. Positiv wirkte auch, dass wir unseren Anteil am
britischen Offshore-Windpark Rampion (400 MW) zum 1. April
2021 von 30,1 % auf 50,1 % erhöht haben und Rampion
seither vollkonsolidieren.
scrollen
scrollen
Außenumsatz 69 % höher als 2021. Unser Umsatz
mit konzernexternen Kunden belief sich auf 7.943 Mio.
€ (ohne Erdgas- und Stromsteuer). Das sind 69 % mehr
als im Vorjahr (4.707 Mio. €). Die Erlöse mit
unserem Hauptprodukt Strom sind trotz niedrigerer
Erzeugungsmengen um 55 % auf 6.210 Mio. € gestiegen.
Zurückzuführen ist das auf die seit 2021 zu
beobachtende massive Verteuerung von Strom.
Preissteigerungen gaben auch den Ausschlag dafür, dass
unsere Gaserlöse mit 1.239 Mio. € fast vier Mal
so hoch waren wie im Vorjahreszeitraum.
Eine Kennzahl, die vor allem bei
nachhaltigkeitsorientierten Investoren auf Interesse
stößt, ist der Prozentsatz, den die Erlöse
aus Kohlestrom und sonstigen Kohleprodukten am
Konzernumsatz ausmachen. Im ersten Quartal 2022 betrug der
Anteil 13 % (Vorjahr: 20 %).
scrollen
scrollen
scrollen
scrollen
Bereinigtes EBITDA deutlich über Vorjahr. Im ersten
Quartal 2022 erzielten wir ein bereinigtes Ergebnis vor
Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes EBITDA) von
1.460 Mio. €. Das sind 577 Mio. € mehr als 2021.
Im Kerngeschäft konnten wir um 698 Mio. € auf
1.253 Mio. € zulegen. Der deutliche Anstieg ist u. a.
darauf zurückzuführen, dass das Vorjahresergebnis
von hohen Belastungen infolge einer extremen
Kältewelle in Texas geprägt war. Hinzu kam eine
Reihe weiterer Faktoren, die sich im Berichtszeitraum
positiv niederschlugen: die Inbetriebnahme neuer Windparks,
günstigere Windverhältnisse, höhere
Strommargen und ein sehr starkes Handelsergebnis.
Außerhalb des Kerngeschäfts im Segment Kohle /
Kernenergie hat sich das bereinigte EBITDA auf 207 Mio.
€ verringert (Vorjahr: 328 Mio. €). Grund
dafür war der Abbau von Erzeugungskapazitäten,
allen voran die Schließung des Kernkraftwerks
Gundremmingen C zum 31. Dezember 2021.
In den einzelnen Segmenten zeigte sich folgende
Ergebnisentwicklung:
scrollen
scrollen
Bereinigtes EBIT doppelt so hoch wie 2021. Unser
bereinigtes EBIT lag bei 1.098 Mio. €, gegenüber
548 Mio. € im Vorjahresquartal. Vom bereinigten EBITDA
unterscheidet es sich durch die betrieblichen
Abschreibungen, die im Berichtszeitraum 362 Mio. €
betrugen (Vorjahr: 335 Mio. €).
scrollen
1 Geänderte Definition; siehe
Erläuterung auf Seite 9.
Überleitung zum Nettoergebnis: Hohe
Sondererträge aus der Bewertung von Derivaten. Die
Überleitung vom bereinigten EBIT zum Nettoergebnis war
von nicht operativen Sondereinflüssen geprägt,
die sich per saldo positiv niederschlugen. Quantitativ am
bedeutendsten waren Erträge aus der Bewertung von
Derivaten, die aber nur vorübergehender Natur sind. Im
Folgenden stellen wir dar, wie sich die Einzelposten der
Überleitungsrechnung entwickelt haben.
scrollen
Unser bereinigtes Finanzergebnis war mit - 129 Mio.
€ etwa so hoch wie im Vorjahreszeitraum (- 130 Mio.
€). Aufwendungen im Zusammenhang mit der Ausweitung
unseres Kreditlinienspielraums und der Bereitstellung von
Sicherheitsleistungen im Energiehandel schlugen sich
negativ im Zinsergebnis nieder. Dem standen positive
Effekte im übrigen Finanzergebnis gegenüber, u.
a. infolge von Erträgen aus
Währungssicherungsgeschäften und einer leicht
verbesserten Performance im Wertpapiermanagement.
scrollen
1 Geänderte Definition; siehe
Erläuterung auf Seite 9.
Das neutrale Ergebnis, in dem wir wesentliche nicht
operative oder aperiodische Sachverhalte erfassen, lag mit
1.760 Mio. € deutlich über dem Vorjahreswert (209
Mio. €). Zuzuordnen ist das der Position
"Ergebniseffekte aus der Bewertung von Derivaten". Hier
weisen wir vorläufige Gewinne und Verluste aus, die
dadurch entstehen, dass Finanzinstrumente zur Absicherung
von Preisrisiken gemäß IFRS mit ihren
Marktwerten am jeweiligen Stichtag zu bilanzieren sind,
während die abgesicherten Grundgeschäfte erst bei
ihrer Realisierung erfolgswirksam erfasst werden
dürfen. Im Berichtszeitraum führte diese
Asymmetrie zu einem hohen Gewinn. Dem stand eine
Wertberichtigung in Höhe von 847 Mio. € auf
Verträge über Steinkohlebezüge aus Russland
gegenüber, die wir unter der Position "Sonstige"
erfasst haben. Über die Hintergründe informieren
wir auf Seite 3.
Das Ergebnis vor Steuern belief sich auf 2.729 Mio.
€ (Vorjahr: 627 Mio. €). Die Ertragsteuern
summierten sich auf 475 Mio. €, was einer Steuerquote
von 17 % entspricht. Diese liegt nahe am Planwert von 15 %,
den wir für das Geschäftsjahr 2022 unter
Berücksichtigung der erwarteten Erträge in
unseren Märkten, der dort geltenden Steuersätze
und der Nutzung von Verlustvorträgen abgeleitet haben.
Die Ergebnisanteile anderer Gesellschafter lagen mit 88
Mio. € deutlich über dem Vorjahreswert (15 Mio.
€), u. a. wegen gestiegener Erträge von
Offshore-Windparks, an denen Dritte Minderheitsanteile
halten. Das betraf in erster Linie Humber Gateway (219 MW)
und Rhyl Flats (90 MW) in Großbritannien. Hinzu kam,
dass wir den Offshore-Windpark Rampion seit April 2021
vollkonsolidieren und deshalb Ergebnisanteile für die
mit 49,9 % beteiligten Miteigentümer ausweisen.
Aufgrund der dargestellten Entwicklungen erzielten wir
ein gegenüber dem Vorjahr (895 Mio. €) stark
erhöhtes Nettoergebnis von 2.166 Mio. €. Bei
676,2 Millionen ausstehenden RWE-Aktien entspricht das
einem Ergebnis je Aktie von 3,20 € (Vorjahr: 1,32
€).
scrollen
Bereinigtes Nettoergebnis auf 735 Mio. € gestiegen.
Das bereinigte Nettoergebnis war mit 735 Mio. € mehr
als doppelt so hoch wie im Vorjahr (340 Mio. €). Um es
zu ermitteln, haben wir das neutrale Ergebnis in der
Überleitungsrechnung eliminiert und anstelle der
tatsächlichen Steuerquote den bereits erwähnten
Planwert von 15 % angesetzt. Die deutliche
Ergebnisverbesserung gegenüber 2021 ist im
Wesentlichen auf den guten operativen Geschäftsverlauf
zurückzuführen.
scrollen
1 In der Tabelle sind ausschließlich
zahlungswirksame Investitionen erfasst.
scrollen
1 In der Tabelle sind ausschließlich
zahlungswirksame Investitionen erfasst.
Investitionstätigkeit: Fokus auf Ausbau der
erneuerbaren Energien. Im ersten Quartal 2022 haben wir 562
Mio. € investiert (Vorjahr: 1.037 Mio. €). In
Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte flossen
471 Mio. €. Damit lagen wir weit unter dem
Vorjahreswert (1.011 Mio. €), der von hohen Ausgaben
für den Bau des Windparks Triton Knoll geprägt
war. Auch 2022 flossen noch Mittel in dieses Projekt.
Darüber hinaus investierten wir in die künftigen
Offshore-Windparks Kaskasi nahe Helgoland und Sofia in der
britischen Nordsee. Weitere Ausgabenschwerpunkte waren
Windkraft- und Solarprojekte in den USA sowie der Bau eines
Gaskraftwerks in Biblis, das für die Stabilisierung
des Stromnetzes benötigt wird und im Oktober 2022 in
Betrieb gehen soll.
Für Finanzanlagen haben wir 91 Mio. €
eingesetzt (Vorjahr: 26 Mio. €). Wichtigster
Einzelposten war eine Kapitaleinzahlung in unser Ende 2021
gegründetes Joint Venture mit Griechenlands
führendem Energieversorger Public Power Corporation
(PPC). Gemeinsam mit unserem Partner wollen wir in dessen
Heimatmarkt Solarprojekte verwirklichen.
Von unseren Investitionen im ersten Quartal 2022 waren
89 % "taxonomiefähig". Das heißt, dass die
Mittel für Aktivitäten eingesetzt wurden, die
nach der neuen EU-Taxonomie-Verordnung für eine
Einstufung als nachhaltig infrage kommen. Bei der
Ermittlung des Prozentsatzes wurden Gesamtinvestitionen von
762 Mio. € zugrunde gelegt. Die Abweichung vom oben
genannten Betrag (562 Mio. €) erklärt sich
dadurch, dass die taxonomierelevanten Investitionen breiter
definiert sind und auch nicht zahlungswirksame
Vorgänge enthalten. Nähere Informationen zu
diesem Themengebiet finden Sie im Geschäftsbericht
2021 auf Seite 34 f.
scrollen
Stark verbesserter operativer Cash Flow. Unser Cash Flow
aus laufender Geschäftstätigkeit lag mit 2.688
Mio. € deutlich über dem Vorjahreswert (1.596
Mio. €). Positive Effekte ergaben sich nicht nur aus
der guten Ertragslage sondern vor allem durch Einnahmen aus
Sicherheitsleistungen für Termingeschäfte
(Derivate) mit Commodities. RWE schließt solche
Kontrakte ab, um Ergebnisrisiken zu reduzieren. Bei
börsengehandelten Derivaten müssen wir
zunächst eine Initial Margin entrichten. Während
der Kontraktlaufzeit erhalten oder zahlen wir darüber
hinaus Variation Margins - je nachdem, wie sich der
Marktwert des Derivats verändert. Bei
außerbörslichen Derivatgeschäften sind
sogenannte Collaterals zu stellen. Im Berichtsjahr haben
wir hohe Variation Margins erhalten, die im Cash Flow aus
laufender Geschäftstätigkeit enthalten sind. Dem
standen erhebliche Mittelabflüsse aus Initial Margins
und Collaterals gegenüber, die wir im Cash Flow aus
der Finanzierungstätigkeit erfasst haben.
Durch die Investitionstätigkeit sind 134 Mio.
€ abgeflossen (Vorjahr: 210 Mio. €) und damit
weniger, als wir für Sach- und Finanzinvestitionen
ausgegeben haben. Ausschlaggebend dafür waren
Einnahmen aus der Auflösung kurzfristiger Geldanlagen.
Der Cash Flow aus der Finanzierungstätigkeit betrug
- 1.990 Mio. € (Vorjahr: 144 Mio. €). Im
Berichtszeitraum mussten wir beträchtliche Zahlungen
für Initial Margins und Collaterals leisten. Dem
standen Einnahmen aus der Begebung von Commercial Paper
gegenüber.
Aufgrund der dargestellten Zahlungsströme aus der
Geschäfts-, Investitions- und
Finanzierungstätigkeit hat sich unser
Liquiditätsbestand um 553 Mio. € erhöht.
Zieht man vom Cash Flow aus laufender
Geschäftstätigkeit die Investitionen ab und
addiert die Einnahmen aus Desinvestitionen und
Anlagenabgängen, erhält man den Free Cash Flow.
Dieser lag mit 2.134 Mio. € weit über dem
Vorjahreswert (881 Mio. €).
Nettovermögen auf 3,3 Mrd. € gestiegen. Zum
31. März 2022 verfügten wir über
Nettovermögen in Höhe von 3.287 Mio. €.
Gegenüber dem Stand zum 31. Dezember 2021 (360 Mio.
€) ist das ein deutliches Plus. Hauptgrund für
diese Entwicklung war der hohe Free Cash Flow.
Außerdem verringerten sich die
Pensionsrückstellungen, weil die
Diskontierungszinssätze, mit denen wir die
Verpflichtungsbarwerte ermitteln, aufgrund der
Marktentwicklung gestiegen sind. Die im vorliegenden
Zwischenabschluss verwendeten Diskontierungssätze
betrugen 1,9 % für Deutschland und 2,8 % für
Großbritannien, gegenüber 1,1 % bzw. 1,8 % am
Ende des vergangenen Jahres.
scrollen
Prognose 2022RWE-Konzern bekräftigt Ergebnisprognose. An unserem
Ausblick für das laufende Jahr, den wir im
Geschäftsbericht 2021 auf Seite 67 f.
veröffentlicht haben, halten wir fest. Trotz der
Unwägbarkeiten durch den Ukraine-Krieg gehen wir
weiterhin davon aus, an das gute operative Ergebnis von
2021 anknüpfen zu können. Wir prognostizieren
für 2022 ein bereinigtes Konzern-EBITDA von 3.600 Mio.
€ bis 4.000 Mio. € (Vorjahr: 3.650 Mio. €).
Im Kerngeschäft veranschlagen wir einen Korridor von
2.900 Mio. € bis 3.300 Mio. €. Damit würden
wir den Vorjahreswert (2.761 Mio. €) übertreffen.
Wie bereits dargelegt, enthielt dieser hohe
Einmalbelastungen infolge einer extremen Kältewelle in
Texas. Positive Effekte versprechen wir uns von der
Inbetriebnahme neuer Windparks und Solaranlagen,
günstigeren Windverhältnissen und höheren
Strommargen. Das erste Quartal hat diese Erwartungen
bereits bestätigt. Im Energiehandel werden wir dagegen
wohl hinter dem sehr hohen Ergebnis von 2021
zurückbleiben. Außerhalb des Kerngeschäfts
im Segment Kohle / Kernenergie führen die
jüngsten Kraftwerksschließungen zum Wegfall von
Erträgen. Deshalb ist hier mit einem
EBITDA-Rückgang zu rechnen.
Bei erwarteten betrieblichen Abschreibungen von rund
1.600 Mio. € dürfte das bereinigte EBIT in einer
Bandbreite von 2.000 Mio. € bis 2.400 Mio. €
liegen (Vorjahr: 2.185 Mio. €). Das um wesentliche
Sondereinflüsse bereinigte Nettoergebnis veranschlagen
wir auf 1.300 Mio. € bis 1.700 Mio. € (Vorjahr:
1.569 Mio. €).
Sachinvestitionen deutlich über Vorjahr.
Bekräftigen können wir auch die Prognose zu den
Investitionen. Unsere Ausgaben für Sachanlagen und
immaterielle Vermögenswerte werden wesentlich
höher sein als 2021 (3.689 Mio. €). Erhebliche
Mittel setzen wir für den Bau der Offshore-Windparks
Kaskasi und Sofia ein. Weitere Ausgabenschwerpunkte sind
Windkraft-, Solar- und Batterieprojekte in den USA und
Europa sowie der Bau des für die Netzstabilisierung
benötigten Gaskraftwerks in Biblis. Im Segment Kohle /
Kernenergie planen wir Sachausgaben in einer
Größenordnung von 200 Mio. €, die im
Wesentlichen der Instandhaltung unserer Kraftwerke und
Tagebaue dienen.
scrollen
Leverage Factor: Obergrenze von 3,0 wird voraussichtlich
eingehalten. Ein wichtiger Indikator für unsere
Finanzkraft ist das Verhältnis der Nettoschulden zum
bereinigten EBITDA des Kerngeschäfts (Leverage
Factor). Wir haben uns für den Leverage Factor eine
Obergrenze von 3,0 gesetzt. Im Geschäftsjahr 2021 lag
die Kennzahl unter null. Trotz hoher Investitionen und
möglicher Liquiditätsschwankungen durch die
Besicherung von Commodity-Termingeschäften gehen wir
davon aus, dass der Leverage Factor die Marke von 3,0 auch
Ende 2022 deutlich unterschreiten wird.
Stabile Dividende geplant. Der Vorstand der RWE AG
strebt für das Geschäftsjahr 2022 eine
Gewinnausschüttung je Aktie in Höhe von 0,90
€ an. Dies entspricht der Dividende, die wir für
2021 gezahlt haben.
Konzernzwischenabschluss (verkürzt)Gewinn- und Verlustrechnungscrollen
1 Eine Darstellung der Umsatzerlöse nach
Produkten und Segmenten findet sich auf Seite 11 f.
Gesamtergebnisrechnungscrollen
BilanzAktivascrollen
Passivascrollen
Kapitalflussrechnungscrollen
1 Nach Erst- / Nachdotierung von
Planvermögen in Höhe von 0 Mio. € (Vorjahr:
1.091 Mio. €).
Finanzkalender 2022 / 2023scrollen
Die vorliegende Zwischenmitteilung ist am 12. Mai 2022
veröffentlicht worden. Alle Veranstaltungen zur
Veröffentlichung von Finanzberichten und die
Hauptversammlung werden live im Internet übertragen.
Aufzeichnungen sind mindestens zwölf Monate lang
abrufbar.
RWE Aktiengesellschaft
www.rwe.com
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||