RWE AktiengesellschaftEssenHalbjahresfinanzbericht nach WpHG für den Zeitraum vom 01.01.2022 bis zum 30.06.2022Bereinigtes Nettoergebnis im ersten Halbjahr auf 1,6
Mrd. € gestiegen // Fast 30 % mehr Strom aus Windkraft
// Hohe Belastungen durch Stopp russischer Kohlelieferungen
// Ergebnisprognose für das Gesamtjahr angehoben //
RWE erwartet für 2022 bereinigtes Nettoergebnis von
2,1 Mrd. € bis 2,6 Mrd. €
Auf einen Blickscrollen
1 Angepasste Vorjahreswerte (siehe Seite 16).
RWE am KapitalmarktPerformance der RWE-Aktie sowie der
Indizes DAX und STOXX Europe 600 Utilities
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| Durchschnittliche
Auslastung der RWE-Windparks
Januar - Juni |
Onshore | Offshore | ||
| in % | 2022 | 2021 | 2022 | 2021 |
| Deutschland | 22 | 17 | 36 | 35 |
| Großbritannien | 29 | 28 | 42 | 35 |
| Niederlande | 32 | 32 | - | - |
| Polen | 30 | 29 | - | - |
| Spanien | 24 | 26 | - | - |
| Italien | 27 | 24 | - | - |
| Schweden | 33 | 29 | 47 | 45 |
| USA | 38 | 36 | - | - |
Bei konventionellen Kraftwerken hängen
Einsatzzeiten und Margen stark davon ab, wie sich die
Preise für Strom, Brennstoffe und Emissionsrechte
entwickeln. Im Berichtsjahr kletterten sie auf neue
Rekordstände. Besonders Erdgas hat sich massiv
verteuert. Am niederländischen Gashandelspunkt TTF
(Title Transfer Facility), dem kontinentaleuropäischen
Leitmarkt, lagen die Spotnotierungen in der ersten
Jahreshälfte 2022 bei durchschnittlich 99 € /
MWh, gegenüber 22 € / MWh im gleichen Zeitraum
des Vorjahres. Der drastische Preisanstieg ist
hauptsächlich auf den konjunkturbedingt höheren
Energiebedarf und die rückläufigen Gasimporte aus
Russland zurückzuführen. Aufgrund der allgemeinen
Unsicherheit über die künftige Versorgungslage in
Europa erreichten auch die Gasterminpreise neue
Allzeithochs. Der TTF-Forward-Kontrakt für 2023 wurde
im Berichtszeitraum mit durchschnittlich 70 € / MWh
abgerechnet. Zum Vergleich: Vor einem Jahr war der
TTF-Forward 2022 noch mit 19 € / MWh gehandelt worden.
Die Preise für Kraftwerkssteinkohle (Kesselkohle)
haben ebenfalls kräftig angezogen. Lieferungen zu den
ARA-Häfen (ARA = Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen)
wurden in der ersten Jahreshälfte am Spotmarkt
inklusive Fracht und Versicherung mit durchschnittlich 285
US$ / Tonne abgerechnet. Der Vorjahreswert hatte bei 79 US$
/ Tonne gelegen. Ähnlich wie im Gashandel waren die
konjunkturelle Erholung nach Abflauen der Corona-Krise und
der Ukraine-Konflikt die wesentlichen Preistreiber. Das
Wegbrechen russischer Kohleimporte und der vermehrte
Einsatz von Steinkohle in der Stromerzeugung als Ersatz
für Erdgas haben die europäische Nachfrage nach
Lieferungen aus Übersee angeheizt. Aufgrund der
allgemeinen Erwartung, dass die angespannte Lage noch
einige Zeit andauern wird, hat sich Steinkohle auch im
Terminhandel erheblich verteuert. In der ersten
Jahreshälfte notierte der Forward 2023 (Index API 2)
mit durchschnittlich 188 US$ / Tonne. Das sind 114 US$
mehr, als im Vorjahreszeitraum für den Forward 2022
bezahlt wurde.
Ein immer wichtigerer Kostenfaktor für fossil
befeuerte Kraftwerke ist die Beschaffung von
Emissionsrechten. Eine EU Allowance (EUA), die zum
Ausstoß einer Tonne CO
2 berechtigt, wurde im ersten Halbjahr mit
durchschnittlich 85 € gehandelt, gegenüber 44
€ im Vergleichszeitraum 2021. Abgestellt wird hier auf
Terminkontrakte, die im Dezember des jeweiligen Folgejahres
fällig werden. Der Preisanstieg ist maßgeblich
darauf zurückzuführen, dass die EU im vergangenen
Jahr ihr Treibhausgasminderungsziel für 2030 auf 55 %
gegenüber 1990 verschärft hat (vorher: 40 %). Sie
wird die Zahl der für Unternehmen verfügbaren
Emissionsrechte deshalb stark reduzieren müssen. Viele
Marktteilnehmer haben das antizipiert und sich
frühzeitig mit EUAs eingedeckt. Preiserhöhend
wirkte auch, dass einzelne EU-Länder wie Deutschland
wegen eines drohenden Gasmangels wieder verstärkt auf
Kohleverstromung setzen. Dadurch gibt es zusätzliche
CO
2-Emissionen in der Stromerzeugung und einen
dementsprechend höheren Bedarf an Emissionsrechten.
Großbritannien hat nach dem Ausscheiden aus der EU
ein eigenes CO
2-Emissionshandels-system eingeführt. Seit
der ersten Auktion im Mai 2021 werden UK Allowances (UKAs)
am Sekundärmarkt gehandelt. Im ersten Halbjahr 2022
notierten sie mit durchschnittlich 84 £.
Auch an den europäischen
Stromgroßhandelsmärkten erreichten die Preise
neue Höchststände. Im ersten Halbjahr 2022 wurde
Grundlaststrom am deutschen Spotmarkt mit durchschnittlich
187 € / MWh gehandelt. Der Vergleichswert für
2021 hatte bei 55 € / MWh gelegen. In
Großbritannien sind die Notierungen von 69 £ /
MWh auf 177 £ / MWh und in den Niederlanden von 57
€ / MWh auf 203 € / MWh gestiegen. Im
Stromterminhandel zeigte sich folgendes Bild: Der deutsche
Grundlast-Forward 2023 kostete durchschnittlich 185 €
/ MWh. Zum Vergleich: Für den Forward 2022 waren im
Vorjahreszeitraum 58 € / MWh gezahlt worden. In
Großbritannien verteuerte sich der Ein-Jahres-Forward
von 59 £ / MWh auf 164 £ / MWh und in den
Niederlanden von 56 € / MWh auf 167 € / MWh.
Der nordamerikanische Strommarkt ist geografisch in
mehrere Teilmärkte untergliedert, die von
unabhängigen Netzgesellschaften kontrolliert werden.
Das für uns wichtigste Marktgebiet ist das vom
Electric Reliability Council of Texas (ERCOT) betriebene
texanische Verbundnetz, an das die meisten unserer
Windparks in den USA angeschlossen sind. Der
Ein-Jahres-Forward wurde dort im ersten Halbjahr mit
durchschnittlich 51 US$ / MWh gehandelt. Gegenüber
2021 ist das ein Plus von 21 US$, dessen Hauptursache
gestiegene Erdgaspreise sind. Dabei machte sich bemerkbar,
dass die USA wegen der Ukraine-Krise vermehrt LNG nach
Europa exportieren.
Der Krieg Russlands gegen die Ukraine hat auch direkte
wirtschaftliche Auswirkungen auf unser Unternehmen, obwohl
wir in keinem der beiden Länder
Geschäftstätigkeiten nachgehen. RWE hatte vor dem
Krieg Terminkontrakte über Rohstofflieferungen aus
Russland geschlossen. Die dabei vereinbarten Preise liegen
weit unter dem aktuellen Marktniveau. Wegfallende Mengen
müssen wir zu wesentlich ungünstigeren
Konditionen von Dritten beschaffen, um eigenen
Lieferverpflichtungen nachkommen zu können. Bei
Ausbruch des Kriegs Ende Februar unterhielten wir
Verträge über den Bezug russischer Steinkohle in
Höhe von insgesamt 12 Mio. Tonnen (bis 2025). Hier ist
es bereits zu einem Stopp der Lieferungen gekommen.
Sanktionen Großbritanniens und der EU schließen
eine Fortführung der Bezüge aus. Den daraus
resultierenden finanziellen Schaden veranschlagen wir
aktuell auf 748 Mio. €. Er ist im neutralen Ergebnis
des ersten Halbjahres 2022 ausgewiesen. Unsere
kontrahierten Gasbezüge von russischen Produzenten
betrugen Ende Februar 15 TWh (bis Ende 2023). Das damit
verbundene Risiko haben wir in den vergangenen Monaten
durch Absicherungsgeschäfte auf null reduziert. Die
Kosten dieser Maßnahmen wurden im bereinigten EBITDA
erfasst.
Unseren Wachstumskurs bei den erneuerbaren Energien
haben wir entschlossen fortgesetzt. Im Februar 2022 nahmen
wir mit Erfolg an der Versteigerung von Pachtverträgen
für Offshore-Windkraftgebiete in der New Yorker Bucht
teil. Ein Gemeinschaftsunternehmen von RWE und National
Grid Ventures sicherte sich für 1,1 Mrd. US$ ein
Areal, auf dem Erzeugungskapazitäten von rund 3 GW
entstehen können. Die Versteigerung umfasste sechs
Pachtgebiete, wobei jeder Bieter nur ein einziges Areal
ersteigern durfte. Ein erfolgreiches Gebot berechtigt zur
Entwicklung der Fläche und zur Teilnahme an den
kommenden Auktionen über Stromabnahmeverträge.
Bei planmäßigem Projektfortschritt wird unser
Windpark in der New Yorker Bucht noch in diesem Jahrzehnt
in Betrieb gehen.
Im Januar haben RWE und Northland Power vereinbart,
gemeinsam drei Windkraftprojekte nördlich der Insel
Juist zu realisieren, durch die Erzeugungskapazitäten
von mehr als 1,3 GW geschaffen werden. Für die
Umsetzung der Vorhaben ist ein Joint Venture
zuständig, an dem RWE 51 % der Anteile hält und
unser kanadischer Partner 49 %. Im August
verständigten sich die Unternehmen darauf, einen
weiteren Windpark gemeinsam zu verwirklichen, der ebenfalls
nördlich von Juist entstehen wird und über eine
Leistung von 225 MW verfügen soll. Dieses Projekt war
bislang von RWE allein entwickelt worden. Northland Power
wird sich daran nun mit 49 % beteiligen. Der formale
Abschluss dieser Transaktion steht noch aus. Zwei der vier
JointVenture-Projekte nahmen bereits erfolgreich an
Flächenausschreibungen teil. Die Auktionen für
die beiden anderen Vorhaben sollen 2023 stattfinden.
Im ersten Halbjahr 2022 konnten wir drei große
Windkraftprojekte erfolgreich abschließen.
Zunächst nahmen wir im März unseren texanischen
Onshore-Windpark El Algodon Alto in Betrieb. Seine 91
Turbinen kommen zusammen auf eine Erzeugungsleistung von
200 MW. Wir haben umgerechnet rund 280 Mio. € in das
Projekt investiert.
Einen Monat später ist der Offshore-Windpark Triton
Knoll offiziell ans Netz gegangen. Er befindet sich vor der
Küste Ostenglands. Mit seinen 90 Turbinen, die
über eine Gesamtleistung von 857 MW verfügen,
gehört er zu den größten Windparks
weltweit. RWE hält mit 59 % die Mehrheit an Triton
Knoll und ist zugleich für den Betrieb verantwortlich.
Die übrigen Anteile gehören den japanischen
Energieversorgern J-Power (25 %) und Kansai Electric Power
(16 %). Das Investitionsvolumen lag bei umgerechnet 2,4
Mrd. €. Darin enthalten sind die Ausgaben für den
Netzanschluss, den wir aufgrund regulatorischer Vorgaben an
einen unabhängigen Dritten veräußern
werden.
Anfang Juni ist der Onshore-Windpark Nysäter im
Norden Schwedens eingeweiht worden. Seine 114 Turbinen
verfügen zusammen über eine Erzeugungsleistung
von 474 MW. RWE hält 20 % an Nysäter.
Haupteigentümer mit einem Anteil von 80 % ist der
Schweizer Infrastrukturinvestor Energy Infrastructure
Partners. Die Investitionen für den Windpark beliefen
sich auf 575 Mio. €.
Seit Juni ist auch unsere neue
Photovoltaik-Freiflächenanlage Hickory Park in
Betrieb, die wir in Mitchell County im US-Bundesstaat
Georgia errichtet haben. Ihre rund 650.000 Solarmodule
kommen zusammen auf eine Leistung von 196 MW. Ergänzt
wird die Anlage durch ein Batteriespeichersystem mit einem
Volumen von 80 MWh. Der Speicher ermöglicht es, die
Stromeinspeisungen ins lokale Netz zeitlich zu optimieren
und damit den Ertrag des Solarparks zu steigern. Wir haben
rund 250 Mio. € für Hickory Park ausgegeben.
Abnehmer des Stroms ist der staatliche Energieversorger
Georgia Power. Unser Kontrakt mit dem Unternehmen hat eine
Laufzeit von 30 Jahren.
Anfang Juni haben wir einen der größten
Batteriespeicher Irlands in Betrieb genommen. Die Anlage in
der Grafschaft Monaghan verfügt über ein
Speichervolumen von 30 MWh. Wir haben 25 Mio. €
dafür investiert. Der Batteriespeicher ist bereits
unser zweiter in Irland. Den ersten - mit einem Volumen von
8,5 MWh - betreiben wir seit April 2021 in der Grafschaft
Dublin. Irland hat sich zum Ziel gesetzt, den Strombedarf
ab 2030 zu 80 % aus erneuerbaren Energien zu decken.
Batteriespeicher tragen zum Ausgleich der schwankenden
Wind- und Solarstromeinspeisungen bei.
RWE wird von Vattenfall das Gaskraftwerk Magnum im
niederländischen Eemshaven in der Provinz Groningen
übernehmen. Dies haben die beiden Unternehmen Anfang
Juni vereinbart. Die Transaktion muss noch von den
Kartellbehörden genehmigt werden. Magnum zählt zu
den modernsten Kraftwerken des Landes: Die Anlage ist seit
2013 in Betrieb und verfügt über eine Leistung
von 1,4 GW. Der vereinbarte Preis entspricht einem
Unternehmenswert von 500 Mio. €. Die Transaktion
umfasst auch einen benachbarten Solarpark mit 5,6 MW.
Magnum befindet sich in unmittelbarer Nähe zu unserem
Kraftwerk Eemshaven, das wir mit Steinkohle und Biomasse
betreiben. Von der gemeinsamen Nutzung der Infrastruktur
vor Ort versprechen wir uns erhebliche Synergien. Das
Kraftwerk Magnum zeichnet sich auch dadurch aus, dass es
nach einfachen technischen Umrüstungen zu 30 % mit
Wasserstoff betrieben werden könnte. Langfristig
lässt es sich sogar auf eine 100-prozentige Nutzung
von Wasserstoff umstellen. Magnum kann damit zum
Bestandteil der zukünftigen Wasserstoffinfrastruktur
in der Provinz Groningen werden, die wir dort mit Partnern
aus dem Energiesektor und der Industrie aufbauen wollen.
Um die Abhängigkeit von russischem Gas zu
reduzieren, hat die Bundesregierung den Bau von Terminals
für Direkteinfuhren von LNG nach Deutschland
angekündigt. Ein solches Projekt, an dem RWE beteiligt
ist, nimmt nun konkrete Formen an. Am 4. März
unterzeichneten wir mit der Kreditanstalt für
Wiederaufbau (KfW) und dem niederländischen
Gasnetzbetreiber Gasunie eine Absichtserklärung zur
gemeinsamen Errichtung eines LNG-Terminals in
Brunsbüttel. Die Gaseinfuhren sollen dort - nach
Regasifizierung - ein Volumen von bis zu 8 Mrd. Kubikmeter
pro Jahr erreichen können. RWE plant, am gleichen
Standort einen weiteren Terminal zu errichten, der für
die Einfuhr von klimaneutral hergestelltem Ammoniak genutzt
wird. Das Ammoniak könnte vor Ort in Wasserstoff
umgewandelt und zur Versorgung der Industrie mit
grüner Energie eingesetzt werden. Langfristig soll
auch der LNG-Terminal auf den Import grüner
Moleküle umgestellt werden.
Im Auftrag und im Namen der Bundesregierung hat RWE zwei
Spezialschiffe für den Transport und die
Regasifizierung von LNG gemietet. Die sogenannten Floating
Storage and Regasification Units (FSRUs) bieten eine
schnelle Übergangslösung zum Anlanden von LNG in
Deutschland. Die Schiffe sollen bereits im kommenden Winter
in Wilhelmshaven und in Brunsbüttel zum Einsatz
kommen. Für die Beschaffung des Flüssiggases auf
dem Weltmarkt ist der Bund zuständig. Mit den beiden
300 Meter langen FSRUs können mehr als 10 Mrd.
Kubikmeter Erdgas pro Jahr für den deutschen Markt
verfügbar gemacht werden.
Im Mai haben wir mit dem US-amerikanischen
Energieunternehmen Sempra Infrastructure eine
Absichtserklärung über künftige
LNG-Lieferungen aus dem texanischen Projekt Port Arthur an
RWE unterzeichnet. Die Vereinbarung sieht den Abschluss
eines Liefer- und Abnahmevertrags mit einer Laufzeit von 15
Jahren und einem Volumen von 2,25 Mio. Tonnen LNG pro Jahr
vor. Die Konditionen müssen noch endverhandelt werden.
Das Gas können wir an jeden Ort der Welt verschiffen,
z. B. zu den geplanten deutschen LNG-Terminals. Insofern
ist unsere Kooperation mit Sempra Infrastructure ein
wichtiger Schritt zur Diversifizierung der
europäischen Gasbezüge.
Bei einer Auktion für den britischen
Kapazitätsmarkt, die am 22. Februar stattfand, haben
sich alle teilnehmenden RWE-Kraftwerke - darunter auch zwei
kleine Neubauvorhaben - für eine
Kapazitätsprämie qualifiziert. Es handelt sich
dabei nahezu ausschließlich um Gaskraftwerke.
Zusammen verfügen die Anlagen über eine
gesicherte Leistung von 6.647 MW. Das Bieterverfahren bezog
sich auf den Zeitraum vom 1. Oktober 2025 bis 30. September
2026. Insgesamt kamen Anlagen mit 42,4 GW zum Zuge. Sie
werden im genannten Zeitraum eine Vergütung dafür
erhalten, dass sie am Netz sind und zur Stromversorgung
beitragen. Die im Bieterverfahren ermittelte
Kapazitätsprämie beträgt 30,59 £ / kW
(zzgl. Inflationsausgleich).
Unsere Erdgas-Kombiblöcke F und G am Standort
Gersteinwerk in Werne (Westfalen) haben sich erneut
für eine Aufnahme in die deutsche
Kapazitätsreserve qualifiziert. Die Entscheidung fiel
Ende Februar bei einer Ausschreibung der Bundesnetzagentur.
Die Anlagen werden vom 1. Oktober 2022 bis 30. September
2024 eine Reserveleistung von zusammen 710 MW vorhalten,
die im Bedarfsfall zur Absicherung der Netzstabilität
genutzt werden kann. Wir bekommen dafür eine
Prämie von 62,94 € je Kilowatt und Jahr. Die
beiden Blöcke waren bereits bei der ersten
Ausschreibung dieser Art vor zwei Jahren erfolgreich. Als
Reservekraftwerke nehmen sie seit 1. Oktober 2020 nicht
mehr am regulären Strommarkt teil, sondern dürfen
nur auf Anordnung der Übertragungsnetzbetreiber
angefahren werden.
Zum 1. April haben wir Block A des Braunkohlekraftwerks
Neurath vom Netz genommen. Die Anlage mit einer
Nettoleistung von 294 MW war 1972 in Betrieb gegangen. Ihre
Schließung ergibt sich aus dem Fahrplan zum deutschen
Kohleausstieg. Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte um
eine Reduzierung des Gasverbrauchs in der Stromerzeugung
wird der Block zunächst noch nicht zurückgebaut,
sondern konserviert. Damit waren wir die Option, die Anlage
wieder in Betrieb zu nehmen, falls die Bundesregierung oder
die Bundesnetzagentur dies aus Gründen der
Versorgungssicherheit für erforderlich halten.
Die Hauptversammlung der RWE AG vom 28. April hat dem
Dividendenvorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat für
das Geschäftsjahr 2021 mit breiter Mehrheit
zugestimmt. Dementsprechend haben wir am 3. Mai einen
Betrag von 0,90 € je Aktie ausgeschüttet; das
sind 0,05 € mehr als im Vorjahr.
Um unseren Finanzierungsspielraum für
Wachstumsinvestitionen zu verbessern, haben wir im Mai zwei
grüne Anleihen mit einem Nominalvolumen von jeweils 1
Mrd. € begeben. Die Papiere haben Laufzeiten von vier
bzw. acht Jahren und Kupons von 2,125 % bzw. 2,750 %.
Insgesamt stehen damit nun fünf grüne
RWE-Anleihen mit einem Nominalvolumen von 3,85 Mrd. €
aus. Der Erlös, den wir durch ihre Begebung erzielt
haben, ist zweckgebunden: Er muss in Projekte
fließen, die dem Umwelt- und Klimaschutz dienen. Wir
werden die Mittel ausschließlich für Windkraft-
und Solarprojekte einsetzen. So sieht es unser Regelwerk
für grüne Anleihen vor, das wir 2020 unter
Beachtung der allgemein anerkannten Green Bond Principles
der International Capital Market Association (ICMA)
entwickelt haben.
Im Frühjahr haben wir uns zwei neue Kreditlinien
einräumen lassen, die der Absicherung unserer
Liquidität dienen. Damit können wir nun auf drei
syndizierte Kreditlinien mit einem Gesamtvolumen von 8 Mrd.
€ zurückgreifen. Gewährt werden sie uns von
einem Konsortium aus 27 internationalen Banken. Die erste
Linie über 3 Mrd. € konnten wir uns bereits im
April 2019 sichern. Sie läuft bis April 2026. Die
zweite Linie hat ein Volumen von 2 Mrd. €. Sie ersetzt
eine im April 2022 ausgelaufene Kreditlinie und steht uns
ebenfalls bis April 2026 zur Verfügung. Angesichts der
jüngsten Energiepreisschwankungen und der dadurch
gestiegenen Liquiditätsanforderungen bei der
Besicherung von Terminkontrakten haben wir uns eine dritte
Linie einräumen lassen, die unseren
Finanzierungsspielraum um weitere 3 Mrd. €
erhöht. Ihre Laufzeit beträgt ein Jahr. Wir haben
allerdings die Option, sie zweimal um jeweils sechs Monate
zu verlängern. Die Konditionen aller drei Kreditlinien
sind auf unsere Initiative hin an Nachhaltigkeitskriterien
gekoppelt. Sie hängen u. a. davon ab, wie sich die
folgenden drei Kennzahlen entwickeln: der Anteil der
erneuerbaren Energien am RWE-Erzeugungsportfolio, die CO
2-Intensität unserer Anlagen und der
Prozentsatz der Investitionen, die gemäß der
EU-Taxonomie-Verordnung als nachhaltig einzustufen sind.
Für alle drei Kriterien haben wir Ziele festgelegt.
Sollten wir diese nicht erreichen, müssten wir
höhere Zinsen und Bereitstellungsgebühren
entrichten. Die Mehrausgaben würden zur Hälfte
gemeinnützigen Organisationen zufließen.
Bei der Darstellung unseres Geschäftsverlaufs
unterscheiden wir fünf Segmente, die unten näher
erläutert werden. Im Juni haben wir das
Erneuerbare-Energien-Geschäft organisatorisch neu
aufgestellt. Die operative Verantwortung dafür liegt
nun nicht mehr zentral bei RWE Renewables, sondern bei den
drei neuen Organisationseinheiten RWE Offshore Wind, RWE
Renewables Europe & Australia und RWE Renewables
Americas. Auf die Berichtssegmente hat das keine
Auswirkungen. Diese lassen sich wie folgt abgrenzen:
Hier erfassen wir unser Geschäft mit der
Windstromerzeugung auf dem Meer. Geführt wird es nun
von RWE Offshore Wind.
Zu diesem Segment zählen unsere Aktivitäten
auf dem Gebiet der Windkraft an Land und der Solarenergie
sowie Teile unseres Batteriespeichergeschäfts. Je nach
Kontinent liegt die Zuständigkeit dafür fortan
bei RWE Renewables Europe & Australia oder RWE
Renewables Americas.
Hier ist die Stromerzeugung mit Laufwasser-,
Pumpspeicher-, Biomasse- und Gaskraftwerken gebündelt.
Außerdem enthält das Segment die
niederländischen Kraftwerke Amer 9 und Eemshaven, in
denen wir Steinkohle und Biomasse verstromen, sowie
einzelne Batteriespeicher. Die auf Projektmanagement und
Ingenieurdienstleistungen spezialisierte Gesellschaft RWE
Technology International und unsere 37,9 %-Beteiligung am
österreichischen Energieversorger KELAG weisen wir
ebenfalls hier aus. Übergeordnete
Führungsgesellschaft in dem Segment ist RWE
Generation. Sie ist auch für die Ausgestaltung und
Umsetzung unserer Wasserstoffstrategie zuständig.
Hauptbestandteil dieses Segments ist der Eigenhandel mit
energienahen Commodities. Verantwortet wird er von der
Konzerngesellschaft RWE Supply & Trading, die
außerdem als Zwischenhändler von Gas agiert,
Großkunden mit Energie beliefert und eine Reihe
weiterer handelsnaher Tätigkeiten ausübt. Zu dem
Segment gehören auch unsere deutschen und
tschechischen Gasspeicher.
Hier berichten wir über Aktivitäten, die wir
nicht zu unserem Kerngeschäft zählen. Dabei
handelt es sich in erster Linie um unser deutsches
Stromerzeugungsgeschäft mit den Energieträgern
Kohle und Kernkraft sowie um unsere
Braunkohleförderung im Rheinischen Revier westlich von
Köln. Außerdem enthält das Segment unsere
Anteile am niederländischen Kernkraftwerksbetreiber
EPZ (30 %) und an der deutschen Gesellschaft URANIT (50 %),
die mit 33 % an der auf Uran-Anreicherung spezialisierten
Urenco beteiligt ist. Die genannten Aktivitäten und
Beteiligungen werden im Wesentlichen von RWE Power
verantwortet.
Konzerngesellschaften mit segmentübergreifenden
Aufgaben wie die Holding RWE AG werden im Kerngeschäft
unter der Position "Sonstige, Konsolidierung" erfasst.
Gleiches gilt für unsere Anteile am deutschen
Übertragungsnetzbetreiber Amprion (25,1 %) und an E.ON
(15 %), wobei wir die E.ON-Dividende im Finanzergebnis
ausweisen. Die Position enthält auch bilanzielle
Effekte aus der Konsolidierung von Konzernaktivitäten.
Mit Wirkung zum laufenden Geschäftsjahr haben wir
die Darstellung des Finanzergebnisses methodisch angepasst.
In der Vergangenheit enthielt diese Kennzahl
ausschließlich unbereinigte Komponenten. Dadurch
wurde das Finanzergebnis allerdings durch
Sondersachverhalte beeinflusst, die eine Beurteilung der
wirtschaftlichen Entwicklung im Betrachtungszeitraum
erschwerten. Ein Beispiel dafür sind Einmaleffekte aus
Anpassungen der Diskontierungszinssätze, die wir bei
der Ermittlung der Kernenergie- oder
Bergbaurückstellungen zugrunde legen. Solche
Sondersachverhalte werden nun nicht mehr im Finanzergebnis,
sondern im neutralen Ergebnis ausgewiesen, was der
Vorgehensweise beim (bereinigten) EBIT entspricht. Um das
begrifflich zu verdeutlichen, sprechen wir vom "bereinigten
Finanzergebnis". In der Tabelle zum neutralen Ergebnis
führen wir nun zusätzlich die Position
"Bereinigungssachverhalte Finanzergebnis" auf. Aus
Gründen der Vergleichbarkeit stellen wir auch die
Vorjahreswerte nach der neuen Methodik dar.
Der vorliegende Zwischenbericht enthält Aussagen,
die sich auf die künftige Entwicklung des RWE-Konzerns
und seiner Gesellschaften sowie der wirtschaftlichen und
politischen Rahmenbedingungen beziehen. Diese Aussagen
stellen Einschätzungen dar. Wir haben sie auf Basis
aller Informationen getroffen, die uns zum Zeitpunkt der
Erstellung dieses Dokuments zur Verfügung standen.
Dennoch besteht die Möglichkeit, dass die
tatsächlichen Entwicklungen von den Prognosen
abweichen - etwa wenn sich die zugrunde gelegten Annahmen
als unzutreffend erweisen oder unvorhergesehene Risiken
eintreten. Für die Korrektheit zukunftsbezogener
Aussagen können wir daher keine Gewähr
übernehmen.
| Stromerzeugung 1 Januar - Juni | Erneuerbare Energien | Pumpspeicher, Batterien | Gas | |||
| in GWh | 2022 | 2021 | 2022 | 2021 | 2022 | 2021 |
| Offshore Wind | 4.837 | 3.224 | - | - | - | - |
| Onshore Wind/Solar | 10.682 | 8.556 | - | - | - | - |
| Wasser / Biomasse / Gas | 3.125 | 3.832 | 8 | 36 | 26.244 | 26.957 |
| Davon: | ||||||
| Deutschland | 841 | 884 | 8 | 36 | 2.858 | 3.521 |
| Großbritannien | 275 | 285 | - | - | 20.205 | 18.062 |
| Niederlande | 2.009 | 2.627 | - | - | 1.972 | 3.561 |
| Türkei | - | - | - | - | 1.209 | 1.813 |
| Kohle/Kernenergie | 8 | 10 | - | - | 72 | 93 |
| RWE-Konzern | 18.652 | 15.622 | 8 | 36 | 26.316 | 27.050 |
| Stromerzeugung 1 Januar - Juni | Braunkohle | Steinkohle | Kernenergie | |||
| in GWh | 2022 | 2021 | 2022 | 2021 | 2022 | 2021 |
| Offshore Wind | - | - | - | - | - | - |
| Onshore Wind/Solar | - | - | - | - | - | - |
| Wasser / Biomasse / Gas | - | - | 2.598 | 2.679 | - | - |
| Davon: | ||||||
| Deutschland | - | - | - | - | - | - |
| Großbritannien | - | - | - | - | - | - |
| Niederlande | - | - | 2.598 | 2.679 | - | - |
| Türkei | - | - | - | - | - | - |
| Kohle/Kernenergie | 24.420 | 21.468 | - | 187 | 5.555 | 11.202 |
| RWE-Konzern | 24.420 | 21.468 | 2.598 | 2.866 | 5.555 | 11.202 |
| Stromerzeugung 1 Januar - Juni | Gesamt 2 | |
| in GWh | 2022 | 2021 |
| Offshore Wind | 4.837 | 3.224 |
| Onshore Wind/Solar | 10.682 | 8.556 |
| Wasser / Biomasse / Gas | 32.071 | 33.572 |
| Davon: | ||
| Deutschland | 3.803 | 4.509 |
| Großbritannien | 20.480 | 18.347 |
| Niederlande | 6.579 | 8.867 |
| Türkei | 1.209 | 1.813 |
| Kohle/Kernenergie | 30.162 | 33.052 |
| RWE-Konzern | 77.752 | 78.404 |
1 Die Zahlen enthalten keine Bezüge mehr
aus Stromerzeugungsanlagen, die uns nicht mehrheitlich
gehören, selbst wenn wir langfristige Nutzungsrechte
an den Anlagen haben. Die Vorjahreswerte, in denen die
Bezüge noch enthalten waren, haben wir entsprechend
angepasst.
2 Inkl. Produktionsmengen, die nicht den
genannten Energieträgern zuzuordnen sind (z. B. Strom
aus Müllheizkraftwerken).
Im ersten Halbjahr 2022 hat RWE 77.752 GWh Strom
produziert. Das ist fast so viel wie 2021. Einen deutlichen
Rückgang verzeichneten wir bei der Kernenergie, weil
wir Ende 2021 den Block Gundremmingen C im Rahmen des
deutschen Atomausstiegs vom Netz genommen haben. Die
Auslastung unserer Gaskraftwerke war in Deutschland und den
Niederlanden marktbedingt niedriger, in
Großbritannien dagegen höher als 2021. Negativ
wirkte, dass die Anlage Claus C nahe Roermond vom 3. Januar
bis 19. April wegen eines Dampfturbinenschadens stillstand.
Unsere Stromerzeugung aus Steinkohle lag trotz attraktiver
Marktbedingungen etwas unter dem Niveau von 2021. Dabei kam
eine - zur Jahresmitte wieder aufgehobene -
niederländische Gesetzesvorgabe zum Tragen, die den
Kohleeinsatz in Kraftwerken auf 35 % des theoretisch
möglichen Niveaus beschränkte (siehe Seite 6).
Stark erhöht hat sich der Beitrag der erneuerbaren
Energien zu unserer Stromproduktion. Bei der Windkraft
konnten wir um 29 % zulegen, u. a. wegen der Inbetriebnahme
neuer Erzeugungskapazitäten und günstigerer
Wetterverhältnisse als im windschwachen Vorjahr. Ein
weiterer Faktor war, dass wir unseren Anteil am britischen
Offshore-Windpark Rampion (400 MW) zum 1. April 2021 von
30,1 % auf 50,1 % erhöht haben und Rampion seither
vollkonsolidieren. Ein deutliches Plus verzeichneten wir
auch bei der Braunkohle - trotz
Kraftwerksschließungen im Zuge des deutschen
Kohleausstiegs. Hintergrund ist, dass sich die
Marktbedingungen für diese Erzeugungstechnologie
zuletzt erheblich verbessert haben.
| Stromerzeugung auf Basis erneuerbarer Energien 1 Januar - Juni | Offshore Wind | Onshore Wind | Solar | |||
| in GWh | 2022 | 2021 | 2022 | 2021 | 2022 | 2021 |
| Deutschland | 945 | 903 | 610 | 483 | 1 | 1 |
| Großbritannien | 3.793 | 2.228 | 1.002 | 860 | - | - |
| Niederlande | - | - | 494 | 372 | 12 | 7 |
| Polen | - | - | 654 | 485 | - | 1 |
| Spanien | - | - | 468 | 508 | 47 | 47 |
| Italien | - | - | 565 | 506 | - | - |
| Schweden | 99 | 93 | 166 | 146 | - | - |
| USA | - | - | 5.816 | 4.786 | 398 | 160 |
| Australien | - | - | - | - | 346 | 96 |
| Andere Länder | - | - | 65 | 12 | 41 | 44 |
| RWE-Konzern | 4.837 | 3.224 | 9.840 | 8.158 | 845 | 356 |
| Stromerzeugung auf Basis erneuerbarer Energien 1 Januar - Juni | Wasser | Biomasse | Gesamt | |||
| in GWh | 2022 | 2021 | 2022 | 2021 | 2022 | 2021 |
| Deutschland | 841 | 884 | - | - | 2.397 | 2.271 |
| Großbritannien | 77 | 84 | 198 | 201 | 5.070 | 3.373 |
| Niederlande | 14 | 11 | 1.995 | 2.616 | 2.515 | 3.006 |
| Polen | - | - | - | - | 654 | 486 |
| Spanien | 5 | 19 | - | - | 520 | 574 |
| Italien | - | - | - | - | 565 | 506 |
| Schweden | - | - | - | - | 265 | 239 |
| USA | - | - | - | - | 6.214 | 4.946 |
| Australien | - | - | - | - | 346 | 96 |
| Andere Länder | - | 69 | - | - | 106 | 125 |
| RWE-Konzern | 937 | 1.067 | 2.193 | 2.817 | 18.652 | 15.622 |
Strom produzieren wir nicht nur selbst, sondern beziehen
ihn auch von konzernexternen Anbietern. Im Berichtszeitraum
lagen diese Bezüge bei 18.867 GWh (Vorjahr: 24.012
GWh). Eigenerzeugung und Fremdstrombezug summierten sich zu
einem Stromaufkommen von 96.619 GWh (Vorjahr: 102.416 GWh).
RWE hat im ersten Halbjahr 93.047 GWh Strom und 22.183
GWh Gas abgesetzt. Die Mengen sind größtenteils
dem Segment Energiehandel zuzuordnen, weil wir den Strom
unserer Kraftwerke über RWE Supply & Trading
vermarkten und die Gesellschaft unser
Großkundengeschäft verantwortet. Bei unserem
Hauptprodukt Strom verzeichneten wir einen
Absatzrückgang von 6 %, der sich u. a. aus den etwas
niedrigeren Erzeugungsmengen ergibt. Hinzu kam, dass einige
der von uns belieferten Unternehmen ihre Nachfrage
zurückgeschraubt haben. Aus diesem Grund gingen auch
unsere Gaslieferungen zurück, und zwar um 12 %.
| Außenumsatz in Mio. € | Jan - Jun 2022 | Jan - Jun 2021 | + / - | Jan - Dez 2021 |
| Offshore Wind | 531 | 220 | 311 | 688 |
| Onshore Wind/Solar | 1.100 | 1.271 | - 171 | 2.324 |
| Wasser / Biomasse / Gas | 876 | 633 | 243 | 1.315 |
| Energiehandel | 13.212 | 5.873 | 7.339 | 19.296 |
| Sonstige | - | 4 | - 4 | 4 |
| Kerngeschäft | 15.719 | 8.001 | 7.718 | 23.627 |
| Kohle/Kernenergie | 469 | 447 | 22 | 899 |
| RWE-Konzern (ohne Erdgas-/Stromsteuer) | 16.188 | 8.448 | 7.740 | 24.526 |
| Erdgas-/Stromsteuer | 112 | 127 | - 15 | 235 |
| RWE-Konzern | 16.300 | 8.575 | 7.725 | 24.761 |
Unser Umsatz mit konzernexternen Kunden belief sich auf
16.188 Mio. € (ohne Erdgas- und Stromsteuer).
Gegenüber 2021 hat er sich annähernd verdoppelt.
Die Erlöse mit unserem Hauptprodukt Strom sind trotz
kaum veränderter Erzeugungsmengen um 82 % auf 13.037
Mio. € gestiegen. Zurückzuführen ist das auf
die massive Verteuerung von Strom. Preissteigerungen gaben
auch den Ausschlag dafür, dass unsere Gaserlöse
mit 2.230 Mio. € fast viermal so hoch waren wie vor
einem Jahr.
Eine Kennzahl, die vor allem bei
nachhaltigkeitsorientierten Investoren auf Interesse
stößt, ist der Prozentsatz, den die Erlöse
aus Kohlestrom und sonstigen Kohleprodukten am
Konzernumsatz ausmachen. Im ersten Halbjahr 2022 betrug der
Anteil 18 % (Vorjahr: 21 %).
| Außenumsatz nach
Produkten
in Mio. € |
Jan - Jun 2022 | Jan - Jun 2021 | + /- | Jan - Dez 2021 |
| Stromerlöse | 13.037 | 7.148 | 5.889 | 20.476 |
| Davon: | ||||
| Offshore Wind | 530 | 220 | 310 | 688 |
| Onshore Wind/Solar | 1.081 | 1.176 | -95 | 2.107 |
| Wasser / Biomasse / Gas | 610 | 445 | 165 | 877 |
| Energiehandel | 10.707 | 5.158 | 5.549 | 16.540 |
| Kerngeschäft | 12.928 | 6.999 | 5.929 | 20.212 |
| Kohle / Kernenergie | 109 | 149 | -40 | 264 |
| Gaserlöse | 2.230 | 577 | 1.653 | 2.142 |
| Sonstige Erlöse | 921 | 723 | 198 | 1.908 |
| RWE-Konzern (ohne Erdgas-/Stromsteuer) | 16.188 | 8.448 | 7.740 | 24.526 |
| Innenumsatz
in Mio. € |
Jan - Jun 2022 | Jan - Jun 2021 | + /- | Jan - Dez 2021 |
| Offshore Wind | 361 | 394 | -33 | 808 |
| Onshore Wind/Solar | 290 | 141 | 149 | 361 |
| Wasser / Biomasse / Gas | 4.114 | 1.869 | 2.245 | 5.361 |
| Energiehandel | 4.678 | 2.326 | 2.352 | 5.214 |
| Sonstige, Konsolidierung | -8.241 | -4.116 | -4.125 | - 10.986 |
| Kerngeschäft | 1.202 | 614 | 588 | 758 |
| Kohle/Kernenergie | 2.237 | 1.953 | 284 | 4.116 |
| Bereinigtes EBITDA
in Mio. € |
Jan - Jun 2022 | Jan - Jun 2021 | + /- | Jan - Dez 2021 |
| Offshore Wind | 632 | 459 | 173 | 1.110 |
| Onshore Wind / Solar | 491 | -42 | 533 | 258 |
| Wasser / Biomasse / Gas | 755 | 297 | 458 | 731 |
| Energiehandel | 545 | 525 | 20 | 769 |
| Sonstige, Konsolidierung | -66 | -33 | -33 | - 107 |
| Kerngeschäft | 2.357 | 1.206 | 1.151 | 2.761 |
| Kohle / Kernenergie | 501 | 545 | -44 | 889 |
| RWE-Konzern | 2.858 | 1.751 | 1.107 | 3.650 |
Im ersten Halbjahr 2022 erzielten wir ein bereinigtes
Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen
(bereinigtes EBITDA) von 2.858 Mio. €. Das sind 1.107
Mio. € bzw. 63 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Im
Kerngeschäft hat sich das bereinigte EBITDA auf 2.357
Mio. € annähernd verdoppelt.
Zurückzuführen ist das u. a. darauf, dass das
Vorjahr von hohen Belastungen infolge einer extremen
Kältewelle in Texas geprägt war (siehe
Zwischenbericht über das erste Halbjahr 2021, Seite
8). Hinzu kamen Faktoren, die sich im Berichtszeitraum
positiv niederschlugen: die Inbetriebnahme neuer Windparks,
günstigere Windverhältnisse, höhere
Strommargen und zusätzliche Erträge aus der
kurzfristigen Optimierung des Kraftwerkseinsatzes. Im
Energiehandel konnten wir das hohe Vorjahresergebnis sogar
leicht übertreffen. Außerhalb des
Kerngeschäfts im Segment Kohle / Kernenergie hat sich
das bereinigte EBITDA auf 501 Mio. € verringert
(Vorjahr: 545 Mio. €). Grund dafür war der Abbau
von Erzeugungskapazitäten, allen voran die
Schließung des Kernkraftwerks Gundremmingen C zum 31.
Dezember 2021.
Angesichts der unerwartet guten Ertragslage im
Kerngeschäft haben wir unsere Ergebnisprognose
für das Geschäftsjahr 2022 angehoben. Nähere
Informationen dazu finden Sie auf Seite 28.
Auf Ebene der Segmente zeigte sich im ersten Halbjahr
die folgende Ergebnisentwicklung:
| ― |
Offshore Wind:
|
| ― |
Onshore Wind / Solar:
|
| ― |
Wasser / Biomasse / Gas:
|
| ― |
Energiehandel:
|
| ― |
Kohle / Kernenergie:
|
| Bereinigtes EBIT
in Mio. € |
Jan - Jun 2022 | Jan - Jun 2021 | + /- | Jan - Dez 2021 |
| Offshore Wind | 334 | 247 | 87 | 636 |
| Onshore Wind / Solar | 267 | -235 | 502 | - 145 |
| Wasser / Biomasse / Gas | 595 | 146 | 449 | 418 |
| Energiehandel | 526 | 502 | 24 | 721 |
| Sonstige, Konsolidierung | -65 | -33 | -32 | - 106 |
| Kerngeschäft | 1.657 | 627 | 1.030 | 1.524 |
| Kohle / Kernenergie | 447 | 415 | 32 | 661 |
| RWE-Konzern | 2.104 | 1.042 | 1.062 | 2.185 |
Das bereinigte EBIT des Konzerns ist um 1.062 Mio.
€ auf 2.104 Mio. € gestiegen. Vom bereinigten
EBITDA unterscheidet es sich dadurch, dass es die
betrieblichen Abschreibungen enthält. Diese lagen im
Berichtszeitraum bei 754 Mio. € (Vorjahr: 709 Mio.
€).
| Überleitung zum
Nettoergebnis
in Mio. € |
Jan - Jun 2022 | Jan - Jun 2021 | + /- | Jan - Dez 2021 |
| Bereinigtes EBIT | 2.104 | 1.042 | 1.062 | 2.185 |
| Bereinigtes Finanzergebnis | -132 | -34 | -98 | - 209 |
| Neutrales Ergebnis 1 | 605 | 514 | 91 | - 454 |
| Ergebnis vor Steuern | 2.577 | 1.522 | 1.055 | 1.522 |
| Ertragsteuern | -385 | -103 | -282 | - 690 |
| Ergebnis | 2.192 | 1.419 | 773 | 832 |
| Davon: | ||||
| Ergebnisanteile anderer Gesellschafter | 109 | -13 | 122 | 111 |
| Nettoergebnis /
Ergebnisanteile
der Aktionäre der RWE AG |
2.083 | 1.432 | 651 | 721 |
1 Neue Definition und dementsprechend angepasste
Vorjahreswerte; siehe Erläuterung auf Seite 15.
Hohe Sondererträge aus der Bewertung von Derivaten.
Die Überleitung vom bereinigten EBIT zum Nettoergebnis
ist von nicht operativen Sondereinflüssen
geprägt, die im neutralen Ergebnis erfasst sind und
sich per saldo positiv niederschlagen. Im Folgenden stellen
wir dar, wie sich die Einzelposten der
Überleitungsrechnung entwickelt haben.
| Bereinigtes
Finanzergebnis
1
in Mio. € |
Jan - Jun 2022 | Jan - Jun 2021 | + /- | Jan - Dez 2021 |
| Zinserträge | 232 | 218 | 14 | 260 |
| Zinsaufwendungen | -221 | -138 | -83 | - 317 |
| Zinsergebnis | 11 | 80 | -69 | - 57 |
| Zinsanteile an
Zuführungen zu
langfristigen Rückstellungen |
-65 | - 67 | 2 | - 131 |
| Übriges Finanzergebnis | -78 | -47 | -31 | - 21 |
| Bereinigtes Finanzergebnis | -132 | -34 | -98 | - 209 |
Unser bereinigtes Finanzergebnis ist um 98 Mio.€
auf -132 Mio.€ gesunken. Zuzuordnen ist das im
Wesentlichen den folgenden Positionen:
| ― |
Bereinigtes Zinsergebnis (- 69 Mio. € vs. 2021): Hier machten sich Mehraufwendungen bemerkbar, die aus dem Abschluss neuer Kreditlinien, dem gestiegenen Anleihevolumen und einem größeren Projektfinanzierungsbedarf resultierten. Außerdem fielen zusätzliche Kosten für die Bereitstellung von Sicherheitsleistungen im Energiehandel an. Die im Zinsergebnis enthaltene Dividende für unseren 15 %-Anteil an E.ON war mit 194 Mio. € etwas höher als 2021 (186 Mio. €). |
| ― |
Bereinigtes übriges Finanzergebnis (- 31 Mio. € vs. 2021): Negative Effekte ergaben sich aus der Bewertung von Finanzderivaten. Außerdem führte die bilanzielle Berücksichtigung der hohen Inflation in der Türkei zu Verlusten (siehe Seite 38 im Anhang). |
| Neutrales Ergebnis
1
in Mio. € |
Jan - Jun 2022 | Jan - Jun 2021 | + /- | Jan - Dez 2021 |
| Bereinigungssachverhalte EBIT | 132 | 331 | -199 | - 650 |
| Davon: | ||||
| Veräußerungsergebnis | -1 | 11 | -12 | 21 |
| Ergebniseffekte aus der Bewertung von Derivaten | 1.062 | 219 | 843 | - 503 |
| Sonstige | -929 | 101 | -1.030 | - 168 |
| Bereinigungssachverhalte Finanzergebnis | 473 | 183 | 290 | 196 |
| Neutrales Ergebnis | 605 | 514 | 91 | - 454 |
1 Neue Definition - daher teilweise angepasste
Vorjahreswerte; siehe Erläuterung auf Seite 15.
Das neutrale Ergebnis, in dem wir wesentliche nicht
operative oder aperiodische Sachverhalte erfassen, belief
sich auf 605 Mio. € (Vorjahr: 514 Mio. €).
Größere Veränderungen ergaben sich bei
folgenden Positionen:
| ― |
Ergebniseffekte aus der Bewertung von Derivaten (+ 843 Mio. € vs. 2021): Hier erfassen wir vorläufige Gewinne und Verluste, die dadurch entstehen, dass Finanzinstrumente zur Absicherung von Preisrisiken gemäß IFRS mit ihren Marktwerten am jeweiligen Stichtag zu bilanzieren sind, während die abgesicherten Grundgeschäfte erst bei ihrer Realisierung erfolgswirksam erfasst werden dürfen. Im Berichtszeitraum führte diese Asymmetrie zu einem hohen Gewinn. |
| ― |
Sonstige (- 1.030 Mio. € vs. 2021): Die Position enthält eine Wertberichtigung in Höhe von 748 Mio. € auf Verträge über Steinkohlebezüge aus Russland (siehe Seite 10). Weitere Belastungen ergaben sich infolge der zuletzt stark gestiegenen Inflation. Die dadurch bereits eingetretenen Kostenerhöhungen haben uns dazu veranlasst, die Kernenergie- und Bergbaurückstellungen anzupassen. Positiv wirkten Zuschreibungen auf Braunkohlekraftwerke und Tagebaue, die das verbesserte Marktumfeld in der Stromerzeugung widerspiegeln. |
| ― |
Bereinigungssachverhalte Finanzergebnis (+ 290 Mio. € vs. 2021): Wesentlicher positiver Faktor war hier, dass sich die Diskontierungszinssätze zur Berechnung unserer Kernenergie- und Bergbaurückstellungen erhöht haben und die dadurch ausgelöste Absenkung der Verpflichtungsbarwerte ergebniswirksam erfasst wurde. Die inflationsbedingten Kostensteigerungen und die Anhebung der Diskontierungszinssätze hatten somit gegenläufigen Einfluss auf die Höhe der Rückstellungen. Sie haben sich zum großen Teil saldiert. |
Das Ergebnis vor Steuern lag bei 2.577 Mio. €
(Vorjahr: 1.522 Mio. €). Die Ertragsteuern summierten
sich auf 385 Mio. €, was einer Steuerquote von 15 %
entspricht. Die Quote deckt sich mit dem Planwert, den wir
für 2022 unter Berücksichtigung der erwarteten
Erträge in unseren Märkten, der dort geltenden
Steuersätze und der Nutzung von Verlustvorträgen
abgeleitet haben.
Die Ergebnisanteile anderer Gesellschafter lagen mit 109
Mio. € deutlich über dem Vorjahreswert (-13
Mio.€), u.a. wegen gestiegener Erträge von
Offshore-Windparks, an denen Dritte Minderheitsanteile
halten. Das betraf in erster Linie Rampion (400 MW), Humber
Gateway (219 MW) und Rhyl Flats (90 MW) in
Großbritannien. Bei Rampion kommt hinzu, dass wir den
Windpark seit dem 1. April 2021 vollkonsolidieren und daher
2022 erstmals über den vollen Berichtszeitraum
Ergebnisanteile für die mit 49,9 % beteiligten
Miteigentümer ausweisen.
Aufgrund der dargestellten Entwicklungen erzielten wir
ein gegenüber dem Vorjahr (1.432 Mio. €) stark
erhöhtes Nettoergebnis von 2.083 Mio. €. Bei
676,2 Millionen ausstehenden RWE-Aktien entspricht das
einem Ergebnis je Aktie von 3,08 € (Vorjahr: 2,12
€).
| Überleitung zum
bereinigten Nettoergebnis
in Mio. € |
Jan - Jun 2022 | Jan - Jun 2021 | + / - | Jan - Dez 2021 |
| Ergebnis vor Finanzergebnis und Steuern | 2.236 | 1.373 | 863 | 1.535 |
| Bereinigungssachverhalte EBIT | -132 | -331 | 199 | 650 |
| Bereinigtes EBIT | 2.104 | 1.042 | 1.062 | 2.185 |
| Finanzergebnis | 341 | 149 | 192 | - 13 |
| Bereinigungssachverhalte Finanzergebnis | -473 | -183 | -290 | - 196 |
| Ertragsteuern | -385 | -103 | -282 | - 690 |
| Bereinigung Ertragsteuern auf eine Steuerquote von 15% | 88 | - 48 | 136 | 394 |
| Ergebnisanteile anderer Gesellschafter | -109 | 13 | -122 | - 111 |
| Bereinigtes Nettoergebnis | 1.566 | 870 | 696 | 1.569 |
Das bereinigte Nettoergebnis belief sich auf 1.566 Mio.
€ (Vorjahr: 870 Mio. €). Um es zu ermitteln,
haben wir das neutrale Ergebnis in der
Überleitungsrechnung herausgerechnet und Anpassungen
bei den Ertragsteuern vorgenommen, um (weiterhin) auf eine
Steuerquote von 15 % zu kommen. Die deutliche Verbesserung
gegenüber 2021 ist auf den guten operativen
Geschäftsverlauf zurückzuführen.
| Investitionen in
Sachanlagen und
immaterielle Vermögenswerte 1 in Mio. € |
Jan - Jun 2022 | Jan - Jun 2021 | + / - | Jan - Dez 2021 |
| Offshore Wind | 380 | 1.181 | - 801 | 1.683 |
| Onshore Wind / Solar | 659 | 630 | 29 | 1.404 |
| Wasser / Biomasse / Gas | 151 | 68 | 83 | 294 |
| Energiehandel | 17 | 20 | - 3 | 47 |
| Sonstige, Konsolidierung | - | - 1 | 1 | 2 |
| Kerngeschäft | 1.207 | 1.898 | -691 | 3.430 |
| Kohle / Kernenergie | 86 | 114 | - 28 | 259 |
| RWE-Konzern | 1.293 | 2.012 | -719 | 3.689 |
1 In der Tabelle sind ausschließlich
zahlungswirksame Investitionen erfasst.
| Investitionen in
Finanzanlagen
1
in Mio. € |
Jan - Jun 2022 | Jan - Jun 2021 | + / - | Jan - Dez 2021 |
| Offshore Wind | 754 | - 39 | 793 | 27 |
| Onshore Wind / Solar | 97 | 13 | 84 | 27 |
| Wasser / Biomasse / Gas | 7 | 6 | 1 | 6 |
| Energiehandel | 3 | 12 | - 9 | 20 |
| Sonstige, Konsolidierung | - | - | - | - |
| Kerngeschäft | 861 | -8 | 869 | 80 |
| Kohle / Kernenergie | - | - | - | - |
| RWE-Konzern | 861 | -8 | 869 | 80 |
1 In der Tabelle sind ausschließlich
zahlungswirksame Investitionen erfasst.
Im ersten Halbjahr 2022 tätigten wir Investitionen
in Gesamthöhe von 2.154 Mio. € (Vorjahr: 2.004
Mio. €). Für Sachanlagen und immaterielle
Vermögenswerte setzten wir 1.293 Mio. € ein. Das
ist wesentlich weniger als im Vorjahreszeitraum (2.012 Mio.
€), in dem hohe Ausgaben für den Bau des
Windparks Triton Knoll anfielen. Auch 2022 flossen noch
Mittel in dieses Projekt. Darüber hinaus investierten
wir in die künftigen Offshore-Windparks Kaskasi nahe
Helgoland und Sofia in der britischen Nordsee. Weitere
Ausgabenschwerpunkte waren Windkraft- und Solarprojekte in
den USA sowie der Bau eines Gaskraftwerks in Biblis, das ab
Oktober 2022 zur Stabilisierung des deutschen Stromnetzes
beitragen soll.
Für Finanzanlagen gaben wir 861 Mio.€ aus
(Vorjahr: -8 Mio.€). Wichtigster Einzelposten war eine
Kapitaleinzahlung von 740 Mio. € in unser
US-amerikanisches Gemeinschaftsunternehmen mit National
Grid Ventures. Die Mittel nutzten wir, um die einmalige
Pachtgebühr von 1,1 Mrd. US$ für ein Areal in der
New Yorker Bucht zu bezahlen, auf dem wir
Offshore-Windkraftanlagen bauen wollen (siehe Seite 10).
Von unseren Investitionen im ersten Halbjahr 2022 waren
88 % "taxonomiefähig". Das heißt, dass wir die
Mittel für Aktivitäten eingesetzt haben, die nach
der neuen EU-Taxonomie-Verordnung für eine Einstufung
als nachhaltig infrage kommen. Bei der Ermittlung des
Prozentsatzes wurden Gesamtinvestitionen von 1.648 Mio.
€ zugrunde gelegt. Die Abweichung vom oben angegebenen
Betrag (2.154 Mio. €) erklärt sich dadurch, dass
auch nicht zahlungswirksame Vorgänge taxonomierelevant
sind, die Finanzanlageinvestitionen dagegen
unberücksichtigt bleiben.
| Kapitalflussrechnung
in Mio. € |
Jan - Jun 2022 | Jan - Jun 2021 | + /- | Jan - Dez 2021 |
| Funds from Operations | 5.439 | 3.329 | 2.110 | 7.103 |
| Veränderung des Nettoumlaufvermögens | -2.534 | 1.683 | -4.217 | 171 |
| Cash Flow aus laufender Geschäftstätigkeit | 2.905 | 5.012 | -2.107 | 7.274 |
| Cash Flow aus der Investitionstätigkeit | -2.105 | -2.330 | 225 | - 7.738 |
| Cash Flow aus der Finanzierungstätigkeit | -2.009 | -458 | -1.551 | 1.457 |
| Einfluss von
Wechselkurs- und sonstigen
Wertänderungen auf die flüssigen Mittel |
-1 | 45 | - 46 | 58 |
| Veränderung der flüssigen Mittel | -1.210 | 2.269 | -3.479 | 1.051 |
| Cash Flow aus laufender Geschäftstätigkeit | 2.905 | 5.012 | -2.107 | 7.274 |
| Abzüglich Investitionen | -2.154 | -2.004 | -150 | - 3.769 |
| Zuzüglich Desinvestitionen/Anlagenabgänge | 41 | 397 | -356 | 1.057 |
| Free Cash Flow | 792 | 3.405 | -2.613 | 4.562 |
Trotz der verbesserten Ertragslage lag unser Cash Flow
aus laufender Geschäftstätigkeit mit 2.905 Mio.
€ weit unter dem hohen Vorjahreswert (5.012 Mio.
€). Ein wesentlicher Grund dafür waren
Auszahlungen für die Beschaffung von CO
2-Emissionsrechten. Unsere Terminkontrakte zum
Erwerb der für 2021 benötigten Zertifikate sind
großenteils Anfang 2022 fällig geworden. Dabei
machten sich die stark erhöhten CO
2-Preise bemerkbar. Außerdem führten
gestiegene Emissionen zu einem zusätzlichen Bedarf an
Zertifikaten. Positiv wirkte, dass wir mehr Variation
Margins erhalten haben. Dabei handelt es sich um
Sicherheitsleistungen für börsengehandelte
Commodity-Terminkontrakte, die während der
Vertragslaufzeit erbracht werden. Die daraus resultierenden
Liquiditätsveränderungen erfassen wir im
operativen Cash Flow. Andere Sicherheitsleistungen wie
Initial Margins und Collaterals werden im Cash Flow aus der
Finanzierungstätigkeit berücksichtigt.
Durch die Investitionstätigkeit sind 2.105 Mio.
€ abgeflossen (Vorjahr: 2.330 Mio. €). Zuzuordnen
ist das im Wesentlichen unseren Sach- und
Finanzanlageinvestitionen.
Auch die Finanzierungstätigkeit führte zu
einem Liquiditätsabfluss, und zwar in Höhe von
2.009 Mio. € (Vorjahr: 458 Mio. €). Im
Berichtszeitraum mussten wir beträchtliche Zahlungen
für Initial Margins und Collaterals leisten. Initial
Margins sind Sicherheitsleistungen, die einmalig bei
Abschluss börsengehandelter Kontrakte zu stellen sind,
während Collaterals der Besicherung
außerbörslicher Kontrakte dienen. Weitere
Mittelabflüsse (784 Mio. €) ergaben sich durch
unsere Ausschüttungen an RWE-Aktionäre und
Minderheitsgesellschafter. Dem standen Einnahmen in
Höhe von 1.985 Mio. € aus der Begebung von zwei
grünen Anleihen gegenüber (siehe Seite 12).
Aufgrund der dargestellten Zahlungsströme aus der
Geschäfts-, Investitions- und
Finanzierungstätigkeit hat sich unser
Liquiditätsbestand um 1.210 Mio. € verringert.
Zieht man vom Cash Flow aus laufender
Geschäftstätigkeit die Investitionen ab und
addiert die Einnahmen aus Desinvestitionen und
Anlagenabgängen, erhält man den Free Cash Flow.
Dieser lag mit 792 Mio. € weit unter dem Vorjahreswert
(3.405 Mio. €).
| Nettovermögen /
-schulden
1
in Mio. € |
30.06.2022 | 31.12.2021 | + / - |
| Flüssige Mittel | 4.615 | 5.825 | - 1.210 |
| Wertpapiere | 8.299 | 8.347 | - 48 |
| Sonstiges Finanzvermögen | 14.955 | 12.403 | 2.552 |
| Finanzvermögen | 27.869 | 26.575 | 1.294 |
| Anleihen,
Schuldscheindarlehen, Verbindlichkeiten
gegenüber Kreditinstituten, Commercial Paper |
-12.907 | -10.704 | - 2.203 |
| Währungskurssicherung von Anleihen | 16 | -9 | 25 |
| Sonstige Finanzverbindlichkeiten | -6.112 | -7.090 | 978 |
| Finanzverbindlichkeiten | -19.003 | -17.803 | - 1.200 |
| Zuzüglich 50% des
als Fremdkapital
ausgewiesenen Hybridkapitals |
296 | 290 | 6 |
| Nettofinanzvermögen (inkl. Korrektur beim Hybridkapital) | 9.162 | 9.062 | 100 |
| Rückstellungen
für Pensionen und
ähnliche Verpflichtungen |
-1.077 | -1.934 | 857 |
| Aktivisch ausgewiesenes
Nettovermögen bei
fondsgedeckten Pensionsverpflichtungen |
838 | 459 | 379 |
| Rückstellungen für Entsorgung im Kernenergiebereich | -5.899 | -6.029 | 130 |
| Rückstellungen
für den Rückbau von Windparks
und Solaranlagen |
-1.132 | -1.198 | 66 |
| Nettovermögen (+)/Nettoschulden (-) | 1.892 | 360 | 1.532 |
Zum 30. Juni 2022 verfügten wir über
Nettovermögen in Höhe von 1.892 Mio. €. Das
ist deutlich mehr als zum 31. Dezember 2021 (360 Mio.
€). Der Anstieg ergibt sich u. a. aus dem positiven
Free Cash Flow. Außerdem verringerten sich die
Pensionsrückstellungen um 857 Mio. €.
Ausschlaggebend dafür war, dass die
Diskontierungszinssätze, mit denen wir die
Verpflichtungsbarwerte ermitteln, aufgrund der
Marktentwicklung gestiegen sind. Die im vorliegenden
Zwischenabschluss verwendeten Zinssätze betrugen 3,2 %
für Deutschland und 3,9 % für
Großbritannien, gegenüber 1,1 % bzw. 1,8 % am
Ende des vergangenen Jahres. Gegenläufigen Einfluss
auf die Höhe der Pensionsrückstellungen hatte,
dass sich das Planvermögen, mit dem wir den
Großteil unserer Pensionsverpflichtungen decken,
marktbedingt verringert hat.
Im Zwischenabschluss weisen wir eine Bilanzsumme von
189,6 Mrd. € aus, gegenüber 142,3 Mrd. € zum
Vorjahresende. Hauptgrund für den deutlichen Anstieg
sind die stark erhöhten Commodity-Preise und
dementsprechende Wertveränderungen bei von uns
abgeschlossenen Termingeschäften. Solche Effekte sind
allerdings nur temporär und heben sich
größtenteils wieder auf, wenn die Kontrakte
realisiert werden. Sie führten dazu, dass sich unsere
Commodity-Derivatpositionen auf der Aktivseite der Bilanz
um 40,3 Mrd. € und auf der Passivseite sogar um 54,2
Mrd. € erhöht haben. Die Asymmetrie trug
maßgeblich dazu bei, dass sich unser Eigenkapital um
7,5 Mrd. € auf 9,5 Mrd. € verringerte. Sein
Anteil an der Bilanzsumme (Eigenkapitalquote) ist um 6,9
Prozentpunkte auf 5,0 % gesunken.
| 30.06.2022 | 31.12.2021 | |||
| in Mio. € | in % | in Mio € | in % | |
| Langfristiges Vermögen | 40.013 | 21,1 | 38.863 | 27,3 |
| Davon: | ||||
| Immaterielle Vermögenswerte | 5.731 | 3,0 | 5.884 | 4,1 |
| Sachanlagen | 21.502 | 11,3 | 19.984 | 14,0 |
| Kurzfristiges Vermögen | 149.596 | 78,9 | 103.446 | 72,7 |
| Davon: | ||||
| Forderungen aus Lieferungen und Leistungen | 5.855 | 3,1 | 6.470 | 4,5 |
| Forderungen und sonstige Vermögenswerte | 122.435 | 64,6 | 79.626 | 56,0 |
| Wertpapiere | 8.010 | 4,2 | 8.040 | 5,6 |
| Zur Veräußerung bestimmte Vermögenswerte | 639 | 0,3 | 657 | 0,5 |
| Gesamt | 189.609 | 100,0 | 142.309 | 100,0 |
| 30.06.2022 | 31.12.2021 | |||
| in Mio. € | in % | in Mio.€ | in % | |
| Eigenkapital | 9.470 | 5,0 | 16.996 | 11,9 |
| Langfristige Schulden | 28.624 | 15,1 | 28.306 | 19,9 |
| Davon: | ||||
| Rückstellungen | 15.301 | 8,1 | 16.943 | 11,9 |
| Finanzverbindlichkeiten | 9.142 | 4,8 | 6.798 | 4,8 |
| Kurzfristige Schulden | 151.515 | 79,9 | 97.007 | 68,2 |
| Davon: | ||||
| Rückstellungen | 4.117 | 2,2 | 4.268 | 3,0 |
| Finanzverbindlichkeiten | 9.878 | 5,2 | 10.996 | 7,7 |
| Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen | 5.688 | 3,0 | 4.428 | 3,1 |
| Übrige Verbindlichkeiten | 131.832 | 69,5 | 77.315 | 54,4 |
| Zur Veräußerung bestimmte Schulden | - | - | - | - |
| Gesamt | 189.609 | 100,0 | 142.309 | 100,0 |
| Mitarbeiter 1 | 30.06.2022 | 31.12.2021 | + / - |
| Offshore Wind | 1.469 | 1.277 | 192 |
| Onshore Wind / Solar | 2.175 | 2.146 | 29 |
| Wasser / Biomasse / Gas | 2.648 | 2.606 | 42 |
| Energiehandel | 1.896 | 1.804 | 92 |
| Sonstige 2 | 487 | 467 | 20 |
| Kerngeschäft | 8.675 | 8.300 | 375 |
| Kohle / Kernenergie | 9.526 | 9.946 | - 420 |
| RWE-Konzern | 18.201 | 18.246 | -45 |
1 Umgerechnet in Vollzeitstellen.
2 Die Position umfasst zurzeit
ausschließlich die Beschäftigten der
Holdinggesellschaft RWE AG.
Zum 30. Juni 2022 gab es im RWE-Konzern 18.201
Beschäftigte, davon 13.330 an deutschen und 4.871 an
ausländischen Standorten. Bei der Ermittlung dieser
Zahlen wurden Teilzeitstellen anteilig berücksichtigt.
Gegenüber Ende 2021 hat sich der Personalbestand etwas
verringert (-45). Einen deutlichen Rückgang
verzeichneten wir im Segment Kohle / Kernenergie: Dort
haben 420 Beschäftigte den Konzern verlassen, u. a.
durch Nutzung von Altersteilzeit- und
Vorruhestandsregelungen im Zusammenhang mit dem deutschen
Kohleausstieg. Im Kerngeschäft, für das wir uns
ambitionierte Wachstumsziele gesetzt haben, sind dagegen
375 zusätzliche Stellen entstanden. Neue
Großprojekte im Segment Offshore Wind spielten dabei
eine wichtige Rolle.
| Ausblick 2022
in Mio. € |
Aktualisierte
Prognose |
Bisherige
Prognose 1 |
Ist 2021 |
| Bereinigtes EBITDA | 5.000-5.500 | 3.600-4.000 | 3.650 |
| Davon: | |||
| Kerngeschäft | 4.300-4.800 | 2.900-3.300 | 2.761 |
| Davon: | |||
| Offshore Wind | 1.350-1.600 | 1.350-1.600 | 1.110 |
| Onshore Wind / Solar | 900-1.100 | 650-800 | 258 |
| Wasser / Biomasse / Gas | 1.400-1.700 | 700-900 | 731 |
| Energiehandel | Deutlich über 350 | 150-350 | 769 |
| Kohle / Kernenergie | 650-750 | 650-750 | 889 |
| Bereinigtes EBIT | 3.400-3.900 | 2.000-2.400 | 2.185 |
| Bereinigtes Nettoergebnis | 2.100-2.600 | 1.300 - 1.700 | 1.569 |
1 Siehe Geschäftsbericht 2021, Seite 67 f.
Unsere Ertragslage im laufenden Jahr wird aller
Voraussicht nach besser sein, als wir im
Geschäftsbericht 2021 auf Seite 67 f. prognostiziert
haben. Beim bereinigten EBITDA rechnen wir nun damit, im
Konzern einen Wert von 5,0 Mrd. € bis 5,5 Mrd. €
(bisher: 3,6 Mrd. € bis 4,0 Mrd. €) und im
Kerngeschäft einen Wert von 4,3 Mrd. € bis 4,8
Mrd. € (bisher: 2,9 Mrd. € bis 3,3 Mrd. €)
zu erreichen. Der bislang sehr erfolgreiche Energiehandel
und günstigere Marktbedingungen in der Stromerzeugung
spielen dabei eine wichtige Rolle. In den Niederlanden
werden wir davon profitieren, dass die Kohleverstromung
keinen gesetzlichen Beschränkungen mehr unterliegt und
dass wir mit Magnum über ein zusätzliches
Gaskraftwerk verfügen. Die genannten Faktoren
führen dazu, dass wir nun auch in den Segmenten
Onshore Wind / Solar, Wasser / Biomasse / Gas und
Energiehandel höhere Ergebnisbeiträge erwarten
(siehe Tabelle oben).
Bei betrieblichen Abschreibungen von voraussichtlich
rund 1,6 Mrd. € ergibt sich für das bereinigte
EBIT des Konzerns eine Bandbreite von 3,4 Mrd. € bis
3,9 Mrd. € (bisher: 2,0 Mrd. € bis 2,4 Mrd.
€). Den Ausblick für das bereinigte Nettoergebnis
heben wir auf 2,1 Mrd. € bis 2,6 Mrd. € an
(bisher: 1,3 Mrd. € bis 1,7 Mrd. €). Die
Prognoseanpassung ist hier moderater. Eine Rolle spielt
dabei, dass wir mit zusätzlichen Belastungen im
bereinigten Finanzergebnis rechnen. Wir veranschlagen diese
Kennzahl nun auf rund -450 Mio.€ (bisher: rund -250
Mio.€), u.a. wegen des gestiegenen
Fremdfinanzierungsvolumens und höherer Kosten für
die Liquiditätssicherung. Darüber hinaus erwarten
wir höhere Ergebnisanteile anderer Gesellschafter.
Aktuell rechnen wir mit einer Größenordnung von
350 Mio. € (bisher: 200 Mio. €). Das ergibt sich
aus der verbesserten operativen Ertragslage.
Bestätigen können wir unsere Prognose zu den
Investitionen. Die Ausgaben für Sachanlagen und
immaterielle Vermögenswerte werden voraussichtlich
wesentlich höher sein als 2021 (3.689 Mio. €),
obwohl sie im ersten Halbjahr noch rückläufig
waren. Hintergrund ist, dass bei einigen Windkraftprojekten
der Großteil der diesjährigen Investitionen erst
in der zweiten Jahreshälfte anfällt.
Ein wichtiger Indikator für unsere Finanzkraft ist
das Verhältnis der Nettoschulden zum bereinigten
EBITDA des Kerngeschäfts (Leverage Factor). Wir haben
uns für den Leverage Factor eine Obergrenze von 3,0
gesetzt. Im Geschäftsjahr 2021 lag die Kennzahl unter
null. Trotz der hohen geplanten Investitionen gehen wir
davon aus, dass der Leverage Factor die Marke von 3,0 auch
Ende 2022 deutlich unterschreiten wird.
Der Vorstand der RWE AG strebt für das
Geschäftsjahr 2022 eine Gewinnausschüttung je
Aktie in Höhe von 0,90 € an. Dies entspricht der
Dividende, die wir für 2021 gezahlt haben.
Der Aufbau und die Prozesse unseres Risikomanagements,
die zuständigen Organisationseinheiten, die
wesentlichen Risiken und Chancen sowie unsere
Maßnahmen zur Steuerung und Überwachung von
Risiken werden im Geschäftsbericht 2021 auf Seite 70
ff. ausführlich dargestellt. Die dort getroffenen
Aussagen geben unseren Kenntnisstand vom Februar 2022
wieder. Wir teilen unsere Risiken nach ihren Ursachen in
die folgenden sieben Klassen ein: (1) Marktrisiken, (2)
regulatorische und politische Risiken, (3) rechtliche
Risiken, (4) operative Risiken, (5) finanzwirtschaftliche
Risiken, (6) Bonität von Geschäftspartnern und
(7) sonstige Risiken. Für jede dieser Klassen nehmen
wir eine Risikoeinstufung vor, bei der wir uns am
höchsten Einzelrisiko orientieren. Wir unterscheiden
dabei die Kategorien "gering", "mittel" und "hoch". Unsere
Risiken erheben wir im Halbjahresrhythmus mithilfe einer
Bottom-up-Analyse. Bei der jüngsten Erhebung im
Frühjahr 2022 haben wir die finanzwirtschaftlichen
Risiken von "mittel" auf "hoch" heraufgestuft (siehe
Erläuterung unten). Für die anderen Risikoklassen
ergab sich keine Veränderung.
Unsere im Geschäftsbericht 2021 beschriebenen
Risiken infolge des Ukraine-Kriegs und der massiven
Verteuerung von Energie haben sich teilweise
materialisiert. Wie auf Seite 10 erläutert, hat der
Wegfall der vertraglich kontrahierten Steinkohlelieferungen
aus Russland zu hohen finanziellen Einbußen für
uns geführt. Die Risiken aus Gasbezugsverträgen
konnten wir durch Absicherungsgeschäfte
vollständig eliminieren. Allerdings sind weiterhin
Belastungen möglich, falls es in Europa zu einem
Gasnotstand und weitreichenden staatlichen Markteingriffen
kommt. Regulatorische Risiken bestehen auch im Zusammenhang
mit den stark erhöhten Strom- und Rohstoffpreisen.
Länder wie Italien und Spanien haben bereits
Sonderabgaben eingeführt, um Marktlagengewinne von
Energieunternehmen abzuschöpfen. Die britische
Regierung erwägt sogar Anpassungen des Marktdesigns.
Solche Eingriffe könnten auch für RWE negative
Auswirkungen haben.
Güterknappheiten und Logistikprobleme nach
Abklingen der Corona-Krise haben die Inflation angeheizt.
Durch den Ukraine-Krieg hat sich die Lage weiter
verschärft. Eine Beschleunigung der Geldentwertung und
die damit verbundenen Kostensteigerungen können dazu
führen, dass wir unsere Rückstellungen noch
stärker anheben müssen, als im laufenden Jahr
bereits geschehen. Nachteilig sind die Preissteigerungen
insbesondere dann, wenn sie überdurchschnittlich stark
in Branchen auftreten, von denen wir Produkte und
Dienstleistungen für die Entsorgung im
Kernenergiebereich oder für die Rekultivierung von
Tagebauflächen beziehen. Allerdings gehen mit
zunehmenden Inflationsraten i. d. R. auch steigende
Nominalzinssätze einher. Bei höheren
Abzinsungssätzen fallen die Gegenwartswerte
künftiger Verpflichtungen niedriger aus - und damit
auch die bilanziellen Rückstellungen.
Preissteigerungen und Zinsanhebungen wirken sich somit
gegenläufig aus. Dennoch haben wir unsere
finanzwirtschaftlichen Risiken inflationsbedingt auf "hoch"
angepasst.
Aufgrund der gestiegenen Preise und Volatilitäten
an den Energiemärkten haben auch die
Liquiditätsrisiken zugenommen, die sich aus der
Besicherung von Termintransaktionen ergeben. Die Höhe
der Sicherheitsleistungen hängt davon ab, wie stark
die vertraglich vereinbarten Preise von den
Marktnotierungen zum jeweiligen Stichtag abweichen. Sind
die Differenzen groß, können erhebliche
Liquiditätsbelastungen eintreten. Aufgrund unserer
soliden Finanzlage sind wir zuversichtlich, stets die
benötigten Sicherheiten bereitstellen zu können.
Um dies auch bei extremeren Szenarien zu
gewährleisten, haben wir unseren Kreditlinienspielraum
im Frühjahr auf 8 Mrd. € erhöht (siehe Seite
13).
Trotz der beschriebenen Unwägbarkeiten sind
weiterhin keine Risiken erkennbar, die den Fortbestand der
RWE AG oder des RWE-Konzerns gefährden könnten.
Commodity-Preis-Risiken und finanzwirtschaftliche
Risiken steuern und überwachen wir anhand von
Kennzahlen wie dem Value at Risk, dem Cash Flow at Risk und
Sensitivitäten.
Risiken im Handelsgeschäft von RWE Supply &
Trading messen wir mit dem Value at Risk (VaR). Dieser gibt
an, welchen Wert der mögliche Verlust aus einer
Risikoposition mit einer gegebenen Wahrscheinlichkeit in
einem gegebenen Zeithorizont nicht überschreitet.
Für die VaR-Berechnung legen wir im Konzern
grundsätzlich ein Konfidenzniveau von 95 % zugrunde -
bei einem Betrachtungszeitraum von einem Tag. Das bedeutet,
dass der Tagesverlust den VaR mit einer Wahrscheinlichkeit
von 95 % nicht übersteigt. Der VaR für
Preisrisiken von Commodity-Positionen im
Handelsgeschäft muss ein bestimmtes Limit einhalten,
das im Berichtszeitraum von 60 Mio. € auf 80 Mio.
€ angehoben wurde. Im ersten Halbjahr bewegten sich
die tatsächlichen Tageswerte meist deutlich unter der
Obergrenze. Sie lagen im Durchschnitt bei 44 Mio. €.
Das Management unseres Gasportfolios und das
LNG-Geschäft sind in einer eigenen
Organisationseinheit bei RWE Supply & Trading
gebündelt. Auch für diese Aktivitäten gibt
es ein VaR-Tageslimit. Die Obergrenze wurde im
Berichtszeitraum angepasst und beträgt aktuell 65 Mio.
€. Im Halbjahresdurchschnitt kamen wir auf einen VaR
von 34 Mio. €.
Ein bedeutender Risikofaktor im Finanzbereich ist die
Entwicklung der Marktzinsen. Falls sie steigen,
erhöhen sich auch die Finanzierungskosten. Dieses
Risiko messen wir mit dem Cash Flow at Risk (CFaR). Dabei
legen wir ein Konfidenzniveau von 95 % und eine Haltedauer
von einem Jahr zugrunde. Im ersten Halbjahr 2022 belief
sich der CFaR auf durchschnittlich 2 Mio. €.
Steigen die Zinsen, können bei Wertpapieren aus
unserem Bestand Kursverluste eintreten. Dies gilt in erster
Linie für festverzinsliche Anleihen. Das Kursrisiko
messen wir per Sensitivitätsanalyse. Zum
Bilanzstichtag ergab sich folgendes Bild: Bei einem Anstieg
der Marktzinsen um 100 Basispunkte hätte sich der Wert
der von uns gehaltenen Anleihen um 21 Mio. €
verringert.
Risiken aus Finanzpositionen in Fremdwährung
quantifizieren wir ebenfalls anhand von
Sensitivitäten. Dabei berechnen wir, wie sich eine
Wechselkursänderung um 10 % auf den Wert der
Positionen ausgewirkt hätte; zum 30. Juni lag diese
Sensitivität bei 0,8 Mio. €.
Wir versichern nach bestem Wissen, dass gemäß
den anzuwendenden Rechnungslegungsgrundsätzen für
die Halbjahresfinanzberichterstattung der
Konzernzwischenabschluss ein den tatsächlichen
Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-,
Finanz- und Ertragslage des Konzerns vermittelt und im
Konzernzwischenlagebericht der Geschäftsverlauf
einschließlich des Geschäftsergebnisses und die
Lage des Konzerns so dargestellt sind, dass ein den
tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild
vermittelt wird, sowie die wesentlichen Chancen und Risiken
der voraussichtlichen Entwicklung des Konzerns im
verbleibenden Geschäftsjahr beschrieben sind.
Essen, 8. August 2022
Der Vorstand
| Krebber | Müller | Seeger |
| in Mio.€ | Apr - Jun 2022 1 | Apr - Jun 2021 1 | Jan - Jun 2022 | Jan - Jun 2021 |
| Umsatzerlöse (inkl. Erdgas-/Stromsteuer) | 8.298 | 3.792 | 16.300 | 8.575 |
| Erdgas-/Stromsteuer | -53 | -51 | -112 | -127 |
| Umsatzerlöse 2 | 8.245 | 3.741 | 16.188 | 8.448 |
| Materialaufwand | -8.224 | -2.768 | -15.739 | -6.330 |
| Personalaufwand | -634 | -636 | -1.325 | -1.216 |
| Abschreibungen | -403 | -1.154 | -785 | -1.510 |
| Sonstiges betriebliches Ergebnis | 306 | 1.422 | 3.810 | 1.653 |
| Ergebnis aus at-Equity-bilanzierten Beteiligungen | 68 | 54 | 140 | 140 |
| Übriges Beteiligungsergebnis | -12 | 183 | -53 | 188 |
| Ergebnis vor Finanzergebnis und Steuern | -654 | 842 | 2.236 | 1.373 |
| Finanzerträge | 958 | 421 | 1.440 | 1.147 |
| Finanzaufwendungen | -456 | -368 | -1.099 | -998 |
| Ergebnis vor Steuern | -152 | 895 | 2.577 | 1.522 |
| Ertragsteuern | 90 | -386 | -385 | -103 |
| Ergebnis | -62 | 509 | 2.192 | 1.419 |
| Davon: Ergebnisanteile anderer Gesellschafter | 21 | -28 | 109 | -13 |
| Davon: Nettoergebnis/Ergebnisanteile der Aktionäre der RWE AG | -83 | 537 | 2.083 | 1.432 |
| Unverwässertes und verwässertes Ergebnis je Aktie in€ | -0,12 | 0,80 | 3,08 | 2,12 |
1 Die freiwillige Angabe der Quartalswerte
für den Zeitraum vom 1. April bis 30. Juni 2022 und
das Vorjahresquartal unterliegen nicht der
prüferischen Durchsicht zum 30. Juni 2022.
2 Eine Darstellung der Umsatzerlöse nach
Produkten und Segmenten findet sich auf Seite 18.
| Beträge nach Steuern in Mio. € | Apr - Jun 2022 1 | Apr - Jun 2021 1 | Jan - Jun 2022 | Jan - Jun 2021 |
| Ergebnis | -62 | 509 | 2.192 | 1.419 |
|
Versicherungsmathematische Gewinne und Verluste
leistungsorientierter Pensionszusagen und
ähnlicher Verpflichtungen |
381 | 158 | 1.175 | 805 |
| Anteilig erfasste Erträge und Aufwendungen at-Equity-bilanzierter Beteiligungen | 4 | -2 | 2 | -2 |
| Marktbewertung von Eigenkapitalinstrumenten | -984 | -36 | -1.606 | 300 |
| Im Eigenkapital direkt erfasste Erträge und Aufwendungen, die nicht erfolgswirksam umzugliedern sind | -599 | 120 | -429 | 1.103 |
| Unterschied aus der Währungsumrechnung | -44 | 28 | -98 | 101 |
| Marktbewertung von Fremdkapitalinstrumenten | -5 | 8 | -12 | -12 |
| Marktbewertung von Finanzinstrumenten in Sicherungsbeziehung | -472 | -163 | -5.901 | 1.084 |
| Anteilig erfasste Erträge und Aufwendungen at-Equity-bilanzierter Beteiligungen | 10 | 1 | 20 | 11 |
| Im Eigenkapital direkt erfasste Erträge und Aufwendungen, die zukünftig erfolgswirksam umzugliedern sind | -511 | -126 | -5.991 | 1.184 |
| Im Eigenkapital direkt erfasste Erträge und Aufwendungen (Other Comprehensive Income) | -1.110 | -6 | -6.420 | 2.287 |
| Summe der erfassten Erträge und Aufwendungen (Total Comprehensive Income) | -1.172 | 503 | -4.228 | 3.706 |
| Davon: auf Aktionäre der RWE AG entfallend | -1.191 | 531 | -4.351 | 3.657 |
| Davon: auf andere Gesellschafter entfallend | 19 | -28 | 123 | 49 |
| in Mio.€ | 30.06.2022 | 31.12.2021 |
| Langfristiges Vermögen | ||
| Immaterielle Vermögenswerte | 5.731 | 5.884 |
| Sachanlagen | 21.502 | 19.984 |
| At-Equity-bilanzierte Beteiligungen | 3.852 | 3.021 |
| Übrige Finanzanlagen | 3.804 | 5.477 |
| Forderungen und sonstige Vermögenswerte | 4.209 | 3.834 |
| Latente Steuern | 915 | 663 |
| 40.013 | 38.863 | |
| Kurzfristiges Vermögen | ||
| Vorräte | 8.042 | 2.828 |
| Forderungen aus Lieferungen und Leistungen | 5.855 | 6.470 |
| Forderungen und sonstige Vermögenswerte | 122.435 | 79.626 |
| Wertpapiere | 8.010 | 8.040 |
| Flüssige Mittel | 4.615 | 5.825 |
| Zur Veräußerung bestimmte Vermögenswerte | 639 | 657 |
| 149.596 | 103.446 | |
| 189.609 | 142.309 |
| in Mio.€ | 30.06.2022 | 31.12.2021 |
| Eigenkapital | ||
| Anteile der Aktionäre der RWE AG | 7.772 | 15.254 |
| Anteile anderer Gesellschafter | 1.698 | 1.742 |
| 9.470 | 16.996 | |
| Langfristige Schulden | ||
| Rückstellungen | 15.301 | 16.943 |
| Finanzverbindlichkeiten | 9.142 | 6.798 |
| Übrige Verbindlichkeiten | 2.679 | 2.617 |
| Latente Steuern | 1.502 | 1.948 |
| 28.624 | 28.306 | |
| Kurzfristige Schulden | ||
| Rückstellungen | 4.117 | 4.268 |
| Finanzverbindlichkeiten | 9.878 | 10.996 |
| Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen | 5.688 | 4.428 |
| Übrige Verbindlichkeiten | 131.832 | 77.315 |
| 151.515 | 97.007 | |
| 189.609 | 142.309 |
| in Mio.€ | Jan - Jun 2022 | Jan - Jun 2021 |
| Ergebnis | 2.192 | 1.419 |
| Abschreibungen/Zuschreibungen | 196 | 1.351 |
| Veränderung der Rückstellungen | -623 | -529 |
| Latente Steuern/zahlungsunwirksame Erträge und Aufwendungen/Ergebnis aus dem Abgang von Anlagegegenständen und Wertpapieren | 3.674 | 1.088 |
| Veränderung des Nettoumlaufvermögens | -2.534 | 1.683 |
| Cash Flow aus laufender Geschäftstätigkeit | 2.905 | 5.012 |
| Cash Flow aus der Investitionstätigkeit 1 | -2.105 | -2.330 |
| Cash Flow aus der Finanzierungstätigkeit | -2.009 | -458 |
| Zahlungswirksame Veränderung der flüssigen Mittel | -1.209 | 2.224 |
| Einfluss von Wechselkurs- und sonstigen Wertänderungen auf die flüssigen Mittel | -1 | 45 |
| Veränderung der flüssigen Mittel | -1.210 | 2.269 |
| Flüssige Mittel zum Anfang des Berichtszeitraums | 5.825 | 4.774 |
| Flüssige Mittel zum Ende des Berichtszeitraums | 4.615 | 7.043 |
1 Nach Erst- / Nachdotierung von
Planvermögen in Höhe von 0 Mio. € (Vorjahr:
1.091 Mio. €).
| in Mio. € | Gezeichnetes Kapital
und Kapitalrücklage der RWE AG |
Gewinnrücklage
und Bilanzgewinn |
Accumulated Other
Comprehensive Income |
Anteile der Aktionäre der RWE AG | Anteile anderer Gesellschafter | Gesamt |
| Stand: 01.01.2021 | 5.959 | 8.301 | 2.656 | 16.916 | 790 | 17.706 |
| Kapitalauszahlung | -6 | - 6 | ||||
| Dividendenzahlungen | -575 | -575 | -72 | - 647 | ||
| Ergebnis | 1.432 | 1.432 | -13 | 1.419 | ||
| Other Comprehensive Income | 1.104 | 1.121 | 2.225 | 62 | 2.287 | |
| Total Comprehensive Income | 2.536 | 1.121 | 3.657 | 49 | 3.706 | |
| Übrige Veränderungen | -23 | - 601 | -624 | 1.076 | 452 | |
| Stand: 30.06.2021 | 5.959 | 10.239 | 3.176 | 19.374 | 1.837 | 21.211 |
| Stand: 31.12.2021 | 5.959 | 10.706 | -1.411 | 15.254 | 1.742 | 16.996 |
| Erstanwendung IAS 29 | 18 | - 4 | 14 | 6 | 20 | |
| Stand: 01.01.2022 | 5.959 | 10.724 | - 1.415 | 15.268 | 1.748 | 17.016 |
| Kapitalauszahlung | -5 | -5 | ||||
| Dividendenzahlungen | -609 | -609 | -175 | -784 | ||
| Ergebnis | 2.083 | 2.083 | 109 | 2.192 | ||
| Other Comprehensive Income | -430 | - 6.004 | -6.434 | 14 | -6.420 | |
| Total Comprehensive Income | 1.653 | - 6.004 | -4.351 | 123 | -4.228 | |
| Übrige Veränderungen | 24 | - 2.560 | -2.536 | 7 | -2.529 | |
| Stand: 30.06.2022 | 5.959 | 11.792 | - 9.979 | 7.772 | 1.698 | 9.470 |
Die RWE AG mit Sitz in Essen, Deutschland, ist
Mutterunternehmen des RWE-Konzerns ("RWE" oder "Konzern").
Der Konzernzwischenabschluss zum 30. Juni 2022
einschließlich weiterer Angaben im
Konzernzwischenlagebericht wurde nach den International
Financial Reporting Standards (IFRS), wie sie in der
Europäischen Union (EU) anzuwenden sind, aufgestellt.
Er ist am 8. August 2022 zur Veröffentlichung
freigegeben worden.
Im Einklang mit IAS 34 wurde für die Darstellung
des Konzernzwischenabschlusses zum 30. Juni 2022 ein
gegenüber dem Konzernabschluss zum 31. Dezember 2021
verkürzter Berichtsumfang gewählt. Im
Konzernzwischenabschluss werden - mit Ausnahme der
nachfolgend beschriebenen Änderungen und Neuregelungen
- die gleichen Bilanzierungs und Bewertungsmethoden
angewendet wie im Konzernabschluss zum 31. Dezember 2021.
Für weitere Informationen verweisen wir auf den
Konzerngeschäftsbericht 2021, der die Basis für
den vorliegenden Halbjahresfinanzbericht darstellt.
Für Entsorgungsrückstellungen auf dem Gebiet
der Kernenergie wird ein durchschnittlicher
Abzinsungsfaktor von 1,3 % (31.12.2021: 0,0 %) und für
bergbaubedingte Rückstellungen von 2,9 % (31.12.2021:
2,1 %) zugrunde gelegt. Rückstellungen für
Pensionen und ähnliche Verpflichtungen werden im
Inland mit 3,2 % und im Ausland mit 3,9 % abgezinst
(31.12.2021: 1,1 % bzw. 1,8 %).
Die Türkei gilt seit dem 30. Juni 2022 als
Hochinflationsland gemäß IAS 29. RWE wendet
daher im Konzernzwischenabschluss zum 30. Juni 2022
für den einbezogenen Abschluss türkischer
Tochterunternehmen erstmals IAS 29 an. Der aus der
retrospektiven Erstanwendung des IAS 29 resultierende, im
Eigenkapital erfasste Effekt zum 1. Januar 2022 betrug 20
Mio. €. Aus der IAS-29-Anwendung ergab sich im ersten
Halbjahr 2022 ein in den Abschreibungen sowie im
Finanzergebnis ausgewiesener Verlust aus der Nettoposition
der monetären Posten in Höhe von 15 Mio. €.
Dabei wurde der Verbraucherpreisindex des
Statistikinstituts der Türkei zur Adjustierung der
Kaufkrafteffekte verwendet. Zum 1. Januar 2022 betrug
dieser 687 Basispunkte und erhöhte sich im ersten
Halbjahr 2022 auf 978 Basispunkte. Die Vorjahreszahlen
wurden in Übereinstimmung mit IAS 21 nicht angepasst.
Für die Kapitalflussrechnung ergaben sich die
folgenden Effekte für das erste Halbjahr 2022:
| Position | Anpassungseffekt aus
IAS-29-Anwendung im ersten Halbjahr 2022 in Mio. € |
| Ergebnis | -15 |
| Abschreibungen / Zuschreibungen | 4 |
| Veränderung der Rückstellungen | 0 |
| Latente Steuern / zahlungsunwirksame Erträge und Aufwendungen / Ergebnis aus dem Abgang von Anlagegegenständen und Wertpapieren | 15 |
| Veränderung des Nettoumlaufvermögens | -4 |
| Cash Flow aus laufender Geschäftstätigkeit | 0 |
Der nicht in der Kapitalflussrechnung erfasste
Inflationseffekt auf den Anfangsbestand der Zahlungsmittel
in der Türkei beträgt zum 30. Juni 2022 19 Mio.
€.
Der International Accounting Standards Board (IASB) hat
Änderungen bei bestehenden IFRS verabschiedet, die
für den RWE-Konzern wegen der erfolgten Anerkennung
durch die EU ab dem Geschäftsjahr 2022 verpflichtend
anzuwenden sind:
| ― |
Änderungen an IFRS 3 "Unternehmenszusammenschlüsse" (2020) |
| ― |
Änderungen an IAS 16 "Sachanlagen" (2020) |
| ― |
Änderungen an IAS 37 "Rückstellungen, Eventualverbindlichkeiten und Eventualforderungen" (2020) |
| ― |
Jährliche Verbesserungen an den IFRS-Standards Zyklus 2018-2020 (2020) |
Diese neuen Regelungen haben keine wesentlichen
Auswirkungen auf den RWE-Konzernabschluss.
Der IASB hat weitere Standards und Änderungen an
Standards verabschiedet, die in der EU im
Geschäftsjahr 2022 noch nicht verpflichtend anzuwenden
sind. Diese nachfolgend aufgeführten Standards und
Änderungen an Standards werden voraussichtlich keine
wesentlichen Auswirkungen auf den RWE-Konzernabschluss
haben:
| ― |
IFRS 17 "Versicherungsverträge" (2017) |
| ― |
Amendments to IAS 1 "Presentation of Financial Statements: Classification of Liabilities as Current or Non-current" (2020) and "Presentation of Financial Statements: Classification of Liabilities as Current or Non-current - Deferral of Effective Date" (2020) |
| ― |
Amendments to IAS 12 "Income Taxes: Deferred Tax related to Assets and Liabilities arising from a Single Transaction" (2021) |
| ― |
Änderungen an IAS 1 "Darstellung des Abschlusses" (2021) |
| ― |
Änderungen an IAS 8 "Rechnungslegungsmethoden, Änderungen von rechnungslegungsbezogenen Schätzungen und Fehler" (2021) |
| ― |
Amendments to IFRS 17 "Insurance contracts: Initial Application of IFRS 17 and IFRS 9 -Comparative Information" (2021) |
In den Konzernabschluss einbezogen sind neben der RWE AG
alle wesentlichen in- und ausländischen
Tochterunternehmen, die die RWE AG unmittelbar oder
mittelbar beherrscht. Wesentliche assoziierte Unternehmen
werden nach der Equity-Methode bilanziert, wesentliche
gemeinsame Vereinbarungen nach der Equity-Methode
(Gemeinschaftsunternehmen) oder als gemeinschaftliche
Tätigkeit.
Im Folgenden wird dargestellt, welche Veränderungen
sich bei der Anzahl der vollkonsolidierten Unternehmen und
der mittels der Equity-Methode bilanzierten assoziierten
Unternehmen und Gemeinschaftsunternehmen ergeben haben:
| Anzahl vollkonsolidierter Unternehmen | Inland | Ausland | Gesamt |
| Stand: 01.01.2022 | 55 | 205 | 260 |
| Erstkonsolidierungen | 3 | 9 | 12 |
| Entkonsolidierungen | -1 | -4 | -5 |
| Verschmelzungen | -2 | -2 | |
| Stand: 30.06.2022 | 57 | 208 | 265 |
| Anzahl at-Equity-bilanzierter Unternehmen | Inland | Ausland | Gesamt |
| Stand: 01.01.2022 | 11 | 20 | 31 |
| Veräußerungen | -1 | -1 | |
| Sonstige Veränderungen | 3 | 3 | |
| Stand: 30.06.2022 | 11 | 22 | 33 |
Zudem werden zwei (31.12.2021: zwei) Gesellschaften als
gemeinschaftliche Tätigkeiten abgebildet.
Aus wettbewerbsrechtlichen Gründen ist RWE
verpflichtet, den Netzanschluss des britischen
Offshore-Windparks Triton Knoll zu veräußern.
Daher wird der Buchwert des Netzanschlusses, der
ausschließlich Sachanlagen betrifft, in Höhe von
639 Mio. € zum 30. Juni 2022 als zur
Veräußerung bestimmt in der Bilanz ausgewiesen.
Der zur Veräußerung bestimmte Vermögenswert
ist dem Segment Offshore Wind zugeordnet. Der Vollzug der
Veräußerung wird innerhalb der nächsten
zwölf Monate erwartet.
Im Konzernabschluss zum 31. Dezember 2021 wurde
über aktienkursbasierte Vergütungssysteme
für Führungskräfte der RWE AG und
nachgeordneter verbundener Unternehmen berichtet. Im Rahmen
des Long-Term-Incentive-Plans für
Führungskräfte mit der Bezeichnung "Strategic
Performance Plan" (SPP) hat die RWE AG für das
Geschäftsjahr 2022 eine weitere Tranche begeben.
Im Segment Kohle / Kernenergie wurden für die in
früheren Perioden gemäß IAS 36
wertgeminderten zahlungsmittelgenerierenden Einheiten (ZGE)
Hambach und Inden Zuschreibungen bis zu den
fortgeführten Anschaffungs- und Herstellungskosten der
jeweiligen ZGE in Höhe von 517 Mio. € bzw. 137
Mio. € vorgenommen (erzielbarer Betrag: 1,3 Mrd.
€ bzw. 1,1 Mrd. €). Auf das
Sachanlagevermögen entfielen davon 515 Mio. €
bzw. 137 Mio. € und auf immaterielle
Vermögenswerte 2 Mio. € bzw. 0 Mio. €. Die
Zuschreibungen wurden in der Position "Sonstige
betriebliche Erträge" erfasst. Die ZGE Hambach bzw.
Inden umfassen die jeweiligen Tagebaue und zugehörige
Kraftwerksblöcke.
Im Wesentlichen ist die Zuschreibung durch stark
gestiegene Marktpreise für Strom und gleichzeitig
weniger stark gestiegene Marktpreise für CO
2-Emissionsrechte begründet. Da die
Stromerzeugung der nächsten Jahre weitgehend gegen
Marktpreisschwankungen mit Derivaten gesichert worden ist,
stehen den Zuschreibungen Marktwertminderungen der
Finanzinstrumente zur Absicherung von Preisrisiken
gegenüber, die erfolgsneutral im Other Comprehensive
Income (OCI) erfasst sind.
Zur Ermittlung des erzielbaren Betrags als beizulegender
Zeitwert abzüglich Veräußerungskosten
wurden grundsätzlich die gleichen Bewertungsmodelle
und -parameter wie im Geschäftsjahr 2021 angewendet.
Dabei wurden u. a. aktualisierte
Diskontierungszinssätze nach Steuern von jeweils 4,5 %
verwendet (Vorjahr: 2,75 %). Aufgrund der Verwendung
interner Planungsannahmen ist der ermittelte beizulegende
Zeitwert der Stufe 3 der Fair-Value-Hierarchie zuzuordnen.
Die Hauptversammlung der RWE AG hat am 28. April 2022
beschlossen, eine Dividende für das Geschäftsjahr
2021 in Höhe von 0,90 € je dividendenberechtigte
RWE-Aktie auszuschütten. Die Ausschüttung
für das Geschäftsjahr 2021 erfolgte am 3. Mai
2022 und betrug insgesamt 609 Mio. € (Vorjahr: 575
Mio. €).
Im Mai 2022 hat RWE zwei weitere grüne Anleihen mit
einem Volumen von jeweils 1 Mrd. € (Gesamtvolumen: 2
Mrd. €) begeben. Für die erste Anleihe mit einer
Laufzeit bis 2026 beträgt die Rendite bis zur
Fälligkeit zum Emissionszeitpunkt 2,217 %, basierend
auf einem Kupon von 2,125 % p. a. und einem Ausgabepreis
von 99,652 %. Für die zweite Anleihe mit einer
Laufzeit bis 2030 beläuft sich die Rendite bis zur
Fälligkeit zum Emissionszeitpunkt auf 2,851 %,
basierend auf einem Kupon von 2,750 % p. a. und einem
Ausgabepreis von 99,287 %. Das von RWE erstellte Regelwerk
für grüne Anleihen, das RWE Green Bond Framework,
sieht die Verwendung der Emissionserlöse
ausschließlich für die Finanzierung bzw. die
Refinanzierung von Windkraft- und Solarprojekten vor.
Im April 2022 ist die Tranche B der 2019 abgeschlossenen
syndizierten Kreditlinie über 2 Mrd. €
ausgelaufen. Sie wurde durch eine neue, gleich große
Kreditlinie ersetzt, die eine Laufzeit bis April 2026
aufweist. Tranche A der syndizierten Kreditlinie von 2019
über 3 Mrd. € läuft unverändert bis
April 2026. Zudem wurde im März 2022 eine neue
syndizierte Kreditlinie über 3 Mrd. € mit einer
Laufzeit von zwölf Monaten abgeschlossen, die zweimal
um jeweils weitere sechs Monate verlängert werden
kann.
| Jan - Jun 2022 | Jan - Jun 2021 | ||
| Nettoergebnis / Ergebnisanteile der Aktionäre der RWE AG | Mio.€ | 2.083 | 1.432 |
| Zahl der im Umlauf befindlichen Aktien | Tsd. Stück | 676.220 | 676.220 |
| Unverwässertes und verwässertes Ergebnis je Aktie | € | 3,08 | 2,12 |
Am 20. Juni 2022 hat die niederländische Regierung
vor dem Hintergrund der aktuellen Gasknappheiten
angekündigt, die CO
2-Obergrenze für Kohlekraftwerke, die als
Alternative zur Gasverstromung dienen, abzuschaffen. Damit
wurde das Gesetz zur vorübergehenden Limitierung des
Einsatzes von Kohlekraftwerken (siehe
RWE-Geschäftsbericht 2021, Seite 173) mit sofortiger
Wirkung zum 20. Juni 2022 zurückgezogen. Demnach
unterliegen niederländische Kohlekraftwerke ab dem 20.
Juni 2022 bezüglich des erlaubten jährlichen
CO2-Ausstoßes keinen Restriktionen mehr - auch nicht
für das Jahr 2022. Zudem hat das niederländische
Klima- und Energieministerium bekannt gegeben, dass diese
Maßnahme im Zeitraum von 2022 bis 2024 nicht
reaktiviert wird. Darüber hinaus sollen die
betroffenen Unternehmen nach Aussage der
niederländischen Regierung für die 2022 aus der
CO
2-Obergrenze resultierenden Schäden
gemäß gesetzlichen Vorschriften und der
Entschädigungsverfügung entschädigt werden.
Die Rücknahme des Gesetzes muss nach der Sommerpause
noch formal vom niederländischen Parlament
verabschiedet werden.
Aufgrund der dargestellten Änderungen des
regulatorischen Umfeldes erwartet RWE keine
Entschädigung im höheren dreistelligen
Millionen-Euro-Bereich mehr, da die temporäre
Einschränkung von Kohlekraftwerken für die Jahre
2022 bis 2024 zum 20. Juni 2022 aufgehoben wurde.
Allerdings geht RWE für 2022 von einer möglichen
Entschädigung im niedrigeren dreistelligen
Millionen-Euro-Bereich aus.
Assoziierte Unternehmen und Gemeinschaftsunternehmen
gelten im RWE-Konzern als nahestehende Unternehmen. Die mit
wesentlichen nahestehenden Unternehmen getätigten
Geschäfte führten im ersten Halbjahr 2022 zu
Erträgen in Höhe von 387 Mio. €
(Vorjahreszeitraum: 377 Mio. €). Zudem führten
die mit wesentlichen nahestehenden Unternehmen
getätigten Geschäfte zu Aufwendungen in Höhe
von 457 Mio. € (Vorjahreszeitraum: 145 Mio. €).
Zum 30. Juni 2022 betrugen die Forderungen 256 Mio. €
(31.12.2021: 226 Mio. €) und die Verbindlichkeiten 498
Mio. € (31.12.2021: 312 Mio. €). Alle
Geschäfte sind zu marktüblichen Konditionen
abgeschlossen worden und unterscheiden sich
grundsätzlich nicht von den Liefer- und
Leistungsbeziehungen mit anderen Unternehmen. Die sonstigen
Verpflichtungen aus schwebenden Geschäften betrugen
114 Mio.€ (31.12.2021: 114 Mio.€).
Darüber hinaus hat der RWE-Konzern keine
wesentlichen Geschäfte mit nahestehenden Unternehmen
oder Personen getätigt.
Finanzinstrumente lassen sich danach unterscheiden, ob
sie originär oder derivativ sind. Die originären
Finanzinstrumente umfassen auf der Aktivseite im
Wesentlichen die übrigen Finanzanlagen, die
Forderungen, die kurzfristigen Wertpapiere und die
flüssigen Mittel. Die Finanzinstrumente sind
abhängig von ihrer Klassifizierung mit den
fortgeführten Anschaffungskosten oder dem
beizulegenden Zeitwert angesetzt. Finanzinstrumente werden
für Zwecke der Bilanzierung den nachfolgenden
Kategorien zugeordnet:
| ― |
Zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertete Fremdkapitalinstrumente: Die vertraglichen Geldflüsse bestehen ausschließlich aus Zins und Tilgung auf den ausstehenden Kapitalbetrag und für das Finanzinstrument besteht eine Halteabsicht bis zur Endfälligkeit. |
| ― |
Erfolgsneutral zum beizulegenden Zeitwert bewertete Fremdkapitalinstrumente: Die vertraglichen Geldflüsse bestehen ausschließlich aus Zins und Tilgung auf den ausstehenden Kapitalbetrag und für das Finanzinstrument besteht sowohl eine Halte- als auch eine Veräußerungsabsicht. |
| ― |
Erfolgsneutral zum beizulegenden Zeitwert bewertete Eigenkapitalinstrumente: Von der Option, Änderungen des beizulegenden Zeitwertes direkt im Eigenkapital auszuweisen, wird Gebrauch gemacht. |
| ― |
Erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert bilanzierte finanzielle Vermögenswerte: Die vertraglichen Geldflüsse aus Fremdkapitalinstrumenten bestehen nicht ausschließlich aus Zins und Tilgung auf den ausstehenden Kapitalbetrag, oder die Option zum Ausweis von Änderungen des beizulegenden Zeitwertes von Eigenkapitalinstrumenten direkt im Eigenkapital wird nicht angewendet. |
Auf der Passivseite bestehen die originären
Finanzinstrumente im Wesentlichen aus mit den
fortgeführten Anschaffungskosten bewerteten
Verbindlichkeiten.
Die Bewertung von zum beizulegenden Zeitwert angesetzten
Finanzinstrumenten erfolgt anhand des veröffentlichten
Börsenkurses, sofern die Finanzinstrumente an einem
aktiven Markt gehandelt werden. Der beizulegende Zeitwert
nicht notierter Fremd- und Eigenkapitaltitel wird
grundsätzlich auf Basis diskontierter erwarteter
Zahlungsströme unter Berücksichtigung
makroökonomischer Entwicklungen und
Unternehmensplandaten ermittelt. Zur Diskontierung werden
aktuelle restlaufzeitkongruente Marktzinssätze
herangezogen.
Derivative Finanzinstrumente werden - sofern sie in den
Anwendungsbereich von IFRS 9 fallen - grundsätzlich
mit ihren beizulegenden Zeitwerten am Bilanzstichtag
bilanziert. Börsengehandelte Produkte werden mit den
veröffentlichten Schlusskursen der jeweiligen
Börsen bewertet. Nicht börsengehandelte Produkte
werden anhand öffentlich zugänglicher
Broker-Quotierungen bewertet oder - falls solche nicht
vorhanden sind - anhand allgemein anerkannter
Bewertungsmodelle. Dabei orientieren wir uns, soweit
möglich, an Notierungen auf aktiven Märkten.
Sollten auch diese Notierungen nicht vorliegen,
fließen unternehmensspezifische Planannahmen in die
Bewertung ein. Diese umfassen sämtliche Marktfaktoren,
die auch andere Marktteilnehmer für die
Preisfestsetzung berücksichtigen würden.
Energiewirtschaftliche und volkswirtschaftliche Annahmen
werden in einem umfangreichen Prozess und unter
Einbeziehung interner und externer Experten ermittelt.
Die Bemessung des beizulegenden Zeitwertes einer Gruppe
finanzieller Vermögenswerte und finanzieller
Verbindlichkeiten wird auf Basis der Nettorisikoposition
pro Geschäftspartner vorgenommen.
Die Buchwerte der finanziellen Vermögenswerte und
Verbindlichkeiten im Anwendungsbereich von IFRS 7 stimmen
grundsätzlich mit ihren beizulegenden Zeitwerten
überein. Abweichungen gibt es lediglich bei den
Finanzverbindlichkeiten. Deren Buchwert beträgt 17.477
Mio. € (31.12.2021: 16.385 Mio. €), der
beizulegende Zeitwert 17.323 Mio. € (31.12.2021:
16.419 Mio. €).
Die folgende Übersicht stellt die Einordnung aller
zum beizulegenden Zeitwert bewerteten Finanzinstrumente in
die durch IFRS 13 vorgegebene Fair-Value-Hierarchie dar.
Die einzelnen Stufen der Fair-Value-Hierarchie sind
gemäß IFRS 13 wie folgt definiert:
| ― |
Stufe 1: Bewertung mit (unverändert übernommenen) Preisen von identischen Finanzinstrumenten, die sich auf aktiven Märkten gebildet haben, |
| ― |
Stufe 2: Bewertung auf Basis von Inputfaktoren, bei denen es sich nicht um Preise der Stufe 1 handelt, die sich aber für das Finanzinstrument entweder direkt (d. h. als Preis) oder indirekt (d. h. in Ableitung von Preisen) beobachten lassen, |
| ― |
Stufe 3: Bewertung mithilfe von Faktoren, die sich nicht auf beobachtbare Marktdaten stützen. |
| Fair-Value-Hierarchie
in Mio.€ |
Summe
30.06.2022 |
Stufe 1 | Stufe 2 | Stufe 3 |
| Übrige Finanzanlagen | 3.804 | 3.260 | 217 | 327 |
| Derivate (aktiv) | 105.905 | 99.223 | 6.682 | |
| Davon: in Sicherungsbeziehungen | 7.965 | 7.965 | ||
| Wertpapiere 1 | 6.905 | 18 | 6.887 | |
| Derivate (passiv) | 131.416 | 129.630 | 1.786 | |
| Davon: in Sicherungsbeziehungen | 22.883 | 22.883 |
| Fair-Value-Hierarchie
in Mio.€ |
Summe
31.12.2021 |
Stufe 1 | Stufe 2 | Stufe 3 |
| Übrige Finanzanlagen | 5.477 | 4.960 | 235 | 282 |
| Derivate (aktiv) | 65.160 | 61.281 | 3.879 | |
| Davon: in Sicherungsbeziehungen | 6.768 | 6.768 | ||
| Wertpapiere 1 | 7.069 | 107 | 6.962 | |
| Derivate (passiv) | 76.992 | 75.760 | 1.232 | |
| Davon: in Sicherungsbeziehungen | 14.609 | 14.609 |
1 Teilweise angepasste Vorjahreswerte
Im Berichtszeitraum wurden Wertberichtigungen in
Höhe von 748 Mio. € auf als Derivate zum Fair
Value bilanzierte Verträge über
Steinkohlebezüge aus Russland im sonstigen
betrieblichen Ergebnis erfasst. Diese Wertberichtigungen
wurden erforderlich aufgrund der Sanktionen, die die EU und
Großbritannien gegen Russland infolge des
Ukraine-Kriegs verhängt haben.
Die folgende Darstellung zeigt die Entwicklung der nach
Stufe 3 zum beizulegenden Zeitwert bilanzierten
Finanzinstrumente:
| Finanzinstrumente der Stufe 3: Entwicklung im Jahr 2022 | Stand:
01.01.2022 |
Änderungen
Konsolidierungskreis, Währungsanpassungen, Sonstiges |
Veränderungen | Stand:
30.06.2022 |
||
| in Mio. € | Erfolgswirksam | Erfolgsneutral
(OCI) |
Zahlungswirksam | |||
| Übrige Finanzanlagen | 282 | -11 | -2 | 58 | 327 | |
| Derivate (aktiv) | 3.879 | -2 | 4.641 | -1.836 | 6.682 | |
| Derivate (passiv) | 1.232 | 4 | 1.345 | -795 | 1.786 | |
| Finanzinstrumente der Stufe 3: Entwicklung im Jahr 2021 | Stand:
01.01.2021 |
Änderungen
Konsolidierungskreis, Währungsanpassungen, Sonstiges |
Veränderungen | Stand:
30.06.2021 |
||
| in Mio. € | Erfolgswirksam | Erfolgsneutral (OCI) | Zahlungswirksam | |||
| Übrige Finanzanlagen | 364 | -81 | 1 | 35 | 319 | |
| Derivate (aktiv) | 699 | 579 | 1.278 | |||
| Derivate (passiv) | 256 | 1 | -33 | 224 | ||
| Zur Veräußerung bestimmte Schulden | 1 | 34 | 35 | |||
Die erfolgswirksam erfassten Gewinne und Verluste von
Finanzinstrumenten der Stufe 3 entfallen auf folgende
Posten der Gewinn- und Verlustrechnung:
| Finanzinstrumente der
Stufe 3: erfolgswirksam
erfasste Gewinne und Verluste in Mio.€ |
Gesamt
Jan - Jun 2022 |
Davon:
auf Finanzinstrumente entfallend, die am Bilanzstichtag noch gehalten wurden |
Gesamt
Jan - Jun 2021 |
Davon:
auf Finanzinstrumente entfallend, die am Bilanzstichtag noch gehalten wurden |
| Sonstige betriebliche Erträge/Aufwendungen | 3.297 | 3.297 | 577 | 577 |
| Beteiligungsergebnis | -3 | -3 | 2 | -3 |
| 3.294 | 3.294 | 579 | 574 |
Derivative Finanzinstrumente der Stufe 3 umfassen im
Wesentlichen Energiebezugs- und Rohstoffverträge, die
Handelsperioden betreffen, für die es noch keine
aktiven Märkte gibt. Ihre Bewertung ist insbesondere
von der Entwicklung der Strom-, Öl- und Gaspreise
abhängig. Bei steigenden Marktpreisen erhöht sich
bei sonst gleichen Bedingungen der beizulegende Zeitwert,
bei sinkenden Marktpreisen verringert er sich. Eine
Veränderung der Preisverhältnisse um +/- 10%
würde zu einem Anstieg des Marktwertes um 45
Mio.€ (Vorjahr: 102 Mio. €) bzw. zu einem
Rückgang um 45 Mio. € (Vorjahr: 102 Mio. €)
führen.
Wir haben den verkürzten Konzernzwischenabschluss -
bestehend aus verkürzter Gewinn-und Verlustrechnung,
verkürzter Gesamtergebnisrechnung, verkürzter
Bilanz, verkürzter Kapitalflussrechnung,
verkürzter Eigenkapitalveränderungsrechnung sowie
ausgewählten erläuternden Anhangangaben - und den
Konzernzwischenlagebericht der RWE Aktiengesellschaft,
Essen, für den Zeitraum vom 1. Januar bis 30. Juni
2022, die Bestandteile des Halbjahresfinanzberichts nach
§ 115 WpHG sind, einer prüferischen Durchsicht
unterzogen. Die Aufstellung des verkürzten
Konzernzwischenabschlusses nach den IFRS für
Zwischenberichterstattung, wie sie in der EU anzuwenden
sind, und des Konzernzwischenlageberichts nach den für
Konzernzwischenlageberichte anwendbaren Vorschriften des
WpHG liegt in der Verantwortung des Vorstands der
Gesellschaft. Unsere Aufgabe ist es, eine Bescheinigung zu
dem verkürzten Konzernzwischenabschluss und dem
Konzernzwischenlagebericht auf der Grundlage unserer
prüferischen Durchsicht abzugeben.
Wir haben die prüferische Durchsicht des
verkürzten Konzernzwischenabschlusses und des
Konzernzwischenlageberichts unter Beachtung der vom
Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) festgestellten
deutschen Grundsätze für die prüferische
Durchsicht von Abschlüssen unter ergänzender
Beachtung des International Standard on Review Engagements
"Review of Interim Financial Information Performed by the
Independent Auditor of the Entity" (ISRE 2410) vorgenommen.
Danach ist die prüferische Durchsicht so zu planen und
durchzuführen, dass wir bei kritischer Würdigung
mit einer gewissen Sicherheit ausschließen
können, dass der verkürzte
Konzernzwischenabschluss in wesentlichen Belangen nicht in
Übereinstimmung mit den IFRS für
Zwischenberichterstattung, wie sie in der EU anzuwenden
sind, und der Konzernzwischenlagebericht in wesentlichen
Belangen nicht in Übereinstimmung mit den für
Konzernzwischenlageberichte anwendbaren Vorschriften des
WpHG aufgestellt worden sind. Eine prüferische
Durchsicht beschränkt sich in erster Linie auf
Befragungen von Mitarbeitern der Gesellschaft und auf
analytische Beurteilungen und bietet deshalb nicht die
durch eine Abschlussprüfung erreichbare Sicherheit. Da
wir auftragsgemäß keine Abschlussprüfung
vorgenommen haben, können wir einen
Bestätigungsvermerk nicht erteilen.
Auf der Grundlage unserer prüferischen Durchsicht
sind uns keine Sachverhalte bekannt geworden, die uns zu
der Annahme veranlassen, dass der verkürzte
Konzernzwischenabschluss in wesentlichen Belangen nicht in
Übereinstimmung mit den IFRS für
Zwischenberichterstattung, wie sie in der EU anzuwenden
sind, oder dass der Konzernzwischenlagebericht in
wesentlichen Belangen nicht in Übereinstimmung mit den
für Konzernzwischenlageberichte anwendbaren
Vorschriften des WpHG aufgestellt worden sind.
Essen, den 8. August 2022
PricewaterhouseCoopers GmbH
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
| Markus Dittmann | Aissata Touré |
| Wirtschaftsprüfer | Wirtschaftsprüferin |
| 10. November 2022 | Zwischenmitteilung über die ersten drei Quartale 2022 |
| 21. März 2023 | Bericht über das Geschäftsjahr 2022 |
| 04. Mai 2023 | Hauptversammlung |
| 05. Mai 2023 | Ex-Dividende-Tag |
| 09. Mai 2023 | Dividendenzahlung |
| 11. Mai 2023 | Zwischenmitteilung über das erste Quartal 2023 |
| 10. August 2023 | Zwischenbericht über das erste Halbjahr 2023 |
| 14. November 2023 | Zwischenmitteilung über die ersten drei Quartale 2023 |
Der vorliegende Zwischenbericht ist am 11. August 2022
publiziert worden. Alle Veranstaltungen zur
Veröffentlichung von Finanzberichten und die
Hauptversammlung werden live im Internet übertragen.
Aufzeichnungen sind mindestens zwölf Monate lang
abrufbar.
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