ADM Hamburg Aktiengesellschaft
Hamburg
Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2010 bis zum 31.12.2010
Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2010
Bilanz
AKTIVA
Gewinn- und Verlustrechnung
Anhang
(1) Rechtliche Grundlage
Der Jahresabschluss der ADM Hamburg Aktiengesellschaft, Hamburg
("ADM Hamburg"), zum 31. Dezember 2010 wurde nach den Vorschriften
des Handelsgesetzbuches (HGB) in der durch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes
(BilMoG) geänderten Fassung und des Aktiengesetzes aufgestellt. Die
sich aus der erstmaligen Anwendung des BilMoG ergebenden Änderungen
in der Be-wertungs- und Darstellungsstetigkeit werden in diesem Anhang
nicht gesondert erläutert und die Vergleichszahlen für das Vorjahr
wurden nicht angepasst. Es gelten die Vorschriften für große Kapitalgesellschaften.
(2) Anteilsbesitz der ADM Hamburg
Die Geschäftsjahre der aufgeführten Unternehmen enden jeweils zum
31. Dezember.
Im Geschäftsjahr 2010 sind die Vermögensgegenstände und Schulden
der Silo Rothensee GmbH & Co. KG, Hamburg, nach dem Austritt der
übrigen Gesellschafter der ADM Hamburg angewachsen. Die Anwachsung
war erfolgsneutral, da der Buchwert der untergegangenen Anteile dem
angewachsenen Netto-Vermögen entsprach.
1
Assoziiertes Unternehmen.
(3) Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze
Die Vergleichbarkeit des Jahresabschlusses zum 31. Dezember 2010
mit dem Vorjahr ist durch Einflüsse des BilMoG und durch die Anwachsung
der Silo Rothensee GmbH & Co. KG eingeschränkt.
Die Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze werden im Vergleich
zum Vorjahr unverändert angewendet, soweit nicht durch das BilMoG
Abweichungen zwingend vorgegeben sind.
Die immateriellen Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und
das Sachanlagevermögen sind mit Anschaffungs- oder Herstellungskosten
unter Berücksichtigung planmäßiger linearer Abschreibungen. Soweit
erforderlich, werden bei Anlagegegenständen außerplanmäßige Abschreibungen
vorgenommen.
Anteile an verbundenen Unternehmen und Beteiligungen sind mit den
ursprünglichen Anschaffungskosten abzüglich außerplanmäßiger Abschreibung
angesetzt.
Die Vorräte werden zu Anschaffungs- oder Herstellungskosten bzw.
zu niedrigeren Börsenoder Marktpreisen angesetzt. Die Ermittlung der
Herstellungskosten erfolgt im Wesentlichen nach der Rückrechnungsmethode.
Allgemeine Verwaltungskosten bleiben außer Ansatz.
Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände sind zu Nennwerten
angesetzt.
Bei den Forderungen werden erkennbare Einzelrisiken durch Wertberichtigungen
berücksichtigt. Dem allgemeinen Ausfallrisiko für Forderungen wird
durch die Bildung einer Pauschalwertberichtigung Rechnung getragen.
Die Erfüllungsbeträge für Pensionsverpflichtungen wurden nach dem
Anwartschaftsbarwertverfahren unter Anwendung eines Rechnungszinses
von 5,15% p.a. ermittelt. Dabei wurde ein Gehaltstrend von 3% p.a.,
ein Rententrend von 2% p.a. sowie eine Fluktuationsrate von 0,5% p.a.
für Beschäftigte im Alter zwischen 20 und 50 Jahren zugrundegelegt.
Als Rechnungsgrundlagen dienten die "Richttafeln 2005G" von K. Heubeck.
Die übrigen Rückstellungen sind in Höhe des nach vernünftiger kaufmännischer
Beurteilung notwendigen Erfüllungsbetrages angesetzt.
Soweit für Verpflichtungen aus der Altersversorgung und vergleichbaren
Verpflichtungen Deckungsvermögen im Sinne des § 246 Abs. 2 Satz 2
HGB bestehen, sind diese zum Zeitwert angesetzt und mit den entsprechenden
Rückstellungen verrechnet worden.
Verbindlichkeiten sind mit ihren Erfüllungsbeträgen ausgewiesen.
(4) Währungsumrechnung
Forderungen und Verbindlichkeiten in fremder Währung werden mit
dem Devisenkassamittelkurs zum Stichtag bewertet.
Angaben zur Bilanz
(5) Anlagevermögen
Die Entwicklung des Anlagevermögens ist in dem Anlagengitter dargestellt,
das als Anlage diesem Anhang beigefügt ist.
(6) Forderungen gegen verbundene Unternehmen
Die Forderungen resultieren sowohl aus dem Lieferungs- und Leistungsverkehr
als auch aus laufenden Verrechnungen aus dem Cash-Clearing-System
der ADM Hamburg sowie aus Ergebnisübernahmen.
(7) Sonstige Vermögensgegenstände
Der Posten enthält zum 31. Dezember 2010 Ansprüche aus der Erstattung
von Verbrauchsteuern in Höhe von TEUR 21.710 (Vorjahr: TEUR 6.007).
Die sonstigen Vermögensgegenstände haben eine Restlaufzeit von bis
zu einem Jahr.
(8) Gezeichnetes Kapital
Das Grundkapital der ADM Hamburg beträgt zum 31. Dezember 2010
weiterhin EUR 19.142.768,03. Es ist eingeteilt in 748.800 auf den
Inhaber lautende Stückaktien.
Die ADM Beteiligungsgesellschaft mbH, Hamburg, hält an der ADM
Hamburg eine Mehrheitsbeteiligung. Im Juli 1996 hat ADM Hamburg mit
der ADM Beteiligungsgesellschaft mbH als herrschendem Unternehmen
einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag abgeschlossen.
(9) Rückstellungen für Pensionen
Es handelt sich hierbei um Verpflichtungen aus Direktzusagen. Von
den Erfüllungsbeträgen sindZeitwerte des Deckungsvermögens in Höhe
von TEUR 3.895 abgesetzt. Die Anschaffungskosten des Deckungsvermögens
betrugen TEUR 3.499.
Die ADM Hamburg ist eines der Trägerunternehmen der ADM Unterstützungskasse
GmbH, Hamburg. Für die mittelbaren Verpflichtungen hieraus ergibt
sich im Vergleich der unter Zugrundelegung der "Richttafeln 2005G"
von K. Heubeck ermittelten Erfüllungsbeträge für die zukünftigen Leistungen
der Unterstützungskasse zu ihrem Kassenvermögen für die ADM Hamburg
ein Fehlbetrag von TEUR 9.748 (Vorjahr: TEUR 2.763).
(10) Sonstige Rückstellungen
Die sonstigen Rückstellungen wurden im Wesentlichen gebildet für
Zollnachforderungen, Rückzahlungsrisiken aus Energiesteuer-Erstattungen,
Verpflichtungen gegenüber Mitarbeitern sowie ausstehende Rechnungen.
Mit den voraussichtlichen Erfüllungsbeträgen wurden Zeitwerte von
Deckungsvermögen in Höhe von TEUR 135 verrechnet, dessen Anschaffungskosten
TEUR 120 betrugen.
(11) Verbindlichkeiten
Von den Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten sind am 31.
Dezember 2010 TEUR 5.706 (Vorjahr: TEUR 6.863) durch Grundpfandrechte
gesichert.
Verbindlichkeiten der ADM Hamburg gegenüber Kreditinstituten in
Höhe von TEUR 2.386 (Vorjahr: TEUR 1.185) haben eine Restlaufzeit
bis zu einem Jahr. Darlehensverbindlichkeiten in Höhe von TEUR 2.600
(Vorjahr: TEUR 2.275) haben eine Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren.
Die übrigen Verbindlichkeiten haben, wie im Vorjahr, sämtlich eine
Restlaufzeit bis zu einem Jahr.
Die Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen resultieren
sowohl aus dem Lieferungs- und Leistungsverkehr als auch aus laufenden
Verrechnungen aus dem Cash-Clearing-System der ADM Hamburg sowie aus
Ertragsteuerumlagen und Ergebnisübernahmen.
(12) Sonstige finanzielle Verpflichtungen
Angaben zur Gewinn- und Verlustrechnung
(13) Umsatzerlöse
(14) Sonstige betriebliche Aufwendungen
In den sonstigen betrieblichen Aufwendungen sind Kursdifferenzen
aus der Folgebewertung von Forderungen und Verbindlichkeiten in Fremdwährungen
in Höhe von EUR 698.625,75 (Vorjahr: EUR 0,00) enthalten
(15) Zinsen
Die Zinserträge von verbundenen Unternehmen betrugen im Geschäftsjahr
EUR 591.746,87 (Vorjahr: EUR 729.767,05). Die Zinsaufwendungen an
verbundene Unternehmen betrugen bei der ADM Hamburg EUR 4.009.932,07
(Vorjahr: EUR 5.540.890,27).
(16) Außerordentliches Ergebnis
Das außerordentliche Ergebnis betrifft ausschließlich Aufwendungen
aus der erstmaligen Anwendung der Bewertungsvorschriften des BilMoG
auf die zum 31. Dezember 2009 bilanzierten Rückstellungen für Pensionen.
Die Höhe der berechneten und ausgewiesenen Steuern vom Einkommen und
vom Ertrag ist durch diese Aufwendungen nicht beeinflusst.
(17) Steuern vom Einkommen und vom Ertrag
Die ADM Beteiligungsgesellschaft mbH, Hamburg, als Organträger
hat der ADM Hamburg gemäß einer Vereinbarung vom 1. Dezember 1997
für das Geschäftsjahr 2010 Körperschaft-, Gewerbeertragsteuer und
Solidaritätszuschlag in Höhe von EUR 5.855.000,00 belastet (Vorjahr:
EUR 1.984.000,00), die in dieser Position enthalten sind.
(18) Aufgrund eines Ergebnisabführungsvertrags abgeführter
Gewinn
Das Jahresergebnis der ADM Hamburg wurde aufgrund eines im Juli
1996 abgeschlossenen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags von
der ADM Beteiligungsgesellschaft mbH, Hamburg, übernommen.
(19) Angaben zu den derivativen Finanzinstrumenten
Die ADM Hamburg als international tätiges Unternehmen ist im Rahmen
ihrer gewöhnlichen Geschäftstätigkeiten Währungs- und Commodity-Risiken
ausgesetzt. Die Unternehmenspolitik des ADM-Konzerns sieht die Begrenzung
dieser Risiken durch ein systematisches Risiko-Management vor. Als
Instrumente dienen vor allem Devisentermingeschäfte und Commodity-Termingeschäfte.
Die ADM-Konzernunternehmen unterliegen einem strikten Risiko-Management.
Handlungsrahmen, Verantwortlichkeiten und Kontrollen sind in internen
Richtlinien verbindlich festgelegt. Finanzinstrumente dürfen demnach
grundsätzlich nicht zu Spekulationszwecken eingesetzt werden, sondern
dienen der Absicherung von Risiken im Zusammenhang mit dem operativen
Geschäft.
Die ADM Hamburg hat unterjährig Biodiesel-Swaps und Devisentermingeschäfte
mit Geschäftsbanken sowie Commodity-Termingeschäfte abgeschlossen.
Am Bilanzstichtag wurden die Derivategeschäfte wie folgt bewertet:
Die Zeitwerte der derivativen Finanzinstrumente wurden zum Bilanzstichtag
nicht bilanziert, fanden jedoch Berücksichtigung im Rahmen der Ermittlung
des beizulegenden Wertes der entsprechenden Vorräte sowie der Höhe
möglicher drohender Verluste aus schwebenden Ein- und Verkaufsgeschäften.
Sonstige Angaben
(20) Aufgliederung der Arbeitnehmerzahl nach Gruppen
(21) Organe der Gesellschaft
Vorstand:
Jaana Karola Kleinschmit von Lengefeld, Vorstand, Lüneburg, Vorsitzende
seit 28. Februar 2011
Detlef Ernst Evers, Vorstand, Hamburg
Dr. Martin Kropp, Gland, Schweiz (seit 23. September 2010)
Dr. Kai-Uwe Ostheim, Vorstand (bis 28. Februar 2011), Mies, Schweiz,
Sprecher des Vorstands
Aufsichtsrat:
Prof. Dr. Klaus-Peter Hopp, Hamburg, Corporate Counsel Europe,
- Vorsitzender -, ADM European Management Holding GmbH, Hamburg
Member of the Supervisory Board:
| ― |
Alfred C. Toepfer International GmbH, Hamburg, Germany
|
| ― |
Intrade Holding GmbH, Hamburg, Germany
|
| ― |
Alfred C. Toepfer International BV, Rotterdam, the Netherlands
|
| ― |
Intrade-Toepfer US Holdings Inc, USA
|
Brent A. Fenton, Begnins, Schweiz, Managing Director European Oilseeds,
Archer Daniels Midland Company, Decatur, USA (ab dem 19. Februar 2010)
Member of the Supervisory Board:
| ― |
Alfred C. Toepfer International GmbH, Hamburg, Germany
|
| ― |
Intrade Holding GmbH, Hamburg, Germany
|
| ― |
Alfred C. Toepfer International BV, Rotterdam, the Netherlands
|
| ― |
ADM Szamotuly Sp. z o.o., Szamotuly, Poland
|
| ― |
Intrade-Toepfer US Holdings Inc, USA
|
Thomas Schlomm, Chemikant, Börnsen 1
1
Arbeitnehmervertreter.
(22) Angaben zu Organen der Gesellschaft
Die Hauptversammlung fasste mit Datum vom 21 November 2006 folgenden
Beschluss;
"Die Angabe der Bezüge jedes einzelnen Vorstandsmitglieds unter
Namensnennung gemäß § 285 Satz 1 Nr. 9 Buchstabe a) Satz 5 bis 9 sowie
§ 314 Abs. 1 Nr. 6 Buchstabe a) Satz 5 bis 9 Handelsgesetzbuch unterbleibt
für die Geschäftsjahre 2006/2007 bis einschließlich 2010/2011."
Gesamtbezüge des Vorstands und Aufsichtsrats sowie ehemaliger Vorstandsmitglieder
und Hinterbliebener:
Die kurzfristig fälligen Bezüge des Vorstands für das Geschäftsjahr
2010 betragen TEUR 568 (31. Dezember 2009 TEUR 519).
Die Pensionszahlungen an ausgeschiedene Vorstandsmitglieder sowie
die Hinterbliebenen früherer Vorstandsmitglieder beliefen sich auf
TEUR 486 (Vorjahr: TEUR 584). Die Rückstellung für Pensionsverpflichtungen
gegenüber früheren Vorstandsmitgliedern bzw. ihren Hinterbliebenen
beträgt zum 31. Dezember 2010 bei der ADM Hamburg TEUR 3.516 (Vorjahr:
TEUR 5.470).
Die Aufwendungen für Vergütungen an den Aufsichtsrat betrugen im
Geschäftsjahr 2010 TEUR 8 (Vorjahr: TEUR 8).
(23) Mutterunternehmen gemäß § 285 Nr. 14 HGB
Die ADM Hamburg erstellt den Konzernabschluss für den kleinsten
Kreis von Unternehmen, welcher am Sitz der Gesellschaft erhältlich
ist und darüber hinaus im elektronischen Bundesanzeiger veröffentlicht
wird.
Die ADM Hamburg wird in den Konzernabschluss der Archer Daniels
Midland Company, Decatur, Illinois/USA, einbezogen, die den Konzernabschluss
für den größten Kreis von Unternehmen aufstellt. Der Konzernabschluss
mit Geschäftsbericht ist am Sitz dieser Gesellschaft erhältlich. Darüber
hinaus wird er im elektronischen Bundesanzeiger veröffentlicht.
(24) Angaben zu Geschäften mit nahe stehenden Unternehmen
und Personen
Der Umfang der Geschäftsbeziehungen der ADM Hamburg zu nahe stehenden
Unternehmen und Personen beschränkt sich grundsätzlich auf Warenlieferungen
und Dienstleistungsverträge. Verkäufe an und Käufe von nahe stehenden
Unternehmen erfolgen zu marktüblichen Konditionen.
(25) Corporate Governance
Der Vorstand und der Aufsichtsrat haben die Entsprechenserklärung
gemäß § 161 Aktiengesetz im Juli 2010 abgegeben und auf der Internetseite
der Gesellschaft (http:www.oelag.deindex.php3?hid=006) dauerhaft,
öffentlich zugänglich gemacht.
(26) Mitteilungen nach § 21 Abs. 1 WpHG in Verbindung mit
§ 24 WpHG
Der Inhalt der entsprechenden Mitteilungen ist im Lagebericht wiedergegeben.
Hamburg, den 31. März 2011
Der Vorstand
Jaana Karola Kleinschmit von Lengefeld
Detlef Ernst Evers
Dr. Martin Kropp
Jahresabschluss für das Geschäftsjahr vom 1. Januar
2010 bis zum 31. Dezember 2010
Entwicklung des Anlagevermögens
KONZERNLAGEBERICHT UND LAGEBERICHT FÜR DAS GESCHÄFTSJAHR
01.01. - 31.12.2010
DER ADM HAMBURG AKTIENGESELLSCHAFT, HAMBURG
Die ADM Hamburg Aktiengesellschaft ist in den weltweit operierenden
Konzern der Archer Daniels Midland Company eingebunden. Diese Vernetzung
ist ein wesentlicher Garant für den wirtschaftlichen Erfolg des Konzerns
der ADM Hamburg Aktiengesellschaft. Ganz entscheidende Vorteile liegen
für die ADM Hamburg Aktiengesellschaft dabei in der universellen Erfahrung
der Archer Daniels Midland Company, dem internationalen und technischen
Know-how sowie in den Investitionen, die von der Archer Daniels Midland
Company veranlasst und finanziert werden.
Archer Daniels Midland Company ist ein globaler Marktführer in
der Verarbeitung von Mais, Ölsaaten und anderer landwirtschaftlicher
Rohstoffe, wie zum Beispiel Weizen und Kakao. Mit über 240 Produktionsanlagen
und Handelsaktivitäten in mehr als sechzig Ländern auf der Erde ist
das Unternehmen ständig bestrebt, in den bestehenden Geschäftsfeldern
zu wachsen. Wachstum wird dabei zum einen organisch, zum anderen durch
strategische Zukäufe generiert. ADM verfügt über das weltweit führende
Netzwerk zur Erfassung und zum Transport landwirtschaftlicher Rohstoffe.
Auch in der Herstellung von nachwachsenden und umweltschonenden Kraftstoffen
wie Biodiesel und Ethanol ist Archer Daniels Midland Company weltweit
einer der Marktführer.
DER ADM HAMBURG KONZERN
Der ADM Hamburg Konzern mit Sitz in Hamburg ist ein führender Verarbeiter
von Ölsaaten in Europa. Der Konzern zeigt eine klare Struktur. Kernkompetenz
ist die Verarbeitung von Ölsaaten. Zusätzliche Kompetenzen im Bereich
des Lagerns und Umschlagens von landwirtschaftlichen Rohstoffen sowie
der Weiterverarbeitung von pflanzlichen Ölen und Fetten runden die
Gesamtleistung des Konzerns ab. Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurde
die Silo Rothensee GmbH & Co. KG mit ihren Betriebsstätten in
Hamburg und Magdeburg durch Ausscheiden der persönlich haftenden Gesellschafterin
ADM Rothensee Beteiligungsgesellschaft mbH aufgelöst. Mit der Auflösung
der Silo Rothensee GmbH & Co. KG wuchs das gesamte Vermögen der
Silo Rothensee GmbH & Co. KG auf die ADM Hamburg Aktiengesellschaft
an. Die Silo Rothensee GmbH & Co. KG, Betriebsstätte Hamburg heißt
fortan ADM Hamburg Aktiengesellschaft - Werk Hamburg. Die Betriebsstätte
in Magdeburg heißt fortan ADM Hamburg Aktiengesellschaft - Silo Rothensee.
Mit der Auflösung und Anwachsung der Silo Rothensee GmbH & Co.
KG auf die ADM Hamburg Aktiengesellschaft werden wesentliche Teile
der Ölsaatenverarbeitung zurückgeführt und die Unternehmensstruktur
der ADM Hamburg Aktiengesellschaft vereinfacht.
Die Aktivitäten des Konzerns sind in zwei Geschäftsfelder unterteilt:
"Ölmühle" und "Weiterverarbeitung".
Das Geschäftsfeld "Ölmühle" bildet das Fundament des Konzerns.
In diesem Geschäftsfeld werden die traditionellen Aktivitäten der
Ölsaatenverarbeitung zusammengefasst. Aktivitäten, die mit der Beschaffung,
dem Transport und der Lagerung landwirtschaftlicher Rohstoffe und
damit der Logistik beginnen. Konzerneigene Silo- und Umschlagsbetriebe
in Hamburg, Rostock und Magdeburg bilden wichtige Knotenpunkte für
die Versorgung der Produktionsanlagen, die Vermarktung und Dienstleistungen.
Das Werk Hamburg ist der größte Ölsaatenverarbeiter in der deutschen
Gruppe und einer der größten zur Verarbeitung unterschiedlicher Ölsaaten
weltweit. Sowohl Sojabohnen als auch Rapssaat werden in Hamburg verarbeitet.
Die Ölsaatenverarbeitung erfolgt in modernen Großanlagen zu pflanzlichem
Rohöl und Proteinschroten.
Die pflanzlichen Rohöle werden anschließend im Produktionsschritt
Raffination zu hochwertigen Raffinaten veredelt. Wichtigster Kunde
für diese Produkte ist die weiterverarbeitende Lebensmittelindustrie.
Proteinhaltige Schrote werden an die Futtermittelindustrie geliefert.
Das Geschäftsfeld "Weiterverarbeitung" beschäftigt sich mit der
Herstellung von Spezialfetten und -ölen sowie der Herstellung von
Biodiesel und Pharmaglyzerin. Spezialfette und -öle finden ebenfalls
ihren Absatz in der weiterverarbeitenden Lebensmittelindustrie. Biodiesel
dagegen wird heute nahezu ausschließlich als Beimischungskomponente
zum herkömmlichen Diesel an die europäische Mineralölindustrie geliefert.
Die Veredelung von pflanzlichen Ölen zu Biodiesel und Pharmaglyzerin
erfolgt sowohl im Werk Hamburg als auch im Werk Leer.
Das Werk Noblee & Thörl in Hamburg-Harburg ist spezialisiert
auf die Herstellung von maßgeschneiderten Spezialfetten und -ölen.
Rohstoff für die Produktion sind bereits raffinierte Vorprodukte.
Das Werk Hamburg verarbeitet darüber hinaus im Auftrag des Werkes
Noblee & Thörl rohes Palmöl zu hochwertigem Raffinat.
1. Die Ölmühle und ihr Markt
1.1. Schnittstelle zwischen Landwirtschaft und Konsum
Das Jahr 2010 war ein besonderes Jahr für die ADM Hamburg Aktiengesellschaft.
Am 22. Juli 2010 konnte das Unternehmen sein 100-jähriges Bestehen
feiern.
Das Jahr 2010 war aber auch aufgrund anderer Ereignisse ein Jahr,
das lange in Erinnerung bleiben wird.
Die Wirtschaftskrise Griechenlands beherrschte die Nachrichten
seit dem ersten Tag des Jahres. Nachdem die neue griechische Regierung
bereits im Oktober 2009 die Staatsverschuldung auf 12,7 Prozent nach
oben revidierte, wurde die wahre Dimension der griechischen Wirtschaftskrise
in der ersten Jahreshälfte 2010 bekannt. Der Euro verlor in der Folge
deutlich an Wert.
Bereits am 11. Februar 2010 reagierte die Europäische Union (EU).
Sie garantierte der griechischen Regierung ihre politische Unterstützung.
Am 11. April 2010 einigten sich die Finanzminister der Euro-Gruppe
auf die Einzelheiten eines dreijährigen Hilfspaketes. Im ersten Jahr
sollte dieses Hilfspaket ein Volumen von 45 Milliarden EUR umfassen.
Nachdem die Haushaltsdefizite weiterer Euro-Länder ein bedrohliches
Ausmaß annahmen, spannte die EU am 10. Mai 2010 einen Rettungsschirm
über 750 Milliarden EUR für notleidende Euro-Länder. Dabei stammten
500 Milliarden EUR aus Mitteln der EU, 250 Milliarden EUR wurden vom
Internationalen Währungsfonds (IWF) beigesteuert. Irland nutzte den
Rettungsschirm im November 2010 mit Hilfszusagen von 85 Milliarden
EUR.
Die deutsche Wirtschaft erholte sich im Laufe des Jahres 2010 schneller
als von vielen Experten erwartet. Im Oktober sanken die Arbeitslosenzahlen
in Deutschland auf 2,945 Millionen Personen. Das war der niedrigste
Oktoberwert seit 1992.
Stand Deutschland im Jahr 2009 noch unter dem Schock einer historischen
Rezession, so klarte sich der deutsche Konjunkturhimmel im Jahr 2010
wieder auf. Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt 2010 stieg um
3,6 Prozent. Diese wirtschaftliche Erholung war einzigartig in ganz
Europa.
Deutschland fand seinen Weg aus der Krise dank seiner Exportstärke
und der steigenden Nachfrage in Ländern außerhalb Europas. Im Februar
setzte die deutsche Exportentwicklung ein erstes Ausrufungszeichen.
Um 5,1 Prozent stiegen die Exporte gegenüber dem Vormonat - der stärkste
Anstieg seit acht Monaten.
Noch beeindruckender waren die Zahlen für den Mai 2010. In diesem
Monat konnte der höchste Anstieg der Exporte innerhalb der letzten
zehn Jahre verzeichnet werden. Die deutschen Exporte stiegen gegenüber
dem Mai 2009 um 28,8 Prozent.
Wurde die wirtschaftliche Erholung in den ersten Monaten im Wesentlichen
von Exporten getragen, so zog in den folgenden Monaten auch die Binnennachfrage
an. Der Aufschwung ruhte nun auf zwei Säulen.
Anderen Ländern des Euro-Raumes wie Portugal, Irland, Italien,
Griechenland und Spanien ist die wirtschaftliche Erholung noch nicht
gelungen. Diese Euro-Länder arbeiten mit aller Kraft daran, ihre Staatsschulden
und Haushaltsdefizite zu reduzieren und gleichzeitig Arbeitslosigkeit
und Inflation nicht zu stark ansteigen zu lassen. Sparprogramme haben
starke Einschnitte für die öffentlichen Haushalte und die Bevölkerung
in diesen Ländern zur Folge.
Die Volkswirtschaften der größten Schwellenländer wie China, Brasilien
und Indien haben sich im Jahr 2010 weiter rasant entwickelt.
Chinas Wirtschaft hat mit einem Wachstum von 10,3 Prozent alle
ExpertenErwartungen übertroffen. Gleichzeitig löste China Japan als
zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ab. Zu Chinas Wachstum trug insbesondere
die starke Binnennachfrage bei. Die Einzelhandelsumsätze in China
stiegen in 2010 um 18,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Einkommen
der Stadtbewohner stiegen um 7,8 Prozent an, während die Einkommen
der Landbewohner sogar um 10,9 Prozent anstiegen. Grund zur Sorge
gibt jedoch Chinas Inflationsentwicklung. Für das gesamte Jahr 2010
wurde ein Anstieg der Verbraucherpreise um 3,3 Prozent ermittelt.
Im Vergleich dazu stiegen die Preise in Deutschland im Jahr 2010 lediglich
um 1,1 Prozent.
Das weltweit zweithöchste Wirtschaftwachstum konnte Indien mit
8,5 Prozent verzeichnen. Brasilien folgt an weltweit dritter Stelle
mit 7,5 Prozent Wirtschaftswachstum im Jahr 2010.
Viele Schwellenländer, insbesondere die sogenannten BRIC-Staaten,
haben sich nach der Weltwirtschaftkrise schneller erholt als die traditionellen
Industrieländer in Europa und Nordamerika. Mit ihrem Wirtschaftswachstum,
ihrer wachsenden Bevölkerung, einer zunehmenden Urbanisierung und
steigenden Durchschnittseinkommen sind sie weltweiter Nachfragemotor.
Und sie werden dies in Zukunft auch bleiben. Sie werden wachsende
Mengen an Rohstoffen und Lebensmitteln nachfragen. Und sie benötigen
eine leistungsfähige Infrastruktur und damit mehr Energie.
Diese Nachfrage bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Preisbildung
auf den weltweit interagierenden Rohstoff-Märkten. Das zeigte sich
auch im letzten Jahr. Nachdem im Zuge der Weltwirtschaftskrise die
Rohstoff-Preise in der zweiten Hälfte des Jahres 2008 drastisch fielen,
haben sich die Preise vieler Rohstoffe seit Anfang 2009 sukzessive
erholt. Mitte 2010 nahm dieser Preisanstieg deutlich zu. In der Folge
erreichten verschiedene Rohstoffe zum Ende des Jahres 2010 nahezu
wieder ihr hohes Preisniveau aus der Zeit vor der Weltwirtschaftskrise..
Dafür gab es verschiedene Gründe. Experten erwarten, dass die Nachfrage
nach Getreide und Ölsaaten, den sogenannten Soft-Commodities, in der
Kampagne 2010/2011 ein neues Rekordniveau erreichen wird. Gleichzeitig
erwarten sie, dass die weltweiten Lagerbestände an Getreide und Ölsaaten
zum Ende der laufenden Kampagne zurückgehen werden.
Insbesondere die Weizen- und Roggenernten in Ländern Osteuropas
blieben im Jahr 2010 hinter den Erwartungen zurück. Große Teile Osteuropas
litten unter einer anhaltenden Trockenperiode. Allein Russlands Weizenernte
ging auf 41,5 Millionen Tonnen zurück. Im Vorjahr wurden dort noch
61,7 Millionen Tonnen geerntet. In der Folge verhängte Exportstopps
wirkten sich erheblich auf die weltweiten Handelsströme aus. Nachfrage,
die traditionell aus Osteuropa bedient wurde, musste mit Weizen und
Roggen aus der EU, den USA und Australien versorgt werden.
Auch im Jahr 2010 war Chinas Nachfrage auf allen Rohstoff-Märkten
ein ganz entscheidender Faktor. Sowohl im Bereich der landwirtschaftlichen
Rohstoffe als auch im Bereich von Metallen, Düngemitteln oder Kohle
hat Chinas Import viele Erwartungen übertroffen.
Für das Wirtschaftsjahr 2010/2011 erwartet das nationale Getreide-
und Ölinformationszentrum Chinas (CNGOIC), dass China insgesamt 54
Millionen Tonnen Sojabohnen importieren wird. Andere Schätzungen,
wie die des U.S. Department of Agriculture (USDA), gehen sogar von
einer Menge von 57 Millionen Tonnen aus. Im Wirtschaftjahr 2009/2010
hatte China noch 50,4 Millionen Tonnen importiert.
Auch die Entwicklung des Mineralölpreises spiegelte in 2010 die
steigende Nachfrage und die begrenzte Verfügbarkeit dieses Energieträgers
wider. Verlief der Preis in der ersten Jahreshälfte in Folge der Wirtschaftskrise
noch seitwärts zwischen 70 und 85 USD pro Barrel, so war in der zweiten
Jahreshälfte ein deutlicher Aufwärtstrend zu beobachten. Dieser Trend
führte den Mineralölpreis zum Ende des Jahres über die Marke von 90
USD pro Barrel. Auch wenn der Anteil der erneuerbaren Energien am
Energiemix stetig zunimmt: der weltweite Durst nach Mineralöl ist
unverändert groß - und er wird weiter steigen.
Steigende Nachfrage und sinkende Verfügbarkeit führen dazu, dass
Mineralöl aus immer schwerer zugänglichen Quellen gefördert werden
muss - wie zum Beispiel der Tiefsee oder aus Teersand. Eine Förderung
in solchen Regionen ist mit großen Risiken verbunden - und sie ist
teuer.
Die Katastrophe nach dem Untergang der Explorationsplattform "Deepwater
Horizon" hat der Weltöffentlichkeit verdeutlicht, welche Risiken mit
der Tiefsee-Ölförderung verbunden sind. Bei einer Bohrung in 1.500
Meter tiefem Wasser kam es am 20. April 2010 zu einem Blowout. Das
dabei ausströmende Erdgas entzündete sich und führte zum Brand und
Untergang der Plattform. Im Anschluss flossen schätzungsweise 800
Millionen Liter Erdöl aus dem Bohrloch in den Golf von Mexiko und
führten zur wohl schwersten Ölkatastrophe in den USA bisher.
Während die weltweite Nachfrage nach Mineralöl steigt, ringen Regierungschefs
aller Länder um eine Senkung der globalen CO2 -Emissionen
und eine Begrenzung der Erderwärmung. Der Klimagipfel in Cancun brachte
erst in letzter Minute die Kompromisse, die die Grundlage für ein
Nachfolgeabkommen des 2012 auslaufenden Kyotovertrages bilden sollen.
Ebenso verständigten sich die unterzeichnenden Länder auf tiefe Einschnitte
bei den weltweiten CO2 -Emmissionen. Ziel ist es, die Erderwärmung
auf 2 °C gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen.
Damit wird erneut offensichtlich: Die wichtigste Herausforderung
für unsere und die nachfolgenden Generationen liegt darin, die Versorgung
einer wachsenden Erdbevölkerung bei zunehmendem Wohlstand, steigender
Mobilität aber begrenzten Ressourcen zu sichern - und gleichzeitig
unsere Umwelt zu schonen. Interessen- und Zielkonflikte sind dabei
unvermeidlich.
Die anhaltende "Tank-Teller"-Diskussion, die mit den steigenden
Lebensmittelpreisen neu entfacht wurde, ist ein Beispiel dafür. Die
Diskussion um die Einführung von E10, also der Zumischung von 10 Prozent
Ethanol zu herkömmlichem Ottokraftstoff, in Deutschland ist ein weiteres
Beispiel.
An diesen Beispielen wird deutlich: Eine weitere Herausforderung
für die Zukunft liegt auch in der Kommunikation mit dem Verbraucher.
Der Verbraucher muss bei wichtigen politischen Entscheidungen umfassend
und rechtzeitig informiert werden. Zu groß ist sonst die Gefahr, dass
die öffentliche Diskussion um wichtige Zukunftsprojekte eher emotional
und weniger fundiert geführt wird. Und für politische Entscheidungsträger
gilt: Sie müssen vorausschauend agieren, ihre Entscheidungsprozesse
transparent machen und bei wichtigen Zukunftsprojekten Standfestigkeit
beweisen.
Das gilt auch für die "Tank-Teller"-Diskussion. Denn bei dieser
Diskussion geht es nicht um ein "entweder oder" sondern um ein "sowohl
als auch". Diese Herausforderung gilt es zu lösen - auch gemeinsam
mit der Landwirtschaft.
Das Jahr 2010 hat auch den deutschen Landwirten einen spürbaren
Aufschwung gebracht. Zwar mussten sie Ertragsrückgänge aufgrund der
anhaltenden Trockenheit im Juni und der starken Niederschläge zur
Erntezeit in Kauf nehmen, doch insgesamt konnte trotz gestiegener
Betriebsmittelpreise ein Aufwärtstrend über das gesamte Jahr verzeichnet
werden. Laut Mitteilung des Bauernverbandes stieg der Produktionswert
der deutschen Landwirtschaft im Jahr 2010 auf schätzungsweise 47,6
Milliarden EUR. Dies ist eine Steigerung um 5 Milliarden EUR oder
12 Prozent gegenüber dem Jahr 2009.
Diese Entwicklung sollte sich auch im Jahr 2011 fortsetzen. Erste
Prognosen gehen -basierend auf durchschnittlichen Erntemengen und
der Preisentwicklung an den Terminmärkten im Spätherbst des Jahres
2010 - von einer weiteren Steigerung des Produktionswertes auf etwa
50,5 Milliarden EUR in 2011 aus.
Die Landwirtschaft nimmt eine immer wichtigere Rolle bei der Versorgung
der Weltmärkte mit Lebensmitteln und Energie ein. Und sie ist in der
Lage, diesen wichtigen Beitrag auch in der Zukunft zu leisten, wenn
die globale Nachfrage weiter steigen wird.
Weltweite Produktionssteigerungen sind dafür notwendig und möglich.
Das hat die Vergangenheit eindrucksvoll belegt. Steigende Preise für
Agrarrohstoffe führen zu einer steigenden Produktion. Insbesondere
in Entwicklungsländern führen steigende Preise für Agrarrohstoffe
dazu, dass die Produktion dort wieder wirtschaftlicher wird. Aber
es geht nicht nur um die Ausweitung der landwirtschaftlichen Flächen,
sondern vielmehr um andere Maßnahmen, die die verfügbare Menge an
Agrarrohstoffen weltweit steigern werden: die Erhöhung der Flächenerträge,
die Verringerung von Nachernteverlusten und eine allgemeine Optimierung
von Lagerhaltung und Transport, also die Verbesserung der weltweiten
Logistikkette insbesondere in Entwicklungsländern. Mit zielführenden
Projekten in diesem Bereich kann sichergestellt werden, dass die Erntemengen
dort hingelangen, wo sie hingehören: vom Landwirt zum Verbraucher.
1.2. Die Rohwarenversorgung der Saatenverarbeitung
Die Rohwarenversorgung des Lohnverarbeitungsbetriebes konnte über
das gesamte Berichtsjahr sichergestellt werden. Im Vergleich zum Vorjahr
haben die Extraktionsanlagen nahezu die gleiche Menge an Sojabohnen
und Rapssaat verarbeitet.
Die Welternte der wichtigsten Ölsaaten war im Erntejahr 2009/2010
deutlich gestiegen. Insgesamt wurden nach Expertenschätzungen etwa
441,6 Millionen Tonnen Ölsaaten geerntet.
Nach dem Einbruch der Sojabohnenernte in Südamerika im Jahr 2009
konnten Brasilien und Argentinien ihre Erntemengen in 2010 wieder
deutlich steigern. Die südamerikanische Ernte war 2009 wegen schlechter
Witterungsbedingungen in der Wachstumsperiode deutlich zurückgegangen.
In der Folge wurden im Erntejahr 2008/2009 weltweit lediglich 396,3
Millionen Tonnen Ölsaaten geerntet.
Einen rückläufigen Trend zeigte dagegen die europäische Rapsernte
im Jahr 2010. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit im Juni und starker
Regenfälle in der Erntezeit ging die Rapsernte in den Ländern der
EU um etwa 1 Million Tonnen auf 20,4 Millionen Tonnen zurück. Auch
die kanadische, indische und ukrainische Ernte blieben hinter den
Erntemengen des Vorjahres zurück.
Für die laufende Kampagne 2010/2011 wird die Weltölsaatenernte
auf 444,2 Millionen Tonnen geschätzt. Dabei wird die argentinische
Sojabohnenernte wegen schlechter Witterungsverhältnisse in der Wachstumsperiode
erneut Einbußen gegenüber dem Vorjahr hinnehmen müssen. Experten erwarten,
dass sie gegenüber 2010 mit 49,5 Millionen Tonnen etwa 10 Prozent
geringer ausfallen wird.
Die kaum steigende weltweite Ölsaatenernte wird bei einer tendenziell
stärker steigenden Nachfrage zu einer Reduzierung der weltweiten Lagerbestände
führen. Der internationale Wettbewerb um die verfügbare Menge an Ölsaaten
wird zunehmen. Und die Beschaffung einer ausreichenden Menge an Rohstoffen
wird für alle Marktteilnehmer schwieriger.
In diesem Marktumfeld wird jedoch die Einbindung der ADM Hamburg
Aktiengesellschaft in das weltweite Erfassungs- und Logistiknetz der
Archer Daniels Midland Company-Gruppe sicherstellen, dass auch in
Zukunft alle Produktionsanlagen mit einer ausreichenden Menge an Sojabohnen
und Rapssaat versorgt sein werden.
Sojabohnen
Die Sojabohnenernte 2010 in Südamerika wurde in den Monaten März
und April ohne Probleme eingebracht. Insgesamt wurden 69 Millionen
Tonnen Sojabohnen in Brasilien und 54,5 Millionen Tonnen in Argentinien
geerntet. Damit konnten die Sojabohnenproduzenten sowohl in Brasilien
und Argentinien als auch in Paraguay und Uruguay neue Ernterekorde
erzielen.
Auf der Nachfrageseite war China im Jahr 2010 einmal mehr der wichtigste
Faktor. Bereits zu Beginn des Jahres kündigte China an, dass es seine
strategischen Reserven um 40 Prozent aufstocken wolle, nachdem diese
im Jahr 2009 als Folge der Trockenheit und der geringen Erntemengen
in Südamerika deutlich dezimiert wurden.
Doch die Nachfrage Chinas zeigte vorerst wenig Einfluss auf den
Sojabohnenmarkt. Die Preise für Sojabohnen verliefen an der Chicago
Board of Trade (CBOT) im ersten Quartal innerhalb eines relativ engen
Preiskorridors.
Zu Beginn des zweiten Quartals wurde die Nachfrage Chinas jedoch
zu einem bedeutsameren Faktor. Wie andere wichtige Sojabohnenimporteure
nutzte China das große Angebot aus der südamerikanischen Ernte, um
Rekordmengen zu importieren. Experten schätzen, dass China im Mai
und Juni monatlich jeweils 5 bis 6 Millionen Tonnen Sojabohnen importiert
hat.
Nachdem die südamerikanische Ernte eingebracht war, entspannte
sich die Versorgungssituation des europäischen Marktes mit Sojabohnen.
Denn die Sojabohnen aus der nordamerikanischen Ernte 2009 waren langsam
zur Neige gegangen
Darüber hinaus bereitete die Qualität der noch verfügbaren nordamerikanischen
Sojabohnen vielen Ölmühlen große Probleme. Ihre Extraktionsanlagen
konnten nicht mit maximaler Kapazität betrieben werden. Mit der Umstellung
auf die südamerikanischen Sojabohnen aus der neuen Ernte konnte die
Leistung der europäischen Ölmühlen wieder gesteigert und die Qualität
des Schrotes verbessert werden.
Die Preise für Sojabohnen an der CBOT stiegen im dritten Quartal
kontinuierlich an. Dieser Preisanstieg war auch eine Reaktion auf
die anhaltend starke Nachfrage aus China. Nachdem China im Wirtschaftjahr
2008/2009 etwa 41 Millionen Tonnen Sojabohnen importiert hatte, war
der Import im Wirtschaftsjahr 2009/2010 auf über 50 Millionen Tonnen
angestiegen.
Am Ende des Monats September und im Oktober 2010 stellten viele
europäische Ölmühlen ihre Produktion wieder auf die günstigeren nordamerikanischen
Sojabohnen aus der neuen Ernte um. Die brasilianischen Sojabohnenbestände
waren aufgrund der großen Exportmenge und des hohen Inlandsverbrauchs
nahezu aufgebraucht. Die verbliebene Menge war wegen des gestiegenen
Preises für den Export nicht mehr konkurrenzfähig.
Die nordamerikanische Sojabohnenernte des Jahres 2010 wurde zügig
eingebracht und stand somit früh für den Export nach Europa zur Verfügung.
Die Farmer konnten aufgrund günstiger Wetterbedingungen früher als
im Vorjahr auf die Felder. In den USA lagen die Sojabohnen-Erträge
bei durchschnittlich 42,5 Bushel pro Acre. Mit 90,6 Millionen Tonnen
konnte insgesamt eine gute Ernte in den USA eingebracht werden.
Zum Ende des Berichtsjahres stiegen die Preise für den gesamten
Sojakomplex an der CBOT weiter an. Lag der Preis im Januar noch bei
10,60 USD pro Bushel so erreichte er mit 14,00 USD pro Bushel seinen
Höchsttand zum Ende des Jahres.
Entwicklung des Sojabohnenpreises an der CBOT in USD pro Bushel
seit 2007
Letzte Schätzungen des USDA besagen, dass die US-Sojabohnenanbaufläche
im Jahr 2011 um etwa 1 Prozent auf 31 Millionen Hektar zurückgehen
wird.
Die europäischen Ölmühlen beginnen traditionell mit der Verarbeitung
der neuen nordamerikanischen Ernte zwischen Oktober und Anfang November
eines jeden Jahres. Auch im Jahr 2011 werden nordamerikanische Sojabohnen
dringend für die Versorgung des europäischen Marktes im Winterhalbjahr
benötigt. Deshalb ist es von großer Bedeutung, dass spätestens bis
dahin das Risiko für Importeure, welches aus der sogenannten Nulltoleranz-Regelung
für nicht in der EU zugelassene gentechnisch veränderte Organismen
resultiert, von der Europäischen Kommission beseitigt wird.
Verbesserungsbedarf wird auch beim Genehmigungsprozess für neue
gentechnisch veränderte Sorten in der Europäischen Union gesehen.
Häufig waren neue gentechnisch veränderte Sorten in Ländern außerhalb
der EU längst für den Anbau und die Vermarktung freigegeben, während
die Freigabe der Europäischen Kommission noch ausstand. Der dringende
Wunsch aller Marktteilnehmer ist es, dass Freigaben von neuen gentechnisch
veränderten Sorten international synchronisiert werden. Damit lässt
sich das Risiko aus der Nulltoleranz-Regelung deutlich reduzieren.
Eines haben die letzten Jahre gezeigt: die Länder der Europäischen
Union importieren etwa 13 Millionen Tonnen Sojabohnen aus Nord- und
Südamerika pro Jahr. Die Europäische Union produziert nur etwa 1 Million
Tonnen Sojabohnen pro Jahr. Der Anbau der Bohnen erfolgt nahezu ausschließlich
in Südeuropa. Nur durch Sojabohnenimporte und die Verarbeitung der
Sojabohnen in europäischen Ölmühlen kann die Versorgung des europäischen
Marktes mit ausreichend Eiweißfuttermitteln sichergestellt werden.
Für den Transport der Sojabohnen zum Ort ihrer Verarbeitung werden
Massengutfrachter der sogenannten Panamax- und Cape-Size-Klasse eingesetzt.
Diese Schiffe können pro Reise etwa 60-90.000 Tonnen Sojabohnen nach
Europa transportieren.
Das letzte Jahr war durch die Indienststellung einer großen Anzahl
dieser Schiffseinheiten gekennzeichnet. Es handelte sich dabei um
Neubauten, die noch vor der Weltwirtschaftskrise in Auftrag gegeben
wurden und nun vom Stapel liefen.
Dieses kontinuierlich steigende Frachtraumangebot hatte zur Folge,
dass trotz des weltweit gestiegenen Bedarfs an Frachtraum die Frachtraten
für Panamax-Schiffe im ersten Halbjahr nahezu unverändert blieben.
Die Frachtrate bewegte sich im gesamten Zeitraum um etwa 30.000 USD
pro Tag.
Auch im weiteren Verlauf des Jahres konnte das kontinuierlich steigende
Angebot die Nachfrage nach Frachtraum für den Transport von Steinkohle,
Eisenerz, Düngemitteln und Agrarrohstoffen nach China, Indien und
Europa problemlos bedienen. Wahrscheinlich wären die Frachtraten schon
in der ersten Jahreshälfte unter Druck geraten, hätten nicht die langen
Wartezeiten in den südamerikanischen Soja- und australischen Kohlehäfen
und damit verbundene verlängerte Umlaufzeiten für eine Unterstützung
der Frachtraten gesorgt. Die Frachtraten blieben vorerst stabil.
Erst in der zweiten Jahreshälfte gaben die Frachtraten nach. Die
Nachfrage Chinas nach Frachtraum blieb weiter stabil, jedoch führte
nun das weiter gestiegene Angebot an Frachtraum dazu, dass die Frachtpreise
bis zum Ende des Jahres deutlich unter die Marke von 20.000 USD pro
Tag fielen.
Fasst man die Entwicklung auf dem Frachtenmarkt zusammen, so konnten
die Frachtraten über das gesamte Jahr hinweg nicht der Entwicklung
der Rohstoff-Preise folgen. Zum Ende des Jahres zeigten sie sogar
eine gegenläufige Tendenz.
Rapssaat
20,4 Millionen Tonnen Rapssaat wurden in den Mitgliedsstaaten der
EU in 2010 geerntet. Damit haben die Länder der EU im Jahr 2010 rund
1 Millionen Tonnen Rapssaat weniger geerntet als im Vorjahr, als noch
21,5 Millionen Tonnen geerntet wurden.
Insbesondere die deutsche und französische Rapsernte blieben deutlich
hinter der Ernte des Vorjahres zurück. Wurden in Deutschland in 2009
noch 6,3 Millionen Tonnen Rapssaat geerntet, so waren es 2010 nur
5,7 Millionen Tonnen.
In Frankreich war der Ernterückgang noch gravierender. Dort ging
die Erntemenge gegenüber 2009 um rund 800.000 Tonnen auf 4,8 Millionen
Tonnen zurück. Lediglich England konnte mehr Rapssaat als im Vorjahr
erzeugen. In England wurden mit 2,2 Millionen Tonnen etwa 250.000
Tonnen mehr Rapssaat geerntet als im Vorjahr..
Trotz der geringeren Erntemenge in den Ländern der EU stand dem
Werk Hamburg während des gesamten Berichtszeitraumes eine ausreichende
Menge Rapssaat zur Verfügung. Die Versorgung der Ölmühle für einen
kontinuierlichen Betrieb bei maximaler Produktionsleistung konnte
erneut sichergestellt werden.
Jedoch war die Versorgung des Werkes Hamburg mit Rapssaat im ersten
Quartal des Berichtszeitraumes schwierig. Deutschland litt unter einem
besonders strengen und anhaltenden Winter. Schnee und Eis führten
dazu, dass die Anlieferung von Rapssaat zeitweise nur auf der Straße
möglich war. Dieses Logistikproblem führte dazu, dass der nationale
Handel kaum bereit war, Rapssaat zur sofortigen Lieferung zu verkaufen.
Zu groß war das Risiko, die kontraktliche Verpflichtung nicht einhalten
zu können. Diese Lücke konnten auch nicht Importe aus Drittländern
wie der Ukraine oder Australien schließen. Aus diesen Ländern wurde
zu Beginn des Jahres kaum Rapssaat angeboten. Die Folge waren äußerst
volatile Prämien im lokalen Markt.
Auch die Entwicklung des Sojamarktes wirkte sich auf die Preisentwicklung
für Rapssaat aus. Insbesondere im Verlauf der Monate Januar und Februar
folgten die Rapssaatpreise erst den sinkenden und später steigenden
Sojabohnenpreisen. Vielmehr führte aber die schwierige Logistik aufgrund
des schneereichen und anhaltend frostigen Winters zu steigenden Preisen.
Über die gesamten ersten drei Monate bewegte sich der Preis für Rapssaat
an der Marché à Terme International de France (MATIF) zwischen 280
und 300 Euro pro Tonne.
Im zweiten Quartal stiegen die Rapssaatpreise kontinuierlich an.
Die unverändert hohe Nachfrage nach Rapsschrot und eine gleichermaßen
hohe Nachfrage nach Rapsöl waren treibende Faktoren für diesen Preisanstieg.
Diese Entwicklung erhielt zusätzlichen Auftrieb, als zum Ende des
Monats April bekannt wurde, dass eine große Ölmühle in Mannheim die
Verarbeitung von Rapssaat nach einem Brand für viele Monate einstellen
würde. Aber auch die widrigen Anbaubedingungen in Kanada und damit
die Aussichten auf eine geringere Canola-Ernte sorgten für eine zusätzliche
Unterstützung der Preise für europäische Rapssaat. All diese Faktoren
führten zu einer besseren Auslastung der Rapsverarbeitungskapazitäten
in Deutschland.
Auch die zunehmende Sorge um die verfügbare Menge aus der bevorstehenden
Rapsernte in der EU unterstützte die Preiseentwicklung. Schätzungen
vieler Experten gingen bereits frühzeitig von einer geringeren Erntemenge
in der EU aus als im Vorjahr. Darüber hinaus nahm die Gewissheit zu,
dass auch die Rapsernte in Osteuropa aufgrund des strengen Winters
geringer ausfallen würde als erwartet.
In dieser schon angespannten Situation wurde dann noch allen Marktteilnehmern
bewusst, dass der Überhang aus der Rapsernte 2009 geringer ausfallen
würde, als ursprünglich erwartet.
In der EU wurde die Rapsernte 2010 später begonnen als üblich.
Dies führte zu einem deutlichen Anstieg der Prämien im Juli. Auch
in den folgenden Monaten blieb diese feste Grundtendenz im Rapsmarkt
erhalten. Sie führte dazu, dass Landwirte in den Monaten August und
September auf weiter steigende Preise setzten und nur eine geringe
Bereitschaft zeigten, Rapssaat zu verkaufen. Dem Markt fehlte Liquidität.
Und die Preise kamen zu keiner Zeit unter Druck. Der übliche Erntedruck
blieb aus.
Der Preis für Rapssaat stieg im zweiten Halbjahr kontinuierlich
an. Zum Ende des Jahres erreichte der Preis für Rapssaat an der MATIF
einen Wert von 480 EUR pro Tonne und damit nahezu das hohe Niveau
aus dem Jahr 2008.
Verschiedene Faktoren führten zu dieser Entwicklung im zweiten
Halbjahr: Zum einen die Gewissheit über die geringere EU-Erntemenge
und die daraus resultierende geringe Abgabebereitschaft der Landwirte
und Handelsstufe, zum anderen die große Nachfrage der Ölmühlen und
Biodieselproduzenten.
Traditionell schreiben viele Mineralölgesellschaften im vierten
Quartal ihren Biodieselbedarf für das Folgejahr aus. Das sorgt für
eine entsprechende Nachfrage nach Öl und damit nach Rapssaat. Und
diese Rapssaat muss, sofern daraus Biodiesel zum Verbrauch ab 2011
im deutschen Markt produziert werden sollte, nachhaltig sein. Denn
Biodiesel, den Mineralölgesellschaften zur Erfüllung der deutschen
Biokraftstoffquote einsetzen, muss seit dem 01. Januar 2011 den Kriterien
der deutschen Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung (Biokraft-NachV)
entsprechen.
Im letzten Quartal des Jahres 2010 wurde jedoch nicht ausreichend
nachhaltige Rapssaat angeboten. Die Unternehmen der Erfassungsstufe,
also die Unternehmen, die Rapssaat von den Landwirten aufkaufen, waren
noch nicht in ausreichender Anzahl nach den Kriterien der Biokraft-NachV
zertifiziert. Es entstand ein Versorgungsengpass, der zu einer zusätzlichen
Befestigung des Rapssaatpreises führte.
Entwicklung des Preises für Rapssaat an der MATIF in EUR pro Tonne
seit 2008
1.3. Die Absatzmärkte der Saatenverarbeitung
Futtermittel
Im vergangenen Jahr ging der Rinderbestand in Deutschland im Vergleich
zum Vorjahr leicht zurück. Im November 2010 wurden nach Angaben des
Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
(BMELV) 12,7 Millionen Rinder in Deutschland gehalten. Damit war der
Bestand gegenüber dem Vorjahr, als es noch 12,9 Millionen Tiere waren,
um etwa 1,5 Prozent gesunken. Der Trend der Vorjahre setzte sich fort.
2008 betrug der deutsche Bestand noch 13,0 Millionen Rinder. Darüber
hinaus zeigt sich, dass eine immer größere Anzahl von Rindern von
einer immer geringeren Anzahl von Landwirten gehalten wird.
Der Anteil an Milchkühen am Rinderbestand ist um 0,3 Prozent gegenüber
dem Vorjahr gestiegen. Hier wurden 4,2 Millionen Tiere im November
2010 nach Angaben des BMELV gezählt.
Der Schweinebestand lag im November des Jahres 2010 bei 26,9 Millionen
Tieren. Dies bedeutet einen leichten Anstieg von 0,1 % gegenüber dem
November 2009.
Ein neues Rekordniveau könnte die deutsche Geflügelproduktion in
2010 erreicht haben. Auf der Basis vorläufiger Daten stieg die Bruttoinlandserzeugung
auf 1,57 Millionen Tonnen. Bestätigen sich diese Zahlen, so wäre dies
eine Steigerung um 10,5 Prozent gegenüber dem Jahr 2009.
Die Herstellung von Mischfutter betrug im Jahr 2010 etwa 21,8 Millionen
Tonnen. Das ist eine Steigerung von mehr als 4 Prozent gegenüber dem
Vorjahr. Dabei entfielen 9,3 Millionen Tonnen auf das Schweinemischfutter
als größtes Segment.
Die Nachfrage nach Rapsschrot war im Verlauf des gesamten Berichtsjahres
konstant gut. Obwohl im ersten Quartal auch kleine Ölmühlen ihren
Betrieb wieder aufgenommen hatten, konnte die große Nachfrage nach
Rapsschrot zeitweise kaum bedient werden. Streiks in Argentinien,
die Sojaschrot-Lieferungen nach Europa verzögerten, befeuerten die
deutsche Inlandsnachfrage in diesem Zeitraum zusätzlich.
Von April bis Juni war der Preis für Rapsschrot deutlich invertiert.
Versorgungsengpässe nach dem Ausfall einer großen deutschen Ölmühle
im April und Streiks in zwei französischen Ölmühlen im Mai verknappten
vorderes Rapsschrot und führten zu einem deutlichen Anstieg der Preise
für Ware aus der alten Ernte. Trotzdem wurde Rapsschrot weiterhin
stark nachgefragt. Obwohl im Preis deutlich angestiegen, war Rapsschrot
nach wie vor die günstigste Eiweißquelle für die Mischfutterindustrie
in Europa. Selbst große Importmengen von Sojaschrot und Sojapellets
aus Südamerika führten nicht zu sinkenden Preisen. Die Schwäche des
Euros gegenüber dem US-Dollar ließ dollarbasierte Importe zwischenzeitlich
unattraktiv werden.
In den folgenden Monaten waren die Umsätze am Rapsschrotmarkt geringer.
Vordere Positionen wurden gesucht und gehandelt. Im Gleichklang mit
dem Rapssaatmarkt stieg der Preis für Rapsschrot von Juli bis September
an. Gleichzeitig machte der Rapsschrotpreis wertmäßig Boden gegenüber
dem Preis für Sojaschrot gut: die Relation der Preise zueinander stieg
im Laufe des Quartals von 63 Prozent auf 68 Prozent.
Bis zum Ende des Jahres stiegen die Rapsschrotpreise kontinuierlich
weiter an. Ebenso die Relation des Rapsschrotpreises gegenüber dem
für Sojaschrot. Diese erreichte 70 Prozent. Da auch die Getreidepreise
stiegen, wurde Weizen als Futtermittelkomponente unattraktiver. So
blieb die Nachfrage nach Rapsschrot unverändert groß. Lediglich das
Kaufverhalten der Verbraucher änderte sich zum Ende des Jahres: Sie
kauften nahezu ausschließlich für den sofortigen Verbrauch und kaum
noch auf Termin.
Sojaschrot wurde von den Verbrauchern im gesamten Berichtszeitraum
überwiegend zum sofortigen Verbrauch gekauft. Dieses Kaufverhalten
machte es auch im Jahr 2010 besonders schwierig, die Produktion der
Anlagen und den Rohstoffzufluss zu planen.
Die Preise für Sojaschrot an der Chicago Board of Trade (CBOT)
gaben im Verlaufe des Monats Januar nach, bevor sie dann im Februar
und März in einem relativ engen Preiskorridor zwischen 275 USD und
308 USD pro Tonne seitwärts verliefen. Im April konnte sich der Preis
für Sojaschrot wieder erholen, nachdem Streiks in Argentinien die
Versorgung der Weltmärkte mit ausreichend Sojaschrot zeitweise erschwerten.
In den folgenden Monaten korrigierte der Preis für Sojaschrot allerdings
abermals und erreichte zur Mitte des Jahres ein Niveau von 280 USD
pro Tonne an der CBOT.
Zur Mitte des Jahres hatte sich die wirtschaftliche Situation der
Veredelungswirtschaft verbessert - insbesondere die Situation der
Geflügelmäster. Ebenso hatte sich die wirtschaftliche Situation im
Bereich der Schweinemast stabilisiert. Diese positive Entwicklung
in beiden Absatzsegmenten hätte eigentlich den Abschluss von mehr
Terminkontrakten bewirken müssen. Jedoch änderten die Verbraucher
ihr Einkaufsverhalten nicht. Sie deckten weiterhin nur ihren unmittelbaren
Bedarf. Sie beurteilten die Versorgung des Marktes mit Sojaschrot
als gesichert und sahen auf dem Preisniveau keine Notwendigkeit, Terminkontrakte
abzuschließen. Denn Sojaschrot blieb trotz des deutlichen Preisanstieges
an der CBOT aufgrund der Wechselkursrelation EUR/USD im europäischen
Markt gegenüber anderen Futtermittelkomponenten weiterhin konkurrenzfähig.
Das Kaufverhalten der Markteilnehmer änderte sich auch nicht zum
Ende des Jahres. Der Preis für Sojaschrot an der CBOT stieg auf über
400 USD pro Tonne. Es wurde weiterhin ausschließlich Spot-Ware gehandelt.
Verbraucher waren unverändert der Meinung, dass der europäische Markt
auch in Zukunft ausreichend mit Sojaschrot und aufgrund der Wechselkursrelation
EUR/USD zu marktgerechten Preisen versorgt werden könnte. Es gab also
immer noch keinen Grund für sie, sich Sojaschrot über Terminkontrakte
zu sichern.
Entwicklung des Sojaschrotpreises an der CBOT in USD pro Tonne
seit 2007
Pflanzliche Öle
Nachdem die weltweiten Bestände an Ölen und Fetten zum Ende der
Wirtschaftjahre 2008/2009 und 2009/2010 auf nahezu gleichem Niveau
bei etwa 19 Millionen Tonnen lagen, erwarten Experten einen Rückgang
der Bestände auf 18,4 Millionen Tonnen zum Ende des Wirtschaftjahres
2010/2011. Der Grund dafür ist, dass der weltweite Verbrauch an Ölen
und Fetten mit 3,8 Prozent voraussichtlich deutlich stärker zunehmen
wird als die Erzeugung, die voraussichtlich nur um 3,2 Prozent ansteigen
wird.
Der deutliche Verbrauchsanstieg wird auch mit der zunehmenden Verwendung
von Biodiesel begründet. In den vergangenen Jahren hatten insbesondere
die Länder der EU sukzessive ihre nationalen Biokraftstoff-Verwendungsverpflichtungen
angehoben.
Der prozentual geringere Anstieg der Pflanzenölproduktion wiederum
ist hauptsächlich auf die geringere Ernteerwartung für Sojabohnen
in Argentinien im Jahr 2011 zurückzuführen. Dort wird die Ernte voraussichtlich
etwa 10 Prozent hinter der des Jahres 2010 zurückbleiben.
Im ersten Quartal waren Rapsöl und Sojaöl ständig nahezu Preisgleich.
Deshalb gestaltete sich der Absatz von Sojaöl in diesem Zeitraum als
schwierig. Verbraucher gaben Rapsöl den Vorzug vor Sojaöl.
Zur Mitte des Jahres wurde der Weltmarkt für Sojaöl von einem Handelsdisput
zwischen Argentinien und China beeinflusst, in dessen Folge es zu
einem ImportStopp von argentinischem Sojaöl nach China kam. Argentinien
musste neue Absatzmärkte finden, und China musste neue Bezugsquellen
suchen. Während Argentinien Europa und Afrika als Absatzmarkt stärker
ins Visier nahm, konzentrierte sich China fortan auf den Import von
brasilianischem Sojaöl und trieb die Prämien für brasilianisches Sojaöl
auf Höchststände.
In Europa stieg der Bedarf an Sojaöl zum Sommer kontinuierlich
an. Insbesondere der Biodieselsektor begann, größere Mengen nachzufragen.
Sojaöl war wieder preislich attraktiver, und steigende Temperaturen
ließen einen höheren Sojaölanteil für die Biodieselproduktion zu.
Zusätzlich sorgte das kurzzeitige Aufleben des deutschen B100-Marktes
für weitere Nachfrage nach Sojaöl. In einem nur kleinen Zeitfenster
konnten geringe Mengen von Biodiesel in FAME-Qualität zum Verbrauch
als Reinkraftstoff verkauft werden. Diese zusätzliche Nachfrage nach
Sojaöl erübrigte die Suche nach alternativen Absatzmärkten für Sojaöl,
so dass Exporte von Sojaöl in nicht traditionelle Absatzmärkte weitestgehend
vermieden werden konnten.
In den Monaten Juli bis September nahm die Nachfrage nach Sojaöl
weiter zu. Die preisliche Attraktivität gegenüber Rapsöl war weiter
gestiegen, und größere Mengen Sojaöl wurden für die Biodieselproduktion
eingesetzt.. Darüber hinaus wurde Sojaöl verstärkt für andere technische
Verwendungen in größeren Mengen eingesetzt. Und auch aus dem Lebensmittelbereich
konnte eine steigende Nachfrage nach Sojaöl verzeichnet werden.
Zum Ende des Jahres ging die Nachfrage nach Sojaöl wieder merklich
zurück. Insbesondere die Biodieselproduktion reduzierte ihren Sojaölanteil
in den Wintermonaten deutlich. Dort wurde wieder nahezu ausschließlich
Rapsöl wegen der besseren Kaltfließeigenschaften eingesetzt.
Rapsöl profitierte während der ersten Monate des Jahres von seiner
Preisgleichheit mit Sojaöl. Es erhielt überall dort, wo der Einsatz
möglich war, den Vorzug vor Sojaöl. Darüber hinaus konnte der Markt
für Rapsöl insbesondere im Januar und März eine unerwartete Nachfrage
aus dem Segment der Biodieselproduktion verzeichnen. Lediglich im
Februar ging die Nachfrage der Biodieselproduzenten zeitweise zurück.
Die vereisten Straßen schränkten den Straßenverkehr und damit den
Verbrauch an Kraftstoffen ein.
Im zweiten Quartal stieg der Preis für Rapsöl kontinuierlich an;
zum einen durch den Ausfall einer großen deutschen Ölmühle in Mannheim
und Streiks in Frankreich, zum anderen durch eine zunehmende Nachfrage
aus dem Lebensmittel- und Biodieselmarkt. Rapsöl konnte in der Folge
sogar wieder eine Prämie gegenüber Sojaöl erzielen.
Die Rapsölbestände in Europa haben im Verlauf des dritten Quartals
kontinuierlich abgenommen. Hierzu führten einerseits die anhaltend
gute Nachfrage sowie andererseits die alljährlichen Produktionsstillstände
einiger Ölmühlen zu Wartungszwecken vor der neuen Rapsernte und der
andauernde Stillstand der Ölmühle in Mannheim.
Diese Versorgungssituation verbesserte sich auch im letzten Quartal
des Jahres nicht. Die Rapsölbestände nahmen weiter ab, weil die Nachfrage
aus dem Lebensmittel- und Biodieselmarkt unvermindert anhielt. Der
Preis für vorderes Rapsöl bildete eine deutliche Prämie gegenüber
den nachfolgenden Monaten aus. Damit stieg auch die Prämie gegenüber
Sojaöl. Doch dies wirkte nicht dämpfend auf die Nachfrage, da die
Biodieselproduzenten in den Wintermonaten nur sehr geringe Möglichkeiten
haben, Sojaöl einzusetzen.
Der Palmölmarkt startete in das neue Jahr mit komfortablen Lagerbeständen
von 4,4 Millionen Tonnen in Indonesien und Malaysia. Damit lagen die
Bestände um 7,5 Prozent höher als zu Beginn des Vorjahres. Das hatte
einen Rückgang der Palmölpreise im Januar zur Folge. Ein Rückgang,
der für viele Marktteilnehmer überraschend kam. Denn traditionell
ist das erste Quartal meist durch steigende Preise gekennzeichnet.
Eine Folge der geringeren Palmölproduktion in diesem Zeitraum. Im
Laufe des ersten Quartals wurden die Bestände jedoch durch zunehmende
Exporte kontinuierlich reduziert, und der Preis für Palmöl erholte
sich wieder. Hauptimporteure waren China und Indien.
Rohes Palmöl wurde im zweiten Quartal zwischen 2.400 und 2.600
Malaysische Ringgit (MYR) pro Tonne FOB Malaysia und Indonesien gehandelt.
Dieser relativ enge Preiskorridor war den historisch niedrigen Lagerbeständen
in den beiden Erzeugerländern geschuldet. In den vergangenen Jahren
war die Palmölproduktion in Malaysia stets auf deutlichem Wachstumskurs.
Doch bereits im Vorjahr wurde diese Entwicklung gestoppt. Die Produktion
in Malaysia sank. Auch im zweiten Quartal konnte keine Trendwende
beobachtet werden. Die Palmölproduktion in Malaysia stieg lediglich
um 1 Prozent an. Die Palmölpreise näherten sich in der Folge zunehmend
den Preisen anderer pflanzlicher Öle an. Der weltweite Palmölverbrauch
wurde gedrosselt. Angebot und Nachfrage waren im zweiten Quartal weitestgehend
ausgeglichen.
Im dritten Quartal betrug die Palmölproduktion in Malaysia 4,7
Millionen Tonnen. Dies bedeutete einen Anstieg von etwa 3 Prozent
gegenüber der Vorjahresperiode. In der Periode Januar bis September
2010 war die Produktion in Malaysia im Jahresvergleich damit jedoch
lediglich um 1,6 Prozent angestiegen.
Malaysias Exporte lagen im dritten Quartal bei etwa 4,15 Millionen
Tonnen Palmöl. Im Vorjahr waren es 4,09 Millionen Tonnen im gleichen
Zeitraum. Die wichtigsten Importeure für Palmöl waren Indien, China
und Europa. Jedoch waren Chinas Importe um etwa 60 Prozent im Vergleich
zum Vorjahr zurückgegangen. Hauptgrund hierfür waren zunehmende Sojaimporte
und der Abbau der Palmöl-Lagerbestände in den chinesischen Importhäfen.
Indiens Importe stiegen dagegen um 14 Prozent, während Europas Importe
unverändert blieben.
Malaysias Palmöl-Produktion blieb auch im letzten Quartal der Berichtsperiode
hinter den Erwartungen zurück. Wurden in der Zeit von Oktober bis
Dezember 2009 noch 5,1 Millionen Tonnen produziert, so ging die Menge
im Jahr 2010 im gleichen Zeitraum um 15,5 Prozent auf 4,3 Millionen
Tonnen zurück. Starke Regenfälle verursacht durch La Nina schränkten
die Ernteaktivitäten erheblich ein. Die Marktpreise stiegen von 2.750
MYR pro Tonne im Oktober auf einen Höchststand von 3.900 MYR pro Tonne
FOB Malaysia im Dezember. Im gleichen Zeitraum wurde aus dem Abschlag,
mit dem Palmöl gegenüber Sojaöl gehandelt wurde, eine Prämie. Doch
die Nachfrage nach Palmöl wurde auch dadurch nicht gedrosselt. Die
Palmölexporte aus Malaysia und Indonesien stiegen um 3 Prozent und
erreichten im vierten Quartal 9 Millionen Tonnen. Indiens Importe
in diesem Zeitraum stiegen sogar um 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Indien importierte insgesamt 2,7 Millionen Palmöl im Zeitraum Oktober
bis Dezember 2010. Nur die europäischen Importe sanken im letzten
Quartal. Sie gingen um etwa 3 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode
zurück.

Die Entwicklung der Preise für Sojaöl, Rapsöl, Palmöl und Sonnenblumenöl
in EUR pro Tonne seit 2007
1.4. Die Rohwarenversorgung der Weiterverarbeitung
Die Pflanzenölversorgung der Werke in Hamburg und Leer zur Produktion
von Biodiesel war im Geschäftsjahr 2010 gesichert. Die über Jahre
bewährte Logistik funktionierte reibungslos. Eine ausreichende Verfügbarkeit
von Ölsaaten zur Produktion der Pflanzenöle für die Biodieselherstellung
war stets gegeben.
Gleiches galt für die Versorgung des Werkes Noblee & Thörl,
welches Spezialfette und -öle hergestellt, und die Versorgung des
Werkes Hamburg, welches als Lohnverarbeiter rohes Palmöl für das Werk
Noblee & Thörl raffiniert.
Zu Beginn des Jahres konnte das Werk Noblee & Thörl die Auswirkungen
der Finanz- und Wirtschaftskrise weiterhin spüren. Die Nachfrage nach
Spezialfetten und -ölen verlief nur zögerlich. Bestellungen wurden
vorzugsweise kurzfristig platziert. Hinzu kamen in den Monaten Januar
und Februar widrige Straßenverhältnisse aufgrund des schneereichen
Winters. Diese beeinträchtigten die Logistik der Kunden und damit
die Produktionsplanung erheblich. Trotzdem war die Auslastung der
Produktion im ersten Quartal des Berichtszeitraumes zufriedenstellend.
Im weiteren Verlauf des ersten Halbjahres nahm die Nachfrage und
die Auslastung des Werkes Noblee & Thörl zu. Jedoch blieben sowohl
Nachfrage als auch Auslastung hinter dem Vorjahr zurück. Kunden fragten
nun auch verstärkt nach nachhaltig produzierten Pflanzenölen, insbesondere
Palmöl. Anforderungen, die erstmals für die Produktion von Biokraftstoffen
gelten sollten, wurden nun auch zusehends für Lebensmittel diskutiert.
Zur Mitte des Jahres wurde deutlich, dass mit der Inbetriebnahme
von neuen Wettbewerbsanlagen der Preisdruck im Absatzmarkt für Palmöl
zur Energieerzeugung und technischen Verwendung zunehmen würde. Neue
Marktanteile wurden regelgerecht erkauft. Gleichzeitig stieg der Preis
für Palmöl, und die wirtschaftliche Attraktivität des Betriebes von
Blockheizkraftwerken mit Palmöl nahm kontinuierlich ab. Betreiber
solcher Blockheizkraftwerke standen vor der Entscheidung, nach Rohstoffalternativen
zu suchen oder alternativ ihre Anlagen vorübergehend oder dauerhaft
abzuschalten.
Die Tendenz der Verbraucher zu eher kurzfristigen Kontrakten blieb
im Markt für Spezialfette und -öle nahezu über das gesamte Jahr erhalten,
da die tropischen Öle eine unvergleichliche Preisrally hinlegten.
Die Produktion hatte ihre internen Abläufe entsprechend eingestellt
und konnte so flexibel auf dieses Kaufverhalten zeitnah reagieren.
Insgesamt verliefen die Geschäftsaktivitäten des Werkes Noblee &
Thörl über das gesamte Berichtsjahr zufriedenstellend. Insbesondere
die enge Zusammenarbeit mit der Produktentwicklung hat sich weiter
positiv gestaltet.
1.5. Die Absatzmärkte der Weiterverarbeitung Biodiesel
Die Auslastung derer Anlagen in Hamburg und Leer hat sich im Berichtszeitraum
deutlich verbessert. Das Werk Leer konnte seine Produktion gegenüber
dem Vorjahr um 10 Prozent, das Werk Hamburg sogar um mehr als 20 Prozent
steigern.
Damit lag die Auslastung der Produktionsanlagen auch im letzten
Jahr deutlich höher als der deutsche Branchendurchschnitt. Es muss
jedoch erneut darauf hingewiesen werden, dass die deutsche Biodieselindustrie
auf ein weiteres insgesamt schwieriges Jahr zurückblickt. Der Konsolidierungsprozess
in diesem Markt ist längst nicht abgeschlossen.
Der deutsche Inlandsverbrauch an Biodiesel hat sich im Jahr 2010
gegenüber dem Vorjahr kaum verändert. Gemäß Angaben des Bundesamtes
für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) wurden in 2010 insgesamt
2.581.800 Tonnen Biodiesel verbraucht. Das sind lediglich 2,6Prozent
mehr als im Vorjahr. Da der Absatz von Biodiesel für die nationale
Beimischung durch die Norm DIN EN 590 bei 7 Prozent gedeckelt ist,
ist eine Absatzsteigerung nur über Verkäufe in den sogenannten B100-Markt,
also die Verwendung von Biodiesel als Reinkraftstoff in den Motoren
von Dieselfahrzeugen, oder Exporte möglich.
Doch der Einsatz von reinem Biodiesel war für Speditionen und Privatverbraucher
in 2010 meist unattraktiv. Sie setzen Biodiesel nur dann ein, wenn
Biodiesel einen Preisvorteil gegenüber herkömmlichem Dieselkraftstoff
bietet. Aufgrund des hohen Energiesteuersatzes für Biodiesel ist dies
äußerst selten der Fall. In 2010 war es nur wenige Wochen möglich,
Biodiesel in den Reinkraftstoffmarkt zu verkaufen. Entsprechend gering
war der Absatz in dieses Segment im Jahr 2010. Insgesamt wurden dort
nur 293.100 Tonnen verbraucht. Zum Vergleich: Im Jahr 2008 wurden
noch 1.082.500 Tonnen Biodiesel als Reinkraftstoff verbraucht. Im
Jahr 2007 waren es sogar noch 1.821.300 Tonnen.
Somit konnten viele deutsche Biodieselanlagen - wenn überhaupt
- eine Absatz- und Produktionssteigerung nur durch einen höheren Export
erreichen. Das galt auch für die Werke in Hamburg und Leer. Hilfreich
dabei waren die logistisch vorteilhaften Standorte dieser Anlagen.
Zu Beginn des Jahres 2010 war die Nachfrage nach Biodiesel deutlich
besser als erwartet. Traditionell geht der Biodieselabsatz in den
Monaten Januar und Februar aufgrund der winterlichen Wetterverhältnisse
und des daraus resultierenden geringeren Straßenverkehrs deutlich
zurück. Doch in 2010 zeichnete sich der Januar durch eine ungewöhnlich
starke Nachfrage nach Biodiesel aus. Der Markt suchte insbesondere
Biodiesel zur sofortigen Lieferung, weil einige Mineralölgesellschaften
noch offene Spot-Positionen abdecken mussten.
Nach dem vorübergehenden Rückgang des Mineralölpreises im Januar
erholte sich dieser in den Folgemonaten auf das Jahresanfangsniveau.
Die Relation der Mineralölpreise zu den Pflanzenölpreisen eröffnete
in den Monaten März bis Mai die Möglichkeit, Biodiesel als Reinkraftstoff
in den B100-Markt zu verkaufen. Jedoch blieben diese Mengen gering
und konnten die Auslastung der deutschen Biodieselanlagen nicht merklich
verbessern. Mineralölgesellschaften deckten in diesem Zeitraum weiter
vornehmlich ihren Spotbedarf ab. Einige Mineralölgesellschaften schrieben
sogar aufgrund der vorteilhaften Preisrelation einen Teil ihres Bedarfes
für das Jahr 2011 aus - früher als üblich.
In den Sommermonaten fand Sojaöl aufgrund der wiedergewonnenen
preislichen Attraktivität und der Umstellung der Biodieselproduktion
auf Sommerqualität vermehrt Eingang in die Biodieselproduktion. Und
damit kam auch wieder mehr Sojamethylester aus Argentinien nach Europa.
In Argentinien führen unverändert Exportsteuern, die für Biodiesel
geringer sind als für seinen Rohstoff Sojaöl, zu einem unfairen Wettbewerb
mit europäischen Biodieselproduzenten. Die Rede ist von der sogenannten
DET (Differential Export Tax).
Mit großer Erleichterung nahmen die deutschen Biodieselproduzenten
im April die Nachricht der agrarpolitischen Sprecher von Union und
FDP zu Kenntnis, dass die Nachhaltigkeitsanforderungen für Biomasse
zur Biokraftstoffproduktion aus der Biokraft-NachV erst zum 01. Januar
2011 "scharfgestellt" werden sollten. Damit wurde das Inkrafttreten
dieser Verordnung um ein halbes Jahr verschoben. Die Regierungskoalition
folgte dem dringenden Wunsch einer Terminverschiebung.
Diese Terminverschiebung wurde von der gesamten Zulieferkette vom
Landwirt bis zum Biodieselproduzenten gefordert.
Damit hatten alle Marktteilnehmer mehr Zeit für die vorgeschriebenen
Zertifizierungen aller Schnittstellen in der Lieferkette. Solche Schnittstellen
sind zum Beispiel Landhandelsunternehmen, die Rapssaat einkaufen und
einlagern, oder Ölmühlen und Biodieselproduzenten. Insbesondere der
Landhandel stand vor der großen Herausforderung, etwa 1.500 Unternehmen
seiner Branche rechtzeitig auf die Umsetzung der strengen Biokraft-NachV
per Zertifizierung vorzubereiten.
Auch die ADM Hamburg Aktiengesellschaft trieb in dieser Zeit die
Zertifizierung ihrer betroffenen Schnittstellen mit Hochdruck voran.
Das erste Zertifikat wurde im Juni für den Bereich der Palmölraffination
in Hamburg ausgestellt. Weitere Zertifikate folgten in kurzer Abfolge
in den darauffolgenden Wochen.
In den Sommermonaten deckten Mineralölgesellschaften weiter ausschließlich
SpotPositionen ein. Der Einkauf von Biodiesel auf Termin blieb die
Ausnahme. Zu groß war die Unsicherheit darüber, wie und ob die Nachhaltigkeitsverordnung
rechtzeitig in die Praxis umgesetzt werden könnte.
War die Auslastung der Biodieselproduktionsanlagen in Hamburg und
Leer schon in den ersten neun Monaten deutlich besser als im Vorjahr,
so verbesserte sie sich weiter im letzten Quartal. Die Hamburger Anlage
erzielte sogar eine neue Rekordauslastung in diesem Zeitraum.
Im Oktober begann die traditionelle Ausschreibungssaison der Mineralölgesellschaften.
Biodieselproduzenten müssen in diesem kurzen Zeitfenster in der Lage
sein, einerseits große Mengen Biodiesel anzubieten, andererseits aber
auch große Mengen Rohstoff, also Rapsöl bzw. Rapssaat auf dem Markt
zur Deckung ihrer Verkäufe zu beschaffen.
Und in der Beschaffung des Rohstoffes lag die Herausforderung im
letzten Jahr. Denn der für die Biodieselproduktion benötigte Rohstoff
musste ab dem 01. Januar 2011 der Biokraft-NachV entsprechen. Und
in Deutschland gab es kein ausreichendes Angebot an nachhaltig zertifizierter
Rapssaat. Auch der Import von Rapssaat aus europäischen Nachbarländern
war nicht möglich, weil diese Länder die strengen Nachhaltigkeitskriterien
aus der RED (Renewable Energy Directive) noch nicht umgesetzt hatten.
Die Folgen des deutschen Vorpreschens bei der Einführung strenger
Nachhaltigkeitskriterien für Biomasse zur Biokraftstoffproduktion
wurden nun spürbar. Während in anderen Ländern die Umsetzung noch
auf sich warten ließ, wollte die Bundesregierung diese Kriterien bereits
zum 01. Januar 2011 einführen. Doch so wichtig die Einführung von
Nachhaltigkeitskriterien für die Produktion von Biokraftstoffen einerseits
ist, so wichtig ist es andererseits, dass dies marktgerecht geschieht.
Eine Umsetzung darf nicht innereuropäische und internationale Handelsströme
stören. Sie darf nicht die Rohstoffverfügbarkeit künstlich verknappen
und damit die Preise unnötig in die Höhe treiben.
Doch das war letztlich die Folge des deutschen Alleinganges. Nachhaltige
deutsche Rapssaat war nicht ausreichend verfügbar. Und dringend benötigte
nachhaltige Rapssaat aus Nachbarländern wie Polen oder Frankreich
stand nicht zur Verfügung. Landwirte in diesen Ländern hatten kein
Interesse, sich mit der deutschen Nachhaltigkeitsverordnung zu beschäftigen.
Sie warteten lieber auf ihre nationalen Regelungen.
Bei der Produktion von Biodiesel fällt Rohglyzerin als sogenanntes
Kuppelprodukt an. Europäische Biodieselproduzenten sind in den letzten
Jahren zum größten Glyzerinlieferanten in Europa geworden. Etwa 85
Prozent der europäischen Glyzerinproduktion entstammten im Jahr 2010
der Biodieselherstellung. Damit ist die Biodieselproduktion in Europa
der entscheidende Faktor für das Angebot und die Preisentwicklung
auf dem europäischen Glyzerinmarkt.
Darüber hinaus wird ein Teil des Rohglyzerins von den europäischen
Biodieselproduzenten zu Pharmaglyzerin veredelt. Auch das Werk Hamburg
und das Werk Leer produzieren Pharmaglyzerin. Beide Raffinerien zur
Herstellung von Pharmaglyzerin konnten im Jahr 2010 besser ausgelastet
werden als im Vorjahr. Die Auslastung der Anlage in Leer stieg um
8 Prozent. Die Anlage in Hamburg konnte sogar um 25 Prozent besser
ausgelastet werden.
Der Preis für Rohglyzerin stieg zu Beginn des Jahres insbesondere
durch die deutlich gestiegene Nachfrage nach Pharmaglyzerin. Bei einem
sich verringernden Angebot aufgrund der in den Wintermonaten europaweit
geringeren Biodieselproduktion konnten die Rohglyzerinpreise bis März
um etwa 25 Prozent ansteigen. Rohglyzerin konnte fortan nicht mehr
wirtschaftlich als Energiequelle für Biogasanlagen eingesetzt werden.
Auch der Einsatz als Mischfutterkomponente war bei dem Preisniveau,
das deutlich über dem der Substitute wie Melasse und Getreide lag,
nicht mehr wirtschaftlich.
In den nachfolgenden Monaten konnte der Markt für Rohglyzerin das
hohe Preisniveau nicht halten. Das gestiegene Angebot aus der Biodieselproduktion
drückte die Preise. Der Futtermittelmarkt war trotz der niedrigeren
Preise im zweiten Quartal Abnehmer nur geringer Mengen von Rohglyzerin.
Weiterhin wurde der Großteil des Rohglyzerins zu Pharmaglyzerin verarbeitet.
Die Nachfrage nach Rohglyzerin blieb auch in der zweiten Jahreshälfte
konstant. Trotz einer weiterhin hohen Produktion von Rohglyzerin war
das dritte und vierte Quartal durch stabile und zum Ende des Jahres
sogar steigende Preise gekennzeichnet. Die Absatzmärkte in Nordwesteuropa
konnten die europäische Rohglyzerin-Produktion komplett aufnehmen.
Auch in den Futtermittelmarkt floss in der zweiten Jahreshälfte Rohglyzerin.
Aus dem Segment der Biogasproduktion gab es zwar Nachfrage, aber aufgrund
des stabilen Preises konnte Rohglyzerin dort weiterhin nicht wirtschaftlich
eingesetzt werden. Wie auch der Preis anderer Rohstoffe erreichte
der Rohglyzerin-Preis zum Ende des Jahres seinen Höchststand.
Der Markt für Pharmaglyzerin entwickelte sich im gesamten Geschäftsjahr
ausgesprochen positiv. Nach Tiefstpreisen im zweiten Halbjahr 2009
stieg die Nachfrage bereits innerhalb der ersten Monate spürbar an.
Industrien, wie die chemische und kosmetische aber auch Lebensmittelproduzenten
hatten ihre Fertigung auf Grund der weltweit gestiegenen Nachfrage
wieder hochgefahren. Entsprechend entwickelten sich die Preise für
Pharmaglyzerin. Sie stiegen im Laufe des Jahres von ihren Niedrigständen
zu Beginn des Jahres auf ihre Höchststände zum Ende des Jahres und
damit um über 60 Prozent an.
1.6. Der Markt im Lager- und Umschlagsgeschäft
Zu Beginn des Berichtsjahres konnten Getreideexporte aus Europa
nicht von der Euro-Schwäche profitieren. Dies spürten auch die Silobetriebe
in Hamburg, Rostock und Magdeburg. Die Umschlagsleistungen blieben
hinter den Erwartungen zurück. Hinzu kamen witterungsbedingte Lieferengpässe
in der Logistik, da die deutschen Wasserstraßen aufgrund der Witterungsverhältnisse
über Wochen nicht befahrbar waren. Die Umschlagsergebnisse lagen folglich
unter den Vorjahreswerten.
In den Folgemonaten verbesserte sich die Auslastung der Silobetriebe
stetig. Aufgrund der anhaltenden Schwäche des Euros und des zunehmenden
Getreideexportes aus der EU konnten sie positive Ergebnisse erwirtschaften.
Trotzdem waren die Getreideexporte im Vergleich zum Vorjahr über die
Silobetriebe insgesamt geringer. Dies hatte eine verminderte Umschlagsleistung
der Silo P. Kruse Betriebs-GmbH & Co. KG (Silo P. Kruse) zur Folge.
Bei den anderen Silobetrieben lagen die Umschlagszahlen im zweiten
Quartal wieder auf Vorjahresniveau.
In der zweiten Jahreshälfte konnten im Hamburger Exportsilo Silo
P. Kruse zwar trotz geringer Exportmengen aus der neuen Ernte ausreichende
Umsätze erzielt werden; jedoch blieben die Umschlagsmengen weiter
hinter denen des Vorjahres zurück.
In den Silos in Rothensee und Rostock stellte sich die Situation
besser dar. An beiden Standorten wurden nennenswerte Mengen aus der
Ernte aufgenommen. Weitergehende Dienstleistungen konnten ebenfalls
in Auftrag genommen werden, wie zum Beispiel die Reinigung und Trocknung
der angelieferten Agrarrohstoffe. Die deutsche Getreideernte hatte
sich zum Ende der Ernte aufgrund des schlechten Wetters deutlich verzögert.
Dadurch konnte Getreide häufig nicht mit der gewünschten Lagerfeuchte
aufgenommen werden und musste am jeweiligen Ort der Lagerung auf die
gewünschten Werte konditioniert werden.
Die Silobetriebe haben das Jahr ohne größere Unwägbarkeiten abgeschlossen.
In den letzen Monaten begann die Kälteperiode, die allerdings keinen
größeren Einfluss auf die Umschlagsleistungen oder die Andienung von
Ware mit sich brachte.
Insgesamt haben die Silos ihre Bedeutung für den Konzern der ADM
Hamburg Aktiengesellschaft im gesamten Jahr unter Beweis gestellt.
Im Verbund konnten kurzfristig auftretende Engpässe problemlos entzerrt
werden.
1.7. Entwicklung der politischen Rahmenbedingungen
Das vergangene Jahr hat gezeigt, dass der Einfluss politscher Rahmenbedingungen
auf die Agrarmärkte unverändert groß ist. Ebenso wurde im letzten
Jahr deutlich, wie wichtig europaweit einheitliche politische Rahmenbedingungen
für die innereuropäischen Handelsströme sind.
Für den Import und die Verarbeitung von Sojabohnen in Europa sind
die europäischen Rahmenbedingungen zum Umgang mit gentechnisch veränderten
Sorten, die noch nicht in der EU zugelassen sind, von großer Bedeutung.
Auch im Jahr 2010 ist es der EU nicht gelungen, eine Nachfolgeregelung
für die aktuell geltende Nulltoleranz-Regelung zu verabschieden. Die
Nulltoleranz-Regelung besagt, dass Importe von zum Beispiel Sojabohnen
keine Spuren von gentechnisch veränderten Sorten, die noch nicht in
der EU zugelassen sind, enthalten dürfen. Diese Regelung führt dazu,
dass Sojabohnen, die Stäube einer gentechnisch veränderten Maissorte,
die nicht in der EU zugelassen ist, enthalten, nicht nach Europa eingeführt
werden dürfen. Eine solche Regelung lässt den Import von Sojabohnen
zu einem unkalkulierbaren wirtschaftlichen Risiko werden. Und eine
Änderung dieser Regelung ist dringend notwendig.
Diese Diskussion ist nicht neu. Und die Hoffnung der betroffenen
Wirtschaft war groß, dass die EU in 2010 eine marktgerechte Neuregelung
verabschiedet. Jedoch ist dies bis heute nicht gelungen. Zu unterschiedlich
sind die Meinungen einzelner Mitgliedsländer.
Erst zum Ende des Jahres zeichnete sich ein denkbarer Kompromiss
ab: Die sogenannte technische Lösung. Sie ist ein Schritt in die richtige
Richtung. Doch mit einem tolerierbaren Gehalt an nicht zugelassenen
Sorten von maximal 0,1 Prozent reicht sie bei weitem nicht aus, ausreichend
Sicherheit für Importeure zu schaffen Darüber hinaus soll diese Regelung
nur für Futtermittel gelten und nicht für Lebensmittel. Aus produktionstechnischer
Sicht ist eine Trennung unmöglich. Die Produktion von Futtermitteln
und Lebensmitteln erfolgt auf denselben Anlagen, sie erfolgt aus denselben
Rohstoffen. Lebensmittel und Futtermittel können nicht voneinander
getrennt werden. Die Aufgabe der Ölmühlenbetreiber liegt nun darin,
dies den politischen Entscheidungsträgern deutlich zu machen. Eine
Lösung nur für Futtermittel ist undenkbar.
Zum 01. Januar 2011 hat Deutschland als erstes Land in der Europäischen
Union strenge Anforderungen an die Nachhaltigkeit von Biomasse zur
Produktion von Biokraftstoffen eingeführt. Diese Einführung der (Biokraft-NachV)
ist im Rahmen der nationalen Umsetzung der europäischen RED zu sehen,
die alle Mitgliedsstaaten der EU dazu verpflichtet, Nachhaltigkeitskriterien
für Biomasse zur Biokraftstoffproduktion einzuführen. Die dafür von
der EU gesetzte Frist war der 05. Dezember 2010. Und obwohl Deutschland
diese Kriterien "erst" zum 01. Januar 2011 eingeführt hat, hat es
die Anforderungen aus der RED vor allen anderen Ländern in der EU
umgesetzt.
Dieses Vorpreschen Deutschlands und die damit asynchrone Umsetzung
innerhalb der EU führen zu ernsthaften Versorgungsproblemen der deutschen
Biodieselproduktion mit ausreichend nachhaltiger Biomasse. Denn zum
einen steht nicht ausreichend nachhaltige deutsche Rapssaat zur Verfügung
und zum anderen ist der Import von nachhaltiger Rapssaat aus Nachbarländern
Deutschlands nicht möglich, weil dort die RED noch nicht umgesetzt
wurde. Etablierte Handelsströme werden unterbrochen, der Markt künstlich
verknappt und Preise unnötig in die Höhe getrieben.
Versuche, in der Anfangszeit der Einführung eine Flexibilisierung
der Nachhaltigkeitsverordnung bei der Bundesregierung zu erreichen,
stießen größtenteils auf taube Ohren. Nun bleibt die Hoffnung der
deutschen Biodieselproduzenten, dass deutsche Nachbarländer umgehend
nachziehen und die Anforderungen aus der RED umsetzen werden.
Auch die Europäische Kommission ist gefordert. Sie muss die Länder,
die die RED bisher nicht umgesetzt haben, in die Pflicht nehmen und
die nationale Umsetzung vorantreiben. Gleichzeitig muss die Europäische
Kommission aber auch ihre eigenen Hausaufgaben machen. Wichtige Fragen
zur Umsetzung der RED sind noch immer unbeantwortet, und weitere Nachhaltigkeitssysteme,
sogenannte Voluntary Schemes, müssen schnellstens anerkannt werden.
Auch die nationale Umsetzung der Nachhaltigkeitsanforderungen in
Deutschland wirft noch viele Fragen auf. In Deutschland ist die Bundesanstalt
für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) mit der Umsetzung beauftragt.
Sie kann die Vielzahl der Fragen häufig nicht schnell genug beantworten.
Das ist kein Wunder, denn mit der Einführung der Nachhaltigkeitsverordnungen
hat Deutschland weltweit als erstes Land ein solch umfassendes Regelwerk
eingeführt. Und erst bei der Umsetzung wird die gesamte Komplexität
der Märkte für die politischen Entscheidungsträger deutlich.
Im Dezember 2010 erschütterte ein Dioxinskandal die Öffentlichkeit.
Aus bisher ungeklärter Quelle gelangte dioxinbelastete technische
Fettsäure in Futterfettsäure und damit in den Futtermittelkreislauf.
In den darauffolgenden Wochen und Monaten beherrschtes dieses Thema
die Schlagzeilen aller Medien, und Politiker in Deutschland und Europa
wurden aufgefordert, den Verbraucherschutz umgehend zu verbessern.
Es liegt nun in den Händen dieser Politiker, Maßnahmen vorzuschlagen,
die den Verbraucherschutz erhöhen. Mit einer Überregulierung jedoch
ist am Ende niemandem geholfen, auch wenn solche meist übereilten
Maßnahmen häufig öffentlichkeitswirksam sind. Es wäre nicht zielführend,
wenn Teile der gesamten Versorgungskette, wie zum Beispiel Ölmühlen
oder Biodieselproduzenten zusätzliche Kontrollen durchführen müssten,
obwohl diese überhaupt keine Schuld an diesem Skandal trifft.
Zusammenfassend muss festgestellt werden, dass unsere Branche ständig
mit neuen gesetzlichen Anforderungen konfrontiert wird, die häufig
im europäischen, vielmehr aber noch im internationalen Wettbewerb
zu einem Standortnachteil führen. Darüber hinaus wird den Marktteilnehmern
häufig nicht ausreichend Zeit eingeräumt, diese neuen Anforderungen
vollständig einzuführen. Aus Unkenntnis wird die Komplexität unserer
Märkte übersehen oder falsch eingeschätzt. Daraus entstehen ein zusätzlicher
administrativer Aufwand und ein zusätzliches wirtschaftliches Risiko
für alle Branchenbeteiligten.
1.8. Gesamtaussage
Der Vorstand der ADM Hamburg Aktiengesellschaft betrachtet den
Geschäftsverlauf des Jahres 2010 als zufriedenstellend.
Unser Geschäft hat die Versorgung der Märkte mit Grundnahrungsmitteln
zum Inhalt. Entsprechend gering waren die negativen Auswirkungen der
Weltwirtschaftkrise auf unsere Märkte im Jahr 2009. Und entsprechend
gering waren die positiven Auswirkungen des wirtschaftlichen Aufschwungs
in Deutschland und anderen Ländern im Jahr 2010. Lediglich im Pharmaglyzerinmarkt
konnte eine konjunkturbedingte Belebung der Nachfrage beobachtet werden.
Auch die Nachfrage nach Biodiesel stieg europaweit an. Dies war
jedoch weniger der konjunkturellen Entwicklung geschuldet als vielmehr
den gestiegenen gesetzlichen Verwendungsverpflichtungen von Biokraftstoffen
in unseren Nachbarländern zu verdanken. Die Nachfrage nach Speiseölen
und Futterschroten zeigte aber nur geringe Veränderungen zum Vorjahr.
Spürbarere Auswirkungen hatte weiterhin das veränderte Kaufverhalten
unserer Kunden auf unsere Produktionsplanung. Dies lag im Berichtsjahr
weniger an einer pessimistischen Grunderwartung, sondern vielmehr
an der Preisentwicklung an den Märkten selbst. Die Produktionsplanung
gestaltete sich während des gesamten Berichtszeitraumes im Bereich
der Sojabohnenverarbeitung als schwierig. Sie musste meist von Woche
zu Woche erfolgen und konnte nicht, wie üblich in unserem Geschäft,
längere Zeit im Voraus erfolgen.
Auch das letzte Jahr hat verdeutlicht, wie sehr unsere Märkte international
vernetzt und globalisiert sind. Die Nachfrage Chinas war erneut ein
entscheidender Faktor für die Preisbildung an den Terminbörsen der
Welt. Und während Europa noch um die Stabilität der eigenen Währung
ringt und die USA ebenfalls noch unter den Folgen der Weltwirtschaftkrise
leidet, droht das Wirtschaftswachstum in China schon wieder zu überhitzen.
Ebenso beeindruckend ist, wie schnell sich aber auch Indien und Brasilien
nicht nur erholten, sondern mittlerweile schon wieder stärker wachsen
als vor der Krise. Diese weiter steigende Nachfrage außerhalb Europas
beeinflusst auch die Preisbildung an den europäischen Märkten und
deren Volatilität. Sie unterstützt aber auch die Auslastung unserer
Verarbeitungsanlagen.
Das Thema Nachhaltigkeit war eines der wichtigsten Themen, dessen
Umsetzung uns im letzten Jahr beschäftigt hat und weiter beschäftigen
wird. Wir können für unseren Teil sagen, dass wir als Schnittstelle,
die Biomasse verarbeitet und Biokraftstoff produziert, unsere Anlagen
rechtzeitig und umfassend auf die Umsetzung der neuen gesetzlichen
Anforderungen durch Zertifizierung vorbereitet haben. Jedoch gibt
es weiterhin noch viele offene Fragen.
Die Entwicklung der Mineralölpreise im zweiten Halbjahr hat gezeigt,
wie ein Markt auf steigende Nachfrage und abnehmende Verfügbarkeit
reagiert. Mineralölpreise um 35,00 USD pro Barrel gehören der Vergangenheit
an. In den folgenden Jahren werden sich Verbraucher an Mineralölpreise
deutlich oberhalb der 100 USD-Marke pro Barrel gewöhnen müssen. Dies
wird die Suche nach alternativen, umweltschonenden und regenerativen
Energiequellen beschleunigen. Es darf dabei nicht vergessen werden,
dass im Verkehrsbereich mit Biodiesel und Bioethanol bereits zwei
Alternativen zur Verfügung stehen und weitere Alternativen bisher
noch keine Marktreife erreicht haben.
Entwicklung des Mineralölpreises in USD pro Barrel seit 2007
Die Kursentwicklung des Euros war im letzten Jahr ein entscheidender
Faktor für die Preisbildung auf den europäischen Terminmärkten. Die
Schwäche des Euros hat dazu geführt, dass der Preisanstieg an den
Rohwaren-Börsen für den europäischen Verbraucher zeitweise weniger
spürbar war. Folglich blieb der Preis für zum Beispiel europäische
Sojaschrot-Konsumenten zeitweise konstant, obwohl der Preis für Sojaschrot
an der CBOT auf Dollar-Basis kontinuierlich anstieg.
Entwicklung des Wechselkurses in EUR/USD seit 2007
2. Bericht zur Ertragslage
2.1. Ertragslage der ADM Hamburg Aktiengesellschaft nach
HGB
Im Geschäftsjahr 2010 wurde im Vergleich zum Vorjahr ein um EUR
23,2 Mio höheres Ergebnis nach Steuern von EUR 15,2 Mio erzielt. Die
Vergleichbarkeit der einzelnen Posten der Gewinn- und Verlustrechnung
mit den Vorjahreswerten ist aufgrund der im Geschäftsjahr erfolgten
Anwachsung der Silo Rothensee GmbH & Co. KG auf die ADM Hamburg
Aktiengesellschaft nur eingeschränkt gegeben.
In der Ertragslage der ADM Hamburg Aktiengesellschaft nach HGB
werden im Geschäftsjahr 2010 einerseits unverändert alle Erträge und
Aufwendungen aus dem Geschäftsbetrieb Leer, des Werkes Noblee &
Thörl, des Silo Hamburgs und der von der ADM Hamburg Aktiengesellschaft
gehaltenen Grundstücke einschließlich wesentlicher Bestandteile sowie
der von der ADM Hamburg Aktiengesellschaft unverändert gehaltenen
Beteiligungen ausgewiesen. Andererseits werden nach der Anwachsung
auch alle Erträge und Aufwendungen aus dem Geschäftsbetrieb der ehemaligen
Silo Rothensee GmbH & Co. KG als Lohnverarbeiter im Auftrag der
ADM International Sàrl am Standort Hamburg sowie des Silo am Standort
Rothensee einbezogen.
Zu ausgewählten Einflussfaktoren nehmen wir wie folgt Stellung:
Die Umsatzerlöse im Geschäftsjahr von EUR 815,2 Mio (Vorjahr EUR
780,8 Mio) betreffen überwiegend das Werk Noblee & Thörl mit EUR
520,5 Mio (Vorjahr EUR 592,5 Mio), sowie mit EUR 230,3 Mio den Bereich
Biodiesel (Vorjahr EUR 167,5 Mio). Auch im Geschäftsjahr ergaben sich
im Bereich Biodiesel Margenbelastungen, insbesondere aufgrund der
in Deutschland existierenden Überkapazitäten.
Bei den Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenständen des
Anlagevermögens und Sachanlagen von EUR 7,9 Mio (Vorjahr EUR 5,1 Mio)
handelt es sich um planmäßige Abschreibungen.
Das Finanzergebnis ist im Vergleich zum Vorjahr rückläufig um EUR
1,9 Mio auf EUR -2,9 Mio. Dabei ist zu berücksichtigen, dass im Geschäftsjahr
2010 das Ergebnis der Silo Rothensee GmbH & Co. KG nur zeitanteilig
bis zur Anwachsung im Beteiligungsergebnis mit EUR 1,0 Mio (Vorjahr
EUR 2,8 Mio) ausgewiesen wird. Das Zinsergebnis von EUR -4,5 Mio (Vorjahr
EUR -5,5 Mio) hat sich hingegen um EUR 1,0 Mio verbessert. Ursächlich
sind hierfür ein weiterhin verbessertes Working Capital Management
sowie rückläufige Zinssätze.
Insgesamt wird ein um EUR 30,2 Mio verbessertes Ergebnis der gewöhnlichen
Geschäftstätigkeit von EUR 24,7 Mio (Vorjahr EUR -5,5 Mio) ausgewiesen.
Die Aufwendungen aus Ertragsteuern von EUR 5,9 Mio (Vorjahr EUR 2,3
Mio) enthalten die von der ADM Beteiligungsgesellschaft mbH belasteten
Steuerumlagen. Sie wurden wie im Vorjahr auf Basis einer fiktiven
originären Steuerpflicht ermittelt.
2.2. Ertragslage des Segments Ölmühle nach IFRS
Im Geschäftsjahr 2010 wurde im Vergleich zum Vorjahr ein um EUR
4,9 Mio höheres Ergebnis vor Ertragsteuern und Zinsergebnis von EUR
12,7 Mio erzielt.
Im Geschäftsjahr werden in der Ertragslage des Segments Ölmühle
wie im Vorjahr ausschließlich die Verarbeitungsaktivitäten der ADM
Hamburg Aktiengesellschaft -Werk Hamburg sowie die Geschäftsaktivitäten
der Silobetriebe und der ADM Rothensee GmbH & Co. KG ausgewiesen.
Die ADM Hamburg Aktiengesellschaft - Werk Hamburg hat im Geschäftsjahr
Lohnverarbeitungserlöse aus der Saatenverarbeitung in Höhe von EUR
114,6 Mio erzielt (Vorjahr: EUR 105,8 Mio).
Die Umsatz- und Ergebnisentwicklung der Silobetriebe hat sich im
Geschäftsjahr im Vergleich zum Vorjahr unterschiedlich entwickelt.
Das Umschlags- und Lagergeschäft der ADM Hamburg Aktiengesellschaft
- Silo Hamburg erreichte das Vorjahresniveau. Die Umschlagleistung
der auf den Export fokussierten Silobetriebe in dem ADM Hamburg Konzern
war im Vergleich zum Vorjahr insgesamt rückläufig. Die Silobetriebe
konnten im Geschäftsjahr insgesamt Umsatzerlöse vor Eliminierungen
in Höhe von EUR 19,9 Mio (Vorjahr EUR 20,8 Mio) erzielen.
Die ADM Rothensee GmbH & Co. KG als Erfasser von Getreide und
Ölsaaten konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr die kontrahierten Mengen
deutlich erhöhen und erzielte Umsatzerlöse in Höhe von EUR 255,7 Mio
(Vorjahr EUR 207,9 Mio).
Im Konzernabschluss werden derivative Finanzinstrumente zu Marktwerten
bewertet. Aus der Bewertung von offenen derivativen Finanzinstrumenten
werden in der Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung Erträge von EUR
49,9 Mio (Vorjahr EUR 10,6 Mio) sowie Aufwendungen von EUR 76,9 Mio
(Vorjahr EUR 14,5 Mio) ausgewiesen. Auf das Segment "Ölmühle" entfallen
Erträge von EUR 19,9 Mio (Vorjahr EUR 6,8 Mio) und Aufwendungen von
EUR 32,6 Mio (Vorjahr EUR 9,6 Mio).
2.3. Ertragslage des Segments Weiterverarbeitung nach IFRS
Im Geschäftsjahr 2010 wurde im Vergleich zum Vorjahr ein um EUR
8,0 Mio höheres Ergebnis vor Ertragsteuern und Zinsergebnis von EUR
19,1 Mio erzielt. Im Geschäftsjahr werden in der Ertragslage des Segments
Weiterverarbeitung wie im Vorjahr ausschließlich die Biodieselverarbeitungsaktivitäten
der ADM Hamburg Aktiengesellschaft - Werk Hamburg als Lohnverarbeiter
für die ADM International Sàrl und die Biodieselaktivitäten der ADM
Hamburg Aktiengesellschaft - Werk Leer sowie die Geschäftsaktivitäten
der ADM Hamburg Aktiengesellschaft - Werk Noblee & Thörl ausgewiesen.
Im Segment Weiterverarbeitung ergaben sich im Bereich Biodiesel
Umsatzerlöse vor Eliminierungen im Geschäftsjahr von EUR 254,8 Mio
(Vorjahr EUR 184,9 Mio). Im Biodieselbereich waren im Geschäftsjahr
2010 die Margensituation und die Auslastung der Anlagen unter anderem
aufgrund der in Deutschland existierenden Überkapazitäten vergleichbar
mit dem Vorjahr.
Für das Werk Noblee & Thörl sind im Geschäftsjahr Umsatzerlöse
vor Eliminierungen bei einer zufriedenstellenden Auslastung der Produktionsanlagen
von EUR 520,5 Mio (Vorjahr EUR 592,5 Mio) erzielt worden. Das Ergebnis
vor Ertragsteuern und Zinsen betrug EUR 11,2 Mio (Vorjahr EUR 18,0
Mio).
Im Konzernabschluss werden derivative Finanzinstrumente zu Marktwerten
bewertet. Aus der Bewertung von offenen derivativen Finanzinstrumenten
werden in der Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung Erträge von EUR
49,4 Mio (Vorjahr EUR 10,6 Mio) sowie Aufwendungen von EUR 76,9 Mio
(Vorjahr EUR 14,5 Mio) ausgewiesen. Auf das Segment "Weiterverarbeitung"
entfallen Erträge von EUR 29,5 Mio (Vorjahr EUR 3,8 Mio) und Aufwendungen
von EUR 44,3 Mio (Vorjahr EUR 4,9 Mio).
3. Bericht zur Finanzlage
Die Ziele des Finanzmanagement liegen in der Sicherstellung der
Liquidität sowie in der Begrenzung der Wechselkursrisiken. Dazu wird
die Finanzierung der Geschäftsaktivitäten der ADM Hamburg Aktiengesellschaft
sowie aller Tochtergesellschaften unverändert fast ausschließlich
durch verbundene Unternehmen der weltweiten ADM Gruppe sichergestellt.
Im geringeren Umfang bestehen langfristige Bankverbindlichkeiten.
Die im Geschäftsjahr durchgeführten Investitionen des Konzerns
in Immaterielle Vermögensgegenstände sowie Sachanlagen in Höhe von
EUR 16,0 Mio konnten zum Teil aus den Mittelzuflüssen aus betrieblicher
Tätigkeit gedeckt werden. Der Mittelzufluss aus betrieblicher Tätigkeit
betrug im ADM Hamburg-Konzern im Geschäftsjahr EUR 5,3 Mio (Vorjahr
EUR 12,4 Mio).
Liquiditätsrisiken sind aufgrund der Finanzierungsstruktur derzeit
weder für die ADM Hamburg Aktiengesellschaft noch für den Konzern
ersichtlich.
Währungspositionen bestehen für die ADM Hamburg Aktiengesellschaft
und den ADM Hamburg-Konzern im Wesentlichen in US-Dollar. Die Risiken
werden teilweise über Termingeschäfte mit Unternehmen der ADM-Gruppe
abgesichert.
Die sonstigen finanziellen Verpflichtungen setzten sich am Bilanzstichtag
und wie im Vorjahr aus den Verpflichtungen aus Miet-, Pacht- und Leasingverträgen
sowie dem Bestellobligo für Anlagevermögen zusammen und bestehen in
einer der Geschäftstätigkeit des Konzerns und der ADM Hamburg Aktiengesellschaft
angemessenen Höhe.
Wir erwarten auch in der Zukunft Liquiditätsüberschüsse aus der
Geschäftstätigkeit der ADM Hamburg Aktiengesellschaft und des ADM
Hamburg-Konzerns.
4. Bericht zur Vermögenslage
Die Vermögenslage der ADM Hamburg Aktiengesellschaft und des ADM
Hamburg Konzerns ist im Vergleich zum Vorjahr weiterhin geordnet.
Im handelsrechtlichen Jahresabschluss der ADM Hamburg Aktiengesellschaft
hat sich die Bilanzsumme gegenüber dem Vorjahr um EUR 89,2 Mio auf
EUR 409,6 Mio vermindert.
Die Verringerung ergibt sich hauptsächlich aus den um EUR 144,8
Mio geringeren Forderungen gegen verbundene Unternehmen von EUR 139,1
Mio (Vorjahr EUR 283,9 Mio). Ursächlich hierfür ist im Wesentlichen
die im Verrechnungsverkehr mit verbundenen Unternehmen vorgenommene
Saldierung von Forderungen und Verbindlichkeiten. Gegenläufig wirkte
sich im Stichtagsvergleich der um EUR 44,5 Mio erhöhte Vorratsbestand
insbesondere bei der ADM Hamburg Aktiengesellschaft - Werk Noblee
& Thörl sowie die um EUR 15,6 Mio höheren Sonstigen Vermögensgegenstände
aus der Anwachsung der Silo Rothensee GmbH & Co. KG aus.
Der Buchwert des Anlagevermögens hat sich im Vergleich zum Vorjahr
geringfügig um EUR 2,8 Mio auf EUR 109,2 Mio verringert. Aus der Anwachsung
der Silo Rothensee GmbH & Co. KG auf die ADM Hamburg Aktiengesellschaft
steht dem Zugang von Immateriellen Vermögensgegenständen und Sachanlagen
im Wesentlichen ein Rückgang der Finanzanlagen an der Gesellschaft
gegenüber. Der Anteil des Anlagevermögens an der Bilanzsumme hat sich
im Vergleich zum Vorjahr um 4,2 Prozentpunkte erhöht und beträgt zum
Bilanzstichtag 26,7 % (Vorjahr 22,5 %).
Auf der Passivseite haben sich im Vergleich zum Vorjahr hauptsächlich
die Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen um EUR 105,4
Mio auf EUR 278,7 Mio verringert. Die Veränderungen der übrigen Rückstellungen
und Verbindlichkeiten ergeben sich im Wesentlichen aus der Anwachsung
der Silo Rothensee GmbH & Co. KG auf die ADM Hamburg Aktiengesellschaft.
Aufgrund der Ergebnisübernahme wird ein unverändertes Eigenkapital
der ADM Hamburg Aktiengesellschaft in Höhe von EUR 41,2 Mio ausgewiesen.
Unter Berücksichtigung einer niedrigeren Bilanzsumme beträgt der Eigenkapitalanteil
an der Bilanzsumme nunmehr 10,1 % (Vorjahr 8,3 %).
Im Konzernabschluss erhöhte sich die Bilanzsumme im Vergleich zum
Vorjahr um EUR 90,4 Mio auf EUR 585,9 Mio.
Auf der Aktivseite wirkten sich hierbei insbesondere mit EUR 89,5
Mio die höheren Vorräte und die um EUR 38,8 Mio höheren derivativen
Finanzinstrumente aus. Gegenläufig wirkte sich im Stichtagsvergleich
die Verringerung der Sonstigen finanziellen Vermögenswerte von insgesamt
EUR 58,6 Mio aus, die sich insbesondere aufgrund der im Verrechnungsverkehr
mit verbundenen Unternehmen vorgenommenen Saldierung von Forderungen
und Verbindlichkeiten ergab.
Der Buchwert der Immateriellen Vermögenswerte und Sachanlagen hat
sich gegenüber dem Vorjahr um insgesamt EUR 4,0 Mio verringert. Den
gesamten Investitionen im Berichtszeitraum in Höhe von EUR 16,0 Mio
stehen planmäßige Abschreibungen in Höhe von EUR 17,5 Mio gegenüber.
Bei den Investitionen im Geschäftsjahr handelt es sich im Wesentlichen
um Maßnahmen zur Erweiterung der Extraktion. Der Anteil der langfristigen
Vermögenswerte an der Bilanzsumme verringerte sich leicht gegenüber
dem Vorjahr auf 31,4 % (Vorjahr 32,9 %).
Auf der Passivseite stieg das Eigenkapital nach Berücksichtigung
der Ergebnisabführung der ADM Hamburg Aktiengesellschaft in Höhe von
EUR 15,2 Mio und des im Geschäftsjahr 2010 erzielten Konzernjahresüberschusses
von EUR 18,9 Mio insgesamt um EUR 3,7 Mio auf EUR 76,9 Mio an. Die
KonzernEigenkapitalquote verringerte sich aufgrund der höheren Bilanzsumme
auf 13,1 % (Vorjahr 14,8 %).
5. Gesamtaussage zur Lage
Die Vermögens- und Finanzlage der ADM Hamburg Aktiengesellschaft
und des ADM Hamburg Konzerns sind weiterhin geordnet. Im Geschäftsjahr
2010 hat die ADM Hamburg Aktiengesellschaft ein Ergebnis vor Gewinnabführung
von EUR 15,2 Mio erzielt. Im ADM Hamburg Konzern ergab sich im Geschäftsjahr
2010 ein Konzernjahresüberschuss in Höhe von EUR 18,9 Mio.
Wir erwarten weiterhin positive Ergebnisse in der Zukunft.
6. Nachtragsbericht
Ereignisse von wesentlicher Bedeutung nach dem Bilanzstichtag sind
uns nicht bekannt geworden.
7. Prognosebericht
Der Vorstand der ADM Hamburg Aktiengesellschaft blickt zuversichtlich
in die Zukunft.
Die weitere weltwirtschaftliche Entwicklung ist nicht vorhersehbar.
Und die Gefahr von erneuten Rückschlägen und Risiken bleibt. Doch
in der Regel ist der Einfluss von globalen Wirtschaftskrisen auf die
Agrarmärkte nur gering.
Während wir die denkbaren Risiken auf den Märkten aufmerksam im
Blick behalten werden, sehen wir aber auch die Chancen für unser Geschäft.
Wir sehen diese Chancen im Bereich der Ölsaatenverarbeitung ebenso
wie bei der Biodieselproduktion.
Im Folgenden wollen wir die voraussichtliche Entwicklung der Märkte
für Pflanzenöl und Futterschrote sowie für Biodiesel skizzieren und
gleichzeitig aufzeigen, wie wir diese Chancen und Risiken in unserer
Planung fortlaufend berücksichtigen werden.
Auch weiterhin erwarten wir volatile Märkte für Agrarrohstoffe
mit starken Preisbewegungen in beide Richtungen. Diese werden traditionell
durch fundamentale Einflussfaktoren hervorgerufen. Bei sinkenden weltweiten
Lagerbeständen werden diese fundamentalen Faktoren wie Erntewartungen,
Wetterbedingungen und Erntemengen noch stärkere Preisausschläge hervorrufen
als in der Vergangenheit.
Darüber hinaus wird die unterschiedliche wirtschaftliche Erholung
in den verschiedenen Regionen der Welt für zusätzliche Volatilität
an den Währungsmärkten sorgen. Die Zinspolitik der jeweiligen Zentralbanken
wird dabei ebenfalls eine bedeutsame Rolle spielen. Aber auch internationale
Krisen wie in der arabischen Welt oder Naturkatastrophen werden den
Preispegel an den Märkten stärker ausschlagen lassen.
Die Risiken steigender Marktvolatilität wurden bereits im Jahr
2008 von uns durch die Übertragung weiter Teile unseres Handelsgeschäftes
auf die ADM International Sarl auf ein überschaubares und tragbares
Maß reduziert.
Die Nachfrage nach unseren Produkten Speiseöl, Futterschrot und
Biodiesel wird weiter steigen. Weltweites Bevölkerungswachstum, Urbanisierung,
Ressourcenabbau und Klimawandel sind bestehende Trends. Gleichzeitig
steigt in vielen Ländern das Pro-Kopf-Einkommen. Damit ändert sich
das Konsumverhalten der Menschen. Mehr Fleisch wird konsumiert. Und
mehr PKW werden die Straßen befahren. Die weltweite Mobilität wird
steigen und damit auch der Energieverbrauch.
Wir werden in der Lage sein, einen Teil des steigenden Bedarfes
mit unseren hochwertigen Pflanzenölen, proteinhaltigen Futterschroten
und umweltschonendem Biodiesel zu bedienen. Dafür werden wir unsere
Produktionskapazitäten zielgerichtet erweitern und unsere Logistik
weiter optimieren.
Insbesondere in Europa wird die Nachfrage nach Biokraftstoffen
kontinuierlich steigen. Mit dem Inkrafttreten der RED hat sich die
Europäische Union auch das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 10 Prozent
des fossilen Energieverbrauchs im Verkehrssektor durch erneuerbare
Energieträger zu ersetzen. Um dieses Ziel zu erreichen, führt kein
Weg am Biodiesel vorbei. Die steigende Nachfrage nach Biodiesel wird
die Auslastung unserer Ölsaatenverarbeitung und Biodieselproduktion
unterstützen. Auch wenn der Biodieselmarkt in Deutschland und Europa
bereits Überkapazitäten aufgebaut hat, werden uns die Standorte unserer
Anlagen und die damit verbundenen Logistikvorteile entscheidende Vorteile
im Wettbewerb verschaffen.
Wir erwarten deshalb, dass unsere Anlagen in den nächsten Jahren
ähnlich gut ausgelastet sein werden wie im Berichtsjahr.
Die letzten Jahre haben gezeigt, dass Verbraucher immer kritischer
und anspruchsvoller in Bezug auf ihren Lebensmittelkonsum werden.
Lebensmittel müssen einerseits preisgünstig sein, sie müssen aber
auch gesund und zunehmend nachhaltig erzeugt sein. Die Entwicklung
gesünderer und innovativer Produkte steht ganz besonders im Fokus
unseres Forschungs- und Entwicklungszentrums in Hamburg. Erste Erfolge
bei der Entwicklung neuer Produkte wurden erzielt. Und auch unsere
Muttergesellschaft Archer Daniels Midland Company treibt die Entwicklung
neuer und gesünderer Produkte voran. Die Einbettung in unseren Mutterkonzern
wird es uns ermöglichen, auch von diesen Entwicklungen zu profitieren.
Entscheidende Einflussfaktoren auf unsere Umsatzerlöse sind neben
der Auslastung unserer Anlagen auch die Entwicklung der Marktpreise
und Wechselkurse. In Erwartung weiterhin volatiler Märkte, zunehmender
Interdependenzen auf den Weltmärkten und einer nicht vollständig überwundenen
Weltwirtschaftskrise ist es heute nicht möglich, zu all diesen Einflussfaktoren
belastbare Prognosen abzugeben. Würden jedoch diese Einflussgrößen
in den folgenden Jahren nahezu unverändert bleiben, so sollte dies
auch auf unseren Umsatz und Jahresüberschuss zutreffen.
Unser Unternehmen besteht seit mehr als einhundert Jahren. Darauf
sind wir sehr stolz. Unsere Geschichte hat gezeigt, dass die Ölmühlenindustrie
für die Versorgung der Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln unverzichtbar
ist. Diese Erkenntnis zusammen mit unserer Erfahrung, unserem Know-How,
unserer modernen Technik, unseren motivierten und gut ausgebildeten
Mitarbeitern und dem Bestreben, uns ständig weiter zu verbessern,
bestärkt unsere Zuversicht, dass unsere Geschichte noch lange nicht
zu Ende ist.
Durch die Einbindung in den weltweit operierenden Konzern der Archer
Daniels Midland Company wurde vielmehr ein weiteres Kapitel unserer
Geschichte aufgeschlagen. Wir erhalten damit die Unterstützung, die
wir brauchen, um uns auch in den nächsten Jahren genauso erfolgreich
zu entwickeln, wie in den vergangenen einhundert Jahren.
8. Risiken und Risikomanagement
Der ADM Hamburg Konzern ist als international tätiger Konzern im
Rahmen seiner gewöhnlichen Geschäftstätigkeiten Währungs- und Commodity-Risiken
ausgesetzt. Der Konzernvorstand bedient sich bei der Überwachung dieser
Risiken neben seinem eigenen Berichtswesen unter anderem des Instrumentariums,
welches von der Muttergesellschaft (Archer Daniels Midland Company)
bereitgestellt wird. Die Unternehmenspolitik der Archer Daniels Midland
Company ist die Begrenzung dieser Risiken durch ein systematisches
Risiko-Management. Als Instrumente dienen vor allem Devisentermingeschäfte
und Commodity-Termingeschäfte.
Die ADM Hamburg Aktiengesellschaft als auch die Tochtergesellschaften
begegnen diesen Risiken durch das umfassende Risikomanagement des
Archer Daniels Midland Konzerns, das in unsere Aufbau- und Ablauforganisation
integriert ist. Die Konzernunternehmen der Archer Daniels Midland
Gruppe unterliegen einem strikten Risiko-Management. Handlungsrahmen,
Verantwortlichkeiten und Kontrollen sind in internen Richtlinien verbindlich
festgelegt. Finanzinstrumente dürfen demnach grundsätzlich nicht zu
Spekulationszwecken eingesetzt werden, sondern dienen der Absicherung
von Risiken im Zusammenhang mit dem operativen Geschäft.
Absicherungen im Commodity-Bereich dienen primär der Mengen-, als
auch der Margen-Sicherung. Devisentermingeschäfte dienen der Minimierung
von Wechselkursschwankungen bezogen auf die Funktionalwährung.
Bezüglich der Sicherungsgeschäfte bestehen Vertragsverhältnisse
mit verschiedenen Unternehmen aus dem Archer Daniels Midland Konzern,
die sich auf die Durchführung von Sicherungs-Geschäften spezialisiert
haben. Somit wird die ADM Hamburg Aktiengesellschaft in die konzernweiten
Sicherungsaktivitäten einbezogen. Die Durchführung der Sicherungsgeschäfte
erfolgt für die ADM Hamburg Aktiengesellschaft im Biodieselgeschäft
unter anderem durch den Abschluss von PLATTS-Derivaten. Für die ADM
Hamburg Aktiengesellschaft - Werk Noblee & Thörl und die ADM Rothensee
GmbH & Co. KG erfolgen die Sicherungsgeschäfte im SojaBereich
primär über die Chicago Board of Trade (CBOT) und im Raps-Bereich
über die MATIF.
Als weiteres Risiko ergibt sich im Finanzbereich das Kreditausfallrisiko.
Für das Kreditrisiko bestehen Kreditversicherungen. Allen operativen
Risiken wird durch Qualitätssicherungssysteme, Schulung und Weiterbildung
der Mitarbeiter, regelmäßige Wartung der Anlagen und den Abschluss
geeigneter Versicherungen begegnet. Risiken aus dem rechtlichen Umfeld
stehen unter ständiger Beobachtung. Die Wirksamkeit wird regelmäßig
durch die Revisionsabteilung des Archer Daniels Midland Konzerns überprüft.
Ein enger Kontakt zu den Verbänden der einzelnen Betätigungsfelder
soll helfen, frühzeitig Risiken zu erkennen und im konstruktiven Dialog
die Rahmenbedingungen mitzugestalten.
9. Forschung und Entwicklung
Die Aufwendungen für Forschung- und Entwicklung sind im Vergleich
zu den gesamten Aufwendungen unwesentlich. Die Forschungs- und Entwicklungstätigkeit
dient im Wesentlichen der produktbezogenen Auftragsabwicklung und
führt nicht zur Bildung Immaterieller Vermögenswerte.
10. Angaben nach § 289 Abs. 4 HGB bzw. §
315 Abs. 4 HGB
Das Grundkapital der ADM Hamburg Aktiengesellschaft beträgt zum
31. Dezember 2010 und zum 31. Dezember 2009 jeweils EUR 19.142.768,03.
Es ist eingeteilt in 748.800 auf den Inhaber lautende Stückaktien.
Es handelt sich hierbei seit der Hauptversammlung am 6. Juli 1999
um nennbetragslose Stückaktien.
Die ADM Beteiligungsgesellschaft mbH, Hamburg, hält an der ADM
Hamburg Aktiengesellschaft eine Mehrheitsbeteiligung von 95,1%. Im
Juli 1996 hat die ADM Hamburg Aktiengesellschaft mit der ADM Beteiligungsgesellschaft
mbH als herrschendem Unternehmen einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag
abgeschlossen. Die Minderheitsaktionäre haben das Recht auf eine festgelegte
jährliche Ausgleichszahlung seitens der ADM Beteiligungsgesellschaft
mbH.
Am 31. Dezember 2008 haben uns die ADM Ireland Holdings Ltd/Niederlande,
die ADM Ringaskiddy Unlimited Liability Co./Republik Irland und die
ADM German Holdings B.V./Niederlande mitgeteilt, dass ihr Stimmrechtsanteil
an der ADM Hamburg Aktiengesellschaft am 22. Dezember 2008 durch Aktien
die Schwelle von 75%, 50%, 30%, 25%, 20%, 15%, 10%, 5% und 3% der
Stimmrechte unterschritten hat und nunmehr 0% (das entspricht 0 Stimmrechten)
beträgt.
Gleichzeitig hat uns die ADM International Sàrl, Rolle, Schweiz,
gemäß § 21 Abs. 1 WpHG mitgeteilt, dass ihr Stimmrechtsanteil an der
ADM Hamburg Aktiengesellschaft am 22. Dezember 2008 durch Aktien die
Schwelle von 3%, 5%, 10%, 15%, 20%, 25%, 30%, 50% und 75% der Stimmrechte
überschritten hat und nunmehr 95,18% (das entspricht 712.696 Stimmrechten)
beträgt. 95,18% der Stimmrechte (das entspricht 712.696 Stimmrechten)
sind der Gesellschaft gemäß § 22 Abs. 1, Satz 1, Nr. 1 WpHG zuzurechnen.
Indirekt über die ADM Beteiligungsgesellschaft mbH sind die folgenden
Gesellschaften mit 95,18% am Kapital der ADM Hamburg Aktiengesellschaft
beteiligt:
| ― |
Archer Daniels Midland Company, 4666 Faries Parkway, Decatur,
II 62526, USA,
|
| ― |
ADM Holding LLC, Wilmington, Delaware, USA, Anschrift: 4666
Faries Parkway, Decatur, II 62526, USA,
|
| ― |
ADM Worldwide Holdings LP, Georgetown, Cayman Islands, Anschrift:
c/o Campbell Corporate Services, Scotiabank Building, P.O. Box 268,
Georgetown, Grand Cayman, Cayman Islands,
|
| ― |
Archer Daniels Midland Europe B.V., Anschrift: Stationsstraat
76, NL 1541 LJ Koog aan de Zaan, Niederlande,
|
| ― |
ADM International Sàrl, Anschrift: Zone artisanale Vers La
Pièce, route de l'Etraz, A-One Business Center, Rolle, Schweiz,
|
| ― |
ADM European Management Holding GmbH, Anschrift: Glockengießerwall
22, D 20095 Hamburg,
|
Die Rechte und Pflichten des Vorstandes und des Aufsichtsrates
richten sich wie auch die Ernennung und Abberufung der Mitglieder
des Vorstands und die Änderung der Satzung nach den allgemeinen gesetzlichen
Grundlagen.
11. Personal
Im Berichtsjahr beschäftigte die ADM Hamburg Aktiengesellschaft
durchschnittlich 604 (Vorjahr 198) Mitarbeiter, davon 35 (Vorjahr 0) Auszubildende. Im
Konzern wurden durchschnittlich 637 (Vorjahr 613) Mitarbeiter beschäftigt.
Hiervon sind 35 (Vorjahr 30) Auszubildende.
12. Vergütungssystem Vorstand / Aufsichtsrat
Die Vergütung des Vorstandes durch die ADM Hamburg Aktiengesellschaft
oder ihre Tochtergesellschaften enthält ausschließlich feste Gehaltsbestandteile.
Variable Gehaltsbestandteile, Aktienoptionen u.ä. werden von diesen
Gesellschaften nicht gewährt. Teilweise erhalten die Vorstände weitere
Bezüge von anderen Gesellschaften der ADM-Gruppe, die nicht zum Kreis
des ADM Hamburg Konzerns gehören. Hierzu zählen u.a. Aktienoptionen
auf Aktien der obersten Muttergesellschaft der ADM Gruppe.
Die Vergütung des Aufsichtsrats enthält ausschließlich feste Bestandteile.
Der Vorsitzende hat Anspruch auf den doppelten, sein Stellvertreter
auf den eineinhalbfachen Vergütungsbetrag. Die Vergütung des Aufsichtsrats
ist in § 16 der Satzung geregelt.
13. Corporate Governance
Der Vorstand und der Aufsichtsrat haben die Entsprechenserklärung
gemäß § 161 Aktiengesetz im Juli 2010 abgegeben und auf der Internetseite
der Gesellschaft (http://www.oelag.de/index.php3?hid=00617) dauerhaft,
öffentlich zugänglich gemacht.
Unser Dank und unsere Anerkennung gilt allen unseren Mitarbeitern.
Das gute wirtschaftliche Ergebnis, mit dem der Konzern ADM Hamburg
Aktiengesellschaft das Geschäftsjahr 2010 abschließen konnte, ist
in erheblichem Maße durch ihre Flexibilität und ihren tatkräftigen
Einsatz ermöglicht worden.
Hamburg, den 29. April 2011
Der Vorstand
Jaana Karola Kleinschmit von Lengefeld
Detlef Ernst Evers
Dr. Martin Kropp
Bestätigungsvermerk
Wir haben den Jahresabschluss - bestehend aus Bilanz, Gewinn- und
Verlustrechnung sowie Anhang - unter Einbeziehung der Buchführung
und den Lagebericht, der mit dem Konzernlagebericht zusammengefasst
wurde, der ADM Hamburg Aktiengesellschaft, Hamburg, für das Geschäftsjahr
vom 1. Januar bis 31. Dezember 2010 geprüft. Die Buchführung und die
Aufstellung von Jahresabschluss und Lagebericht nach den deutschen
handelsrechtlichen Vorschriften liegen in der Verantwortung der gesetzlichen
Vertreter der Gesellschaft. Unsere Aufgabe ist es, auf der Grundlage
der von uns durchgeführten Prüfung eine Beurteilung über den Jahresabschluss
unter Einbeziehung der Buchführung und über den Lagebericht abzugeben.
Wir haben unsere Jahresabschlussprüfung nach §317 HGB unter Beachtung
der vom Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) festgestellten deutschen
Grundsätze ordnungsmäßiger Abschlussprüfung vorgenommen. Danach ist
die Prüfung so zu planen und durchzuführen, dass Unrichtigkeiten und
Verstöße, die sich auf die Darstellung des durch den Jahresabschluss
unter Beachtung der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung und durch
den Lagebericht vermittelten Bildes der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage
wesentlich auswirken, mit hinreichender Sicherheit erkannt werden.
Bei der Festlegung der Prüfungshandlungen werden die Kenntnisse über
die Geschäftstätigkeit und über das wirtschaftliche und rechtliche
Umfeld der Gesellschaft sowie die Erwartungen über mögliche Fehler
berücksichtigt. Im Rahmen der Prüfung werden die Wirksamkeit des rechnungslegungsbezogenen
internen Kontrollsystems sowie Nachweise für die Angaben in Buchführung,
Jahresabschluss und Lagebericht überwiegend auf der Basis von Stichproben
beurteilt. Die Prüfung umfasst die Beurteilung der angewandten Bilanzierungsgrundsätze
und der wesentlichen Einschätzungen der gesetzlichen Vertreter sowie
die Würdigung der Gesamtdarstellung des Jahresabschlusses und des
Lageberichts. Wir sind der Auffassung, dass unsere Prüfung eine hinreichend
sichere Grundlage für unsere Beurteilung bildet.
Unsere Prüfung hat zu keinen Einwendungen geführt
Nach unserer Beurteilung aufgrund der bei der Prüfung gewonnenen
Erkenntnisse entspricht der Jahresabschluss den gesetzlichen Vorschriften
und vermittelt unter Beachtung der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung
ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-,
Finanz- und Ertragslage der Gesellschaft. Der Lagebericht steht im
Einklang mit dem Jahresabschluss, vermittelt insgesamt ein zutreffendes
Bild von der Lage der Gesellschaft und stellt die Chancen und Risiken
der zukünftigen Entwicklung zutreffend dar.
Hamburg, 9. Mai 2011
Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Nissen-Schmidt, Wirtschaftsprüferin
Rißler, Wirtschaftsprüfer
Versicherung der gesetzlichen Vertreter
Wir versichern nach bestem Wissen, dass gemäß den anzuwendenden
Rechnungslegungsgrundsätzen der Jahresabschluss ein den tatsächlichen
Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage
der Gesellschaft vermittelt und im Lagebericht der Geschäftsverlauf
einschließlich des Geschäftsergebnisses und die Lage der Gesellschaft
so dargestellt sind, dass ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes
Bild vermittelt wird, sowie die wesentlichen Chancen und Risiken der
voraussichtlichen Entwicklung der Gesellschaft beschrieben sind.
Hamburg, 29. April 2011
Der Vorstand
Jaana Karola Kleinschmit von Lengefeld
Detlef Ernst Evers
Dr. Martin Kropp
ADM Hamburg Aktiengesellschaft Bericht des Aufsichtsrates
Überwachung der Geschäftsführung
Das Geschäftsjahr 2010 war geprägt von anstehenden Veränderungen
gesetzlicher Rahmenbedingungen sowie von Restrukturierungsmaßnahmen
innerhalb der ADM Hamburg Aktiengesellschaft und ihrer Beteiligungen.
Die vorgenannten Prozesse hat der Aufsichtsrat erneut aktiv durch
Beratungen und Diskussionen mit dem Vorstand begleitet. Dabei hat
der Aufsichtsrat die Geschäftsführung auf der Grundlage von Vorstandsberichten
und gemeinsamen Sitzungen laufend überwacht. Die seiner Zustimmung
bedürfenden Geschäfte hat er überprüft und jeweils mit dem Vorstand
besprochen.
Aufsichtsratszusammensetzung
Dem aus insgesamt zwei Vertretern der Aktionäre und einem Vertreter
der Arbeitnehmer bestehenden Aufsichtsrat gehörten im Geschäftsjahr
2010 an:
a) Prof. Dr. Klaus-Peter Hopp (Aufsichtsratsvorsitzender),
b) Brent Fenton (stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, ab
dem 19. Februar 2010),
c) Thomas Schlomm (Arbeitnehmervertreter).
Der Aufsichtsrat hat angesichts seiner auf drei Mitglieder beschränkten
Größe keine Ausschüsse gebildet.
Sitzungen des Aufsichtsrates
Der Aufsichtsrat hat sich im Geschäftsjahr 2010 in insgesamt vier
Sitzungen - am 19. April, 31. Mai, 27. August und 24. November 2010
über die laufende Umsatz-, Ergebnis- und Liquiditätsentwicklung, über
die Budgetplanung, die strategischen Ziele, das Risikomanagement sowie
alle organisatorischen und personellen Veränderungen einschließlich
aller weiteren Vorgänge von wesentlicher Bedeutung umfassend unterrichten
lassen. Darüber hinaus hat der Vorstand laufend durch detaillierte
Berichte über prägende Geschäftsvorfälle der Gesellschaft und des
Konzerns informiert. Im Übrigen stand der Aufsichtsratsvorsitzende
in ständigem, engem Kontakt zum Vorstand, der ihn über aktuelle Geschäftsvorgänge
umfassend unterrichtete und mit dem regelmäßig Gespräche über wesentliche
strategische und geschäftspolitische Fragen der Gesellschaft und des
Konzerns geführt wurden. Soweit der Aufgabenkreis des Vorstands bzw.
das Zusammenwirken der Organe betroffen war, hat der Vorstand an den
Sitzungen des Aufsichtsrats teilgenommen.
Corporate Governance
Die Vergütung der Aufsichtsratsmitglieder ist in dem Anhang des
Konzernabschlusses, abgedruckt in diesem Geschäftsbericht, ausgewiesen.
Vorstand und Aufsichtsrat haben im Juli 2010 die jährliche Entsprechenserklärung
zum deutschen Corporate Governance Kodex abgegeben und diese dauerhaft
zur Verfügung gestellt.
Rechnungslegung
Als Abschlussprüfer wurde von der Hauptversammlung der Gesellschaft
die Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Niederlassung
Hamburg, gewählt. Der Aufsichtsrat hat daraufhin den Prüfungsauftrag
erteilt. Der Abschlussprüfer hat den Jahresabschluss der ADM Hamburg
Aktiengesellschaft und den Konzernabschluss zum 31. Dezember 2010
sowie den zusammengefassten Lage- und Konzernlagebericht geprüft und
mit uneingeschränkten Bestätigungsvermerken versehen.
Am 12.05.2011 fand die Bilanzaufsichtsratssitzung statt. Die entsprechenden
Vorlagen und Prüfungsberichte wurden den Aufsichtsratsmitgliedern
im Vorfeld dieser Sitzung ausgehändigt. Der Abschlussprüfer nahm an
der Sitzung teil, berichtete über den Verlauf der Prüfung und die
Prüfungsergebnisse und stand für die Beantwortung von Fragen sowie
zur Diskussion der Unterlagen zur Verfügung.
Das Ergebnis der Prüfung des Abschlussprüfers hat der Aufsichtsrat
zustimmend zur Kenntnis genommen. Der Aufsichtsrat hat nach eigenen
Prüfungen von Jahresabschluss, Konzernabschluss sowie zusammengefassten
Lage- und Konzernlagebericht der Gesellschaft keine Einwendungen erhoben.
Der Aufsichtsrat hat den vom Vorstand aufgestellten Jahresabschluss
gebilligt, der damit festgestellt ist. Der Aufsichtsrat hat auch den
vom Vorstand aufgestellten Konzernabschluss gebilligt.
Der Aufsichtsrat hat durch Beschluss vom 23.09.2010 Herrn Dr. Martin
Kropp mit Wirkung zum 23.09.2010 zum ordentlichen Mitglied des Vorstands
der ADM Hamburg Aktiengesellschaft bestellt. Mit Beschluss vom 19.
Februar 2011 hat der Aufsichtsrat mit Wirkung ab dem 28. Februar 2011
Herrn Dr. Ostheim als Mitglied des Vorstands abberufen. Gleichzeitig
wurde mit Wirkung ab dem 28. Februar 2011 das Vorstandsmitglied Frau
Jaana Karola Kleinschmit von Lengefeld zum Vorstandsvorsitzenden ernannt.
Danksagung
Der Aufsichtsrat bedankt sich bei den Vorstandsmitgliedern, allen
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gesellschaft und den Betriebsräten
für das große Engagement, für ihren tatkräftigen Einsatz im Interesse
des Unternehmens sowie für die im Geschäftsjahr 2010 erzielten Erfolge.
Hamburg, 13. Mai 2011
Für den Aufsichtsrat
Prof. Dr. Klaus-Peter Hopp, Vorsitzender
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